Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Geburten und Sterbefälle in den Jahren 1911, 1912 u. 1913
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 56 (sequence 3)
- Language
- German
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- 56 - 3. Natürliche Zunahme: Die natürliche Zunahme betrug auf je 1000 Seelen bei Jahr Gesamtbev. j j Katholiken lat Ritus | Katholiken j i griech. Ritus j Reform.! Evangelisch j! A. K.! 1! Griechisch Orthodox Israeliten 1911 10,8 11,8 8,7! 8,6 7,0 i 11,6 1912 13,0 1 13,8 i 16,2 11,1! 10,8 | 10,5! 12,5 1913 1I,0 12,5 12,0 j 9,3 9,6 7,5 1 10,6 Literatur. Besprechung des Aufsatzes Statistische Untersuchungen über die Neigung zu Mischehen (Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, 71. Jahrgang 1915, I. Heft.) In der Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft bringt David Tachauer eine Abhandlung, betitelt „Statistische Untersuchungen über die Neigung zu Mischehen " Die landläufigen Statistiken auf diesem Gebiet begnügen sich meistens damit, die Häufigkeit der Mischehe in den einzelnen Jahren zahlenmäßig festzustellen, ihren Anteil an den ungemischten Ehen herauszurechnen und die Unterschiede für die einzelnen Zählungsperioden darzulegen. Dies genügt auch zumeist für den normalen Bedarf an Erkenntnis Tachauer will mehr als die gewöhnliche Erkenntnis, darum geht er methodisch anders vor. Er betrachtet die ganze soziologische Erscheinung der Mischehe, losgelöst vom Zufall der Einzeihandlung rein als Massenereignis; jede einzelne Ehe ist ihm gleichmögliches Elementarereignis. Er sucht das Verhältnis der Anzahl Möglichkeiten der Mischehen zu den Möglichkeiten einer Ehe überhaupt aus dem vorhandenen statistischen Material zu bestimmen. Jene Zahl, die das Verhältnis der tatsächlich vorhandenen Mischehen zu den möglichen Mischehen angibt, nennt T. „Neigungskoeffizient". Dessen Größenunterschied gibt dann in den einzelnen Fällen tatsächlich die-Verschiedenheit der Neigung zu Mischehen an Aus der Verschiedenheit dieses Koeffizienten in den einzelnen Bevölkerungszentren sucht T. die tatsächlichen Gründe und Faktoren, die die Neigung zu Mischehen beeinflussen und bestimmen, herzuleiten, um dann schließlich zu gesetzmäßigem Erkennen zu kommen. Seine Methode, soziale und soziologische Vorgänge in mathematischen Zahlenbildern darzustellen, sie gewissermaßen kristallisiert zu geben, um sie nachher wieder in die einzelnen Grundursachen aufzulösen, ist eine der neuesten auf dem Gebiete der National- Für die Redaktion venmiw ertlich: Peclitsiiiivvsn Dr. Bruno B 1; Inhaber Arthur Schiesing Druck von E. Grüne Ökonomie. Sie wird von T. mit gutem Erfolg zum ersten Mal bei der Untersuchung über die Neigung zu Mischehen angewandt. Im rechnerisch-darstel. lenden Teil liefert er wirklich Vorzügliches Seine Berechnungen über die Neigung zu Mischehen in den einzelnen Bundesstaaten und einigen Hauptstädten sind mit einer vortrefflichen Sicherheit und Genauigkeit durchgeführt. Auch sind seine Berechnungen der Bevölkerungsdichte in ihrer Beziehung zur Mischehe außerordentlich erwünscht und lehrreich. Da, wo jedoch T. daran geht, seine mathematischen Bilder aufzulösen, die tatsächlichen Gründe und Ursachen herauszuarbeiten, ist er oft zu schematisch und kommt über gute Anfänge nicht hinaus. So ist es z. B. für den denkenden Leser nicht befriedigend wenn Tachauer zur Erklärung der geringen Zahl der Mischehen in Württemberg den Beleg gibt: „Aus irgend welchen Gründen widersetzt sich eben dast württembergische Judentum sehr stark der Auflösung. Bei genauerer Prüfung hätte der Verfasser sehen müssen, daß der Grund darin lag, daß Württemberg nur ein e Großstadt hat und die Juden daher in ländlichen und kleinstädtischen Ansiedlungen wohnen, wo durch innere und äußere Gründe meist jede Voraussetzung für eine Mischehe fehlt. Auch in anderen Fällen ist dem Verfasser eine gewisse Einseitigkeit nachzuweisen Er hätte die Abgeschlossenheit vieler nichtjüdischen Schichten gegenüber den Juden hervorheben müssen, er hätte für die geringe Zahl der Mischehen der Jüdin auch auf die bei den Juden gewöhnliche Art der Eheschließung, nämlich die Ehevermittlung hinweisen müssen, die der jungen Jüdin meistens jede eigene Initiative zur Eheschließung nimmt. Im Grunde beeinträchtigen diese Fehler den wissenschaftlichen Wert der Arbeit wenig Die Arbeit gibt neue Erkenntnis auf dem Gebiete der Neigung zu Mischehen, ist durch die Anwendung ihrer Methode bemerkenswert und bringt Interessantes auch für den Spezialforscher. P. W. -O. \ d b e r g e r .1 u . Berlin-Charlottenburg. — Verlag von M a x S e r Berlin W. 62, Schillstraße 3. r, Bernau bei Berlin