Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1915) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1915)
Article
Religionsbekenntnis der Eheschließenden im Jahre 1913 und 1914
Date
1915-10-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2650397-3187753-3187758-3194025--4626-3194061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 106 - wollen wir lediglich aus dem Statistischen Jahrbuch für das Königreich Bayern 1915 (13. Jahrgang) die Zahl der ungemischten Ehen aus den Jahren 1913 und 1914 bekannt geben. Eine Gegenüberstellung der gemischten Ehen ist unmöglich, weil In dem genannten Handbuch die jüdisch-christlichen Mischehen nicht ausgeschieden, sondern mit den ,sonstigen" in einer Sammelgruppe zusammengefaßt worden sind. Doch ist auch schon die Betrachtung der ungemischten Ehen interessant, weil sich zeigt, in welchem Masse der Krieg auf die Ehefrequenz eingewirkt-hat. Jahr 1913 1914 Eheschi, überh. 42722 48438 Ungemischte Ehen im ganz. kath. prot. israel. I sonst. 37168 43160 224 3S9 36 4L 26204 10704j 30655 12075| Infolge der Kriegstrauungen ist bei allen Konfessionen die Zahl der Ehen gestiegen. Bei den Katholiken betrug die Zunahme 4 451 17%, bei den Protestanten 1371=13%, bei den Israeliten 165=74%. Durch dieses plötzliche Hinaufschnellen wurde der Stand von 1908 erreicht. Seither war von Jahr zu Jahr die Zahl der ungemischten jüdischen Ehen gesunken Ob durch den Krieg eine andauernde Besserung bewirkt werden wird, wird die Zukunft lehren. n Die Geborenen nach dem Re- UayCril I Ugionsbekenntnis der Eltern im Jahre 1914. In ähnlicher Weise wie bei den Eheschließungen wollen wir ganz kurz auch die Geburten im ersten Kriegsjahre betrachten. Die Zahlen lauten folgender, maßen: Religion der Mutter 1 i Ehelich geborene Kinder i Uneheliche; Kinder j Religion des Vaters Kath. Prot. Israel. Sonst Zus. Kath. 128911 5747 16 92 134766 19827 Prot. 5 699 37064 13 183 42959 6059 Israel. 8 13 697 6 724 27 Sonst. 16 59 4 243 322 23 Zus. 134634 42883 730 524 178771 26936 Rechnet man die Kinder aus Mischehen zur Hälfte den Juden zu, so betrug die Zahl der ehelich geborenen jüdischen Kinder 727. Im Jahre 1910 belief sich die Zahl noch auf 79 », also ein Rückgang um 66=8,3%. Die Zahl der unehelichen jüdischen Kinder ist nahezu unverändert geblieben; sie hat nur von 20 auf 23 zugenommen. Bei der gesamten Bevölkerung sank die Geburtenzahl von 221 528 im Jahre 1910 auf 204 707, d. h. um 16 821 oder 8%. Die persönlichen Verhältnisse der Verurteilten im Jahre 1912. Bayern Mit Rücksicht darauf, daß wir die strafmündige Bevölkerung gesondert nach Konfessionen in Bayern nicht kennen, wird die nachstehende Aufstellung kein zutreffendes Bild von der tatsächlichen Kriminalität der in Frage kommenden Bevölkerungsgruppen geben. Die relativen Zahlen sind auf je 100 000 Personen im ganzen berechnet. Verbrechen bezw. Vergehen gegen Reichsgesetze Verurteilte überh. Kath. davon Prot.; Israel. 1908 65789 48358 16763 408 1909 63537 46793 16072 405 1910 65029 47572 16803 434 1911 64625 47424 16406 413 1912 67680 50403! 16662 358 1. Hochu. Landesverrat 6 5 1 — 2. Majestätsbeleidigung 2 — V — 3. Widerstand gegen die 1617 1186 U9 7 Staatsgewalt 4. Delikte gegen die 5157 3548 1432 63 öffentliche Ordnung (Fortsetzung auf Seite 107) Betrachten wir zunächst die Kriminaiitätsziffern der Gesamtbevölkerung, Katholiken, Protestanten und Israeliten in den Jahren 1908 1912. Es trafen Verurteilte auf je 100 000 der Gesamtbev. Kath. Prot. Israel 1908 955 994 863 741 1909 923 962 827 736 1910 944 978 865 788 1911 938 975 844 750 1912 983 K36 857 650 Die Kriminalität der Protestanten und vor allem der Israeliten bleibt weit hinter dem Durchschnitt zurück. Im Jahre 1912 zeigte sich eine große Steigerung der Kriminalitätsziffer gegenüber dem Vorjahr, insbesondere bei den Katholiken. Bei den Israeliten erfolgte im Gegensatz hierzu eine ganz bedeutende Abnahme. Es gibt eine ganze Reihe von Delikten, die überhaupt keine jüdischen Verurteilten aufweisen. Es sind dies: Hoch- und Landesverrat, Majestätsbeieidigung, Münzdeiikte, Verletzung der Eidespflicht, falsche Anschuldigung, Religionsdelikte, Personenstandsdelikte, Zweikampf, Delikte gegen das Leben, Begünstigung und Hehlerei, sowie Amtsdelikte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.