Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1916)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung Galiziens bis 1910
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
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- 18 - völkerung des Dorfes verbunden; die das Dorf veranlassenden Bewohner ziehen in eine größere Stadt, Endlich sind die größten Städte in nicht seltenen Fällen die Endstationen im Lande vor dem Verlassen seiner Grenzen. Sie sind Abwanderungsstation e n vor der Auswanderung. — Nationale Zusammensetzung. A. Verhält niszuanderenNationalitäte n. Die nationale Zusammensetzung Galizien ist aus der amtlichen Statistik nicht zu entnehmen, diese kann erst auf Grund von vorgenommenen Korrekturen und unter Zugrundelegung der konfessionellen Statistik erhoben werden. Die eigentliche Nationalitätenstatistik ist speziell in Galizien, also im Lande der dichtesten jüdischen Siedlung, gänzlich unzuverläßig, weil sie aus rein politischen Erwägungen heraus stark von der wissensshaftlichen Methode abgewichen ist; die Nationalitätenstatistik ist in dem Lande, in welchem sich die beiden slawischen Nationalitäten, die Polen und Ruthenen fast die Wage halten, ein Politicum; auf Kosten der neutralen Nationalitäten wird der Kampf ausgefochten. Daher das Bestreben der vorläutig herrschenden Nationalität (der Polen), mit Hilfe der Juden das Uebergewicht im Lande auf dem Papier dokumentarisch nachzuweisen. Allein bei der jüdischen Bevölkerung kann die künstlich konstruierte nationale Zugehörigkeit auf Grund der konfessionellen Ziffern richtiggestellt werden. Schauen wir mit Hilfe der Karte Galiziens die statistischen Ziffern der Bevölkerung und deren Siedlungsweise an, so ergibt sich, daß l) die acht Bezirke mit der relativ geringsten jüdischen Bevölkerung in der äußersten Ecke Westgaliziens, des geschlossensten polnischen Territoriums gelegen sind. Aus diesem Territorium ragen blos die Städte Krakau und Tarnow herrvor, was ihre Erklärung findet in der allgemeinen Erscheinung der Konzentrierung der Juden in den größeren \ Städten; 2) etwas mehr östlich und nörd- I lieh von diesen 8 Bezirken folgt die weitere I Zone mit der relativen Ziffer von 5—10 % \ \ der jüdischen Bevölkerung, und zwar steigt \ die Linie zuerst langsam, dann immer stär- | ker, je mehr sie nach Osten und dem Nordwesten gerichtet ist, im Osten und speziell im Südosten wächst sodann die Ziffer bis 19 >7. Der westliche Teii Galiziens (abgerundet vom Flächeninhalt 24 000 Quadratkilometer) ist national einheitlich; er bildet das geschlossene Siedlungsgebiet des polnischen Stammes, auf welchem sich lediglich kleine jüdische Inselchen befinden. Ostgalizien, an Flächeninhalt mehr als zweimal so groß (rund 54 000 qkm), ist nur zu einem gerin- | geren Teile national einheitlich, nämlich | ruthenisch; in diesem Teile gibt es nur 8 I ausschließlich ruthenische Bezirke mit ver- | schiedenem polnischen und jüdischen Anteil, der restliche Teil ist relativ ruthenisch mit starken polnischen Minoritäten in den ganzen Bezirken und jüdischen beträchtlichen Minoritäten und relativen und absoluten Majoritäten in den Städten. Nehmen wir nun das Territorium der dichtesten Siedlung der ruthenischen Bevölkerung, namentlich die 8 Bezirke Pecrenizyn, Nadworna, Turka, Dohna, Bohorodrzany, Sniatyn, Kossow, jenes fast rechteckigen Stückes im äußersten Südosten, welches nur durch den Kaluszer Bezirk durchschnitten ist,! so haben wir das genaue Gegenteil des früher I erwähnten geschlossenen polnischen Sied- : lungsgebietes. In 17 Bezirken Ostgaliziens mit vorwiegend ruthenischer Bevölkerung (Sokai, Rawa, Zolkiew, Bobrka, Rohatyn, Zydaczow, Tlamacz, Horodenka, Zaleszczyki, Borszczow, Kolomea, Dobromil, Stary-Sambor, Drohobycz. Stryj, Kalusz und Lisko)