Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 17 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Pogrommaterialien
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187770-3187772-3194519--5042-3194553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 10 - Kleinhändler, ein Teil wird Arbeiter und Handwerker, ein Teil ist in die Räteanstalten übergegangen und ein ganz großer Teil, mehr als ein Drittel, ist ohne Beschäftigung. Arbeiter und Handwerker werden Vermittler und Angestellte. Angestelite werden Arbeiter und Handwerker, 28,7% der Gesamtmasse ist ohne Beschäftigung und muß durch Unterstützung von Verwandten, Reichsanstalten u. a. leben. Die Elemente, die sich in der alten Heimat mit produktiver Arbeit beschäftigt haben, oder Elemente einer bestimmten Spezialität zeigen in der neuen Heimat eine größere Festigkeit als alle übrigen und haben den kleinsten Prozentsatz von Beschäftigungslosen. Wir sehen, daß 56,9% der ehemaligen Arbeiter auch am neuen Orte Arbeiter sind, daß 49,4% der ehemaligen Handwerker auch jetzt bei dieser Beschäftigung verbleiben, und während der durchschnittliche Prozentsatz aller Beschäftigungslosen 28,7% beträgt, bleiben die Arbeiter und Handwerker nur 21,4% Arbeitslose. Die ostjüdische Eiewanderungsbevö'ikening der Stadt Berlin. Von Dr. Klara Esch e.lbac her, Berlin. (Fortsetzung und Schluß) Zu dieser Zeit, kurz nach Einführung der Banderole, brachte eine englische Finna, die in Dresden ihre Niederlassung hatte, eine Maschine auf den Markt. Sie war sehr viel besser und sinnreicher konstruiert als die alten Modelle und konnte tatsächlich einen Ersatz für Handarbeit leisten. Ihr Betrieb verbilligte sehr wesentlich die Zigarettenfabrikation. In neun Stunden wurden 100 000 Stück durch eine Maschine hergestellt, ein Quantum, das55—60 tüchtige Handarbeiter in derselben Zeit verfertigten. Zur Bedienung der Maschine war ein Monteur nötig, der 60—70 Pfennig pro Stunde erhielt und ein Arbeitsmädchen, das 8 Mark pro Woche verdiente. Eine Maschine kostete 20000 Mark, wurde auf Abzahlung geliefert und ohne Anzahlung eingestellt. Die Benutzung der Maschine war zwar als Notwendigkeit erkannt worden, aber die Maschinenarbeit war zunächst so wenig beliebt, das man nur verstohlen Maschinen einstellte. Eine Firma, die schon einen verhältnismäßig großen Umsatz hatte, brachte an möglichst sichtbarer Stelle die Handarbeiter im Geschäftshaus unter. In einem anderen Lokal wurden im vierten Stock die Maschinen aufgestellt. Trotz aller Vorurteile bürgerte sich aber die Maschine ein, und ihre Benutzung wurde allgemeiner, als die Banderole vom 15. Juli 1909 der Zigarettenindustrie neue und größere Belastung brachte und wider alles Erwarten der Zigarettenkonsum erstaunlich gestiegen war. Mit der Einstellung der Maschinen entstand eine spezielle Art des Unternehmertums. Nicht alle bisher hausindustriell mit Hilfe weniger Arbeiter geführten Betriebe konnten und wollten eine Maschine einstellen. Höchstens wurde hier und da eine Tabaksschneidemaschine, die klein war, gekauft. Aber für größere Maschinen war der Umsatz nicht groß genug, um sie länger als einige Stunden zu beschäftigen, anderer-