Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 87 (sequence 23)
- Language
- German
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- 87 — aus diesen Mischehen, die anfänglich noch Juden sind, gehen später dem Judentum doch verloren. Ihr nicht rein jüdisches Blut und die christliche Atmosphäre in die sie meistens durch christliche Verwandte kommen, entfremdet sie leicht dem Judentum. Ruppin1) meint, es dürfte kaum zuviel gesagt sein, wenn man annimmt, daß von den jüdisch gebliebenen Kindern aus Mischehen noch etwa rh'p Hälftp a1<? Frwarh?pnp vnrn Tnrlpn- —' ~ v " "«-*..». m. m. xsm. A jl W J. -* i 11 M^HAdwAJV V W i i A V/ UUCli tum abfallen. Danach erkennt man erst die Verluste der Juden durch Mischehen in ihrer ganzen Größe. Am stärksten sind die Taufen bei unehelich Geborenen, die auf- und absteigen von 10 % bis zu 15 %. Die häufig christliche Abstammung des Vaters kann eine Erklärung dafür sein. Bei den ehelich Geborenen finden wir mit 1,6 bis 3,6 % die geringste Taufziffer, die an sich noch groß genug erscheint. Die Taufen von der Gesamtheit aller Geborenen machen 1885/90 8,2 % aus, steigen bis 1900/05 auf 13,8 X» um im letzten Jahrfünft auf 10,3 % zu fallen. Bezieht man alle Taufen auf je 1000 jüdische Personen, so ergeben sich für das Jahr 1885 drei, 1895 fünf und 1905 vier Taufen. Die Zu- und Abnahme erfolgt nicht in regelmäßiger Folge. Durchschnittlich muß eine Tendenz zur Zunahme festgestellt werden. Von allen Erklärungen, die man dafür gefunden hat, seien hier nur zwei angeführt, die scheinbar im Widerspruch zueinander stehen: Einmal die soziale Zurücksetzung der Juden trotz gesetzlicher Gleichberechtigung, die sie dann durch die Taufe erzwingen wollen und zum zweiten das „enge örtliche Zusammenleben einer von moderner Bildung und Wissenschaff beherrschten christlichen mit einer auf gleicher Wirtsc haftsl) Ruppin: Juden der Gegenwart, S. 176. i und Bildungsstufe stehenden jüdischen Be-! völkerung."2) Welche Motive auch immer I o J die Taufe veranlassen, die Verluste, die das Judentum dadurch erleidet, bleiben gleich groß. Sterblichkeit. Bedeuten Mischehen und Taufen ein Minus für den Geburtenüberschuß der Juden, so können dagegen ihre Sterblichkeitsziffern als Plus angesehen werden. Die Juden haben überall eine niedrigere Sterblichkeit als die Nichtjuden. Einerseits ergibt sich diese Erscheinung naturgemäß aus ihrer niedrigen Geburtenziffer, da die Säuglingssterblichkeit einen großen Anteil an der allgemeinen SterbHrhkpits/iffpr ausmacht. Außero ~ -~ dem aber sind die Sterblichkeitsverhältnisse der jüdischen Säuglinge und Kinder laut statistischer Berechnung noch besonders günstig. Die Erklärung dafür dürfte in dem größeren Wohlstand der Juden zu suchen sein, der ihnen bessere Pflege der Kinder ermöglicht. Der zahlenmäßige Beweis ist schon durch May's Statistik erbracht worden. Bei den Juden kommt noch begünstigend hinzu, daß die Väter nicht dem Alkohol ergeben sind und daß selbst arme Juden ihren Kindern größere Sorgfalt angedeihen lassen. Die folgende Aufstellung über die Moru ' talität2) in Hamburg wird nur ein ungefähres Bild ergeben können, weil die Sterblichkeit innerhalb der verschiedenen Altersklassen nicht konfessionell gegliedert ist und eine solche Unterscheidung für eine genaue Uebersicht erforderlich wäre. 2j Ruppin: S. 188, 3) Auf die Mängel der jüdischen Ziffern wurde schon eingangs hingewiesen,