Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Bevölkerungsbewegung der Juden in Berlin
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 66 (sequence 10)
- Language
- German
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- 66 - den Angehörigen der einzelnen Bekenntnisse wird zweifellos beeinflußt von den Gesinnungen, welche diese zu einander hegen. Angewandt auf die jüdisch-christlichen Mischehen bedeutet dies, daß das Entstehen und Schwinden der antisemitischen Bewegung sich sicher auch in den Mischeheziffer ausprägen wird. Und zwar wird in dieser Hinsicht wohl in erster Linie die Entwicklung der Eheschließungen zwischen christlichen Männern und jüdischen Frauen von Bedeutung sein. Aus diesem Grunde müssen wir die Ehen zwischen evangelischen Männern und jüdischen Frauen in den einzelnen Jahren vorführen. Die Ziffern der Ehen zwischen katholischen Männern und jüdischen Frauen sind so gering, daß sie nicht als Unterlage der Betrachtung dienen können. Jahr: Evangel. Männer Jüd Männer m. m. jüd. Frauen cvang. Fr; 1876 48 ' 43 1877 43 42 1878 33 46 1879 38 52 1880 31 57 1881 38 60 i882 46 7<6 1883 io ti 51 1884 47 4S 1885 42 67 Jahr: Evangel. Männer jüd. Man m. jüd. Frauen evang. l"t 1886 46 84 1887 66 85 1888 58 88 1889 10 ■i .j 72 1890 57 83 1891 47 72 1892 54 75 1893 56 83 1894 45 80 1895 41 97 Wir haben das Jahrfünft 1891/1895 noch hinzugenomrnen. da dies, wie die folgenden Ausführungen zeigen, zur Klarstellung unserer Untersuchung notwendig ist. Die neuere antisemitische Bewegung nahm bekanntlich ihren Anfang Ende der 70er Jahre, hielt damals allerdings nur kurze Zeit an. Ein Jahrzehnt später bekam sie : einen neuen Anstoß und erreichte ihren Höhepunkt in der Mitte der 90er Jahre. Von da ab flaute sie wieder ab. Ein Blick auf die Tabelle zeigt nun, daß in der Tat die beiden Zeitstrecken besonders hervor- : traten. Noch im Jahre 1876 gingen 48 : evangelische Männer eine Ehe mit jüdischen ■ Frauen ein. Von da ab aber sank die Ziffer; auf 34 i. J. 1880. Sie stieg nun im Laufe j des Jahrzehnts 1880/1890 auf 57, um dann | in den beiden Jahren 1894 und 1895 bis I auf4 1 herabzusinken. Eine Uebcreinstimmuug ist also ganz deutlich sichtbar. Auf die Hochkonjunktur in der zweii ten Hälfte der 80 er Jahre war ein Rückschlag gefolgt, der bis Miite des nächstfolgenden Jahrzehnts anhielt. Auch dies prägt sich in den Zuzügen und Fort-; zügen uud der Eheschließungskurve aus. Auf die Rekordzuwanderung von 196 786 im Jahre 1890 folgte im Jahr darauf eine solche von 192 550, die dann mit einem; Schlage im Jahre 1892 auf 177 744 sank! Auch noch in den beiden Jahren 1893 und 1894 war der Zustrom nicht viel größer; j er betrug 183718 bezw. 184 654 und erst j im Jahre 1895 schnellte die Ziffer mächtig j in die Höhe. Gleichzeitig war die Zahl j der Abwandernde i in den genannten Jahren I gestiegen und zwar von 163 662 i. J. 1890; auf 183 034 t. J. 1891 und nach einem vorj übergehenden Nachlassen auf 186 557 i. J. 1894 und 191 709 i. J. 1895,