Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Die Berufe der Juden in München
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 43 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 43 - liehen Verhältnisse der jüdischen und der Gesamtbevölkerung in Deutschland behandelt worden sind. Nur auf die vielfachen Zeichen beruflicher Assimilation der Juden an die Gesamtbevölkerung, wie sie namentlich in unserem ersten Artikel hervortreten (Verschiebung des Verhältnisses zwischen Handel und Industrie zu Gunsten der Industrie, des Verhältnisses zwischen Selbständigen und Unselbständigen zu Gunsten der letzteren Ziffer, wachsende Bedeutung der freien Berufe) sei nochmals hingewiesen. Das starke Hervortreten der Rentnerschicht bei den Münchener Juden deutet auf durchschnittliche Wohlhabenheit hin, die große Zahl von Studierenden und Angehörigen der freien Berufe auf dieselbe Ursache, aber auch auf den traditionellen Intellektualismus der Juden, sie hat aber auch eine lokale Ursache in dem Charakter der Stadt als Bildungszentrum. Die spezielle Zusammensetzung der jüdischen Kaufmannschaft, die hier zum ersten Mal für eine größere Stadt statistisch erhoben worden ist, deutet auf Momente der Integration, aber auch, und zwar ganz besonders der Differenziierung hin, deren Ursachen einer näheren Erforschung würdig wären. Was die zweite oben hervorgehobene Erscheinung betrifft, so zeigt sie sich besonders darin, daß bei den ausländischen Juden in München die gewerbliche Betätigung stärker hervortritt als bei den in Deutschland Geborenen, die freien Berufe dagegen mehr zurücktreten. Die Ursache ist die Art der Berufstätigkeit der osteuropäischen Juden, die die Hauptmasse der ausländischen Juden, ausmachen, in ihren Geburtsländern, ferner ihre geringere Wohlhabenheit Aber auch durch ihre starke Betonung gewisser Berufszweige, in der Industrie, und auch beim Handel, bringen die ausländischen Juden gewisse Besonderheiten in die berufliche Struktur der Münchener Juden, wie sich nicht nur aus dem zweiten, sondern auch schon aus dem ersten Artikel ergibt. Es erübrigt, hier noch einmal darauf einzugehen. Der vorwiegend proletarische Charakter der jüdischen Einwanderungsbevölkerung zeigt sich auch in ihrer sozialen Stellung, Für die Statistik der Juden als Wissenschaft aber ergibt sich die Schlußfolgerung, wie fruchtbringend es ist, wenn nicht nur die beruflichen Verhältnisse der Juden in einzelnen Ländern untersucht werden, sondern auch auf die nächstniedere geographische Einheit die Gemeinde, und zwar zunächst auf die großen Städte herabgegangen wird. Was der Forscher dabei an Umfang des Materials einbüßt, das kann er leicht durch liebevollere Erfassung der Details wieder hereinbringen. irundzüge einer Beuölkerunisstatistik der Juden. Von Dr. Jacob Wer sich nicht dilettantenmäßig mit der Statistik der Juden beschäftigt, sondern von dem Bestreben geleitet ist, aus ihr die Erkenntnis der rein tatsächlichen Verhältnisse und Erscheinungen, die zahlenmäßiger Erfassung unterliegen, zu schöpfen, wird sich zweifellos die Frage vorgelegt haben, ob es mög- Segall, Berlin. lieh sei, zur Untersuchung aller statistischer Methode zugänglichen Komplexe von Zuständen und Lebensprozessen einwandfreies Material zu erhalten. Eine auch nur oberflächliche Beschäftitigung mit Schriften, die sich mit dem jungen Wissensgebiete der Statistik der Jude«