Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 45)
- Language
- German
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Von allen jüdischen Erwerbstätigen waren 1895: 58,7%, 1907: 53,1% Unternehmer, 18,6 bezw. 26,2% Angestellte und 22,7 bezw. 20,7% Arbeiter1). Dagegen von allen andersgläubigen Erwerbstätigen nur 26,8 bezw. 22,5% Unternehmer und 10,4 bezw. 15,3% Angestellte, aber 62,8 bezw. 62,2% Arbeiter1). Allen gemeinsam ist nur der Rückgang der Selbständigen und die Steigerung der Angestellten als Folge der neuzeitlichen Wirtschaftsentwicklung. Die tiefere Gliederung nach einzelnen Konfessionen und dem Geschlecht, ergibt bei den männlichen Evangelischen 24,84 bezw. 21,50% Selbstständige, 12,68 bezw. 17,42% Angestellte und 62,48 bezw. 61,08% Arbeiter, das sind ähnliche Ziffern wie die alier Andersgläubigen zusammen. Nur der Prozentsatz der Angestellten ist höher. Unterschiedlicher ist die Verteiluno1, d^r männlichen Katholiken. Sie ö " ~ "; haben nur 25,33 bezw. 16,50% Selbständige und 11,61 bezw. 12,03% Angestellte, dafür aber 63,06 bezw. 71,47% Arbeiter. Die männlichen jüdischen Erwerbstätigen bestehen mit 61,07 bezw. 55,58% aus Selbstständigen, mit 20,44 bezw. 26,30% aus Angestellten und mit 18,49 bezw. 18,12% aus Arbeiter, also ähnliche Zahlen wie bei allen j jüdischen Erwerbstätigen. Interessante Abweichungen zeigt die soziale Schichtung der weiblichen Erwerbstätigen. Bei den christlichen Konfessionen ergibt sich ein höherer Prozentsatz der weiblichen Selbständigen im Vergleich zu den männlichen. Und zwar 34,01 bezw. 27,60% bei den Evangelischen und 36,59 bezw. 27,78% bei den Katholiken. Nur die J) Die Abt. D. häusliche Dienste und wechselnde Lohnarbeit, ferner die Militärpersonen vom Feldwebel abwärts sind den Arbeitern zugerechnet worden. Die Rentner und Anstaltsinsassen usw. scheiden aus. jüdischen weiblichen Erwerbstätigen haben weniger Selbständige aufzuweisen als die männlichen infoige ihrer geringeren Anteilnahme am Erwerbsleben, doch übersteigt ihr Prozentsatz immer noch bedeutend den ' der christlichen selbständigen Frauen. Die bei den Männern festgestellte Abnahme der Selbständigen ist auch bei den Frauen zu bemerken. Am geringsten ist sie bei den jüdischen Erwerbstätigen. Kleinere Ziffern als die männlichen Erwerbstätigen haben aber die Frauen als Angestellte aufzuweisen. Charakteristisch ist hier vor allem die starke Steigerung bei den jüdischen Frauen von 9,27 auf 25,62% als Beweis ihrer steigenden wirtschaftlichen Betätigung. Die jüdischen männlichen Erwerbstätigen vermehrten sich dagegen nur von 20.44 auf 26.30%, während die evangelischen weiblichen Angestellten von 1,98 auf 9,02%, und die katholischen von 2,36 auf 5,94% zunahmen. An den Arbeitern sind die Frauen der Gesamtbevölkerung (mit Ausnahme der Katholiken) wieder in höherem Maße beteiligt als die Männer. Besonders auffallend ist die stärkere Beteiligung bei den jüdischen | Frauen mit 42,92 bezw. 31,53% gegenüber den jüdischen Männern mit nur 18,49 bezw. 18,12%. Das mag zum Teil auch daran liegen, daß das gesamte im Handelsgewerbe in Ladengeschäften tätige Verkaufspersonal — unter denen sich ein grosser Teil Frauen befindet, den Arbeitern zugerechnet worden ist, während es nach sozialer Stellung und Einkommen vielmehr zu den Angestellten gehört hätte. Eine Veranschaulichung der hiermit gewonnenen Resultate bietet die folgende Tabelle, welche die einzelnen Konfessionen nach ihrer sozialen Schichtung in den Hauptberufen aufführt.