Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1915) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1915)
Article
Die jüdische Bevölkerung Galiziens 1867 - 1910
Date
1915-10-01
Page
Seite 101 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2650397-3187753-3187758-3194024--4619-3194056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 101 — in absoluter Minderheit, in keiner einzelnen Gemeinde haben sie eine relative, dagegen in 21 Ortsgemeinden, welche sich auf 15 Bezirke verteilen, eine absolute Majorität aufgewiesen. Die 53 politischen Bezirke O s t galiziens umfassen 3757 Ortsgemeinden. In 271 Ortsgemeinden gibt es überhaupt keine Juden, in 42 haben sie eine relative und in 48 eine absolute Majorität; in den restlichen Gemeinden sind sie mehr oder weniger dünn gesät. In absoluten Zahlen relativ 1880 ■ 1890 \ 1900 1 1910 1880 18904900 1910 Weslgalizicn 64354 68888^ 65633: 61549 i 1 I!! j 38,0 38,1 34,1 28,8 Ostgalizien! |! 209146243740 257904 258790 i! i! i 1 :!! 40,5 41,6! 41,7; 39,4 j Trotz der im allgemeinen dichteren und etwas günstigeren, weil konzentrierteren Siedlung der Juden in Ostgalizien ist kaum eine Tendenz dafür zu spüren, in mehr Gemeinden eine Majorität, sei es eine relative oder absolute, zu erringen. Das wirtschaftliche Interesse ist hier der Regulator; aus diesem Grunde gewähren die Siedlungsverhältnisse der jüdischen Bevölkerung ein Bild von seltener Zerrissenheit. Das Gesamtbild ist: eine abnorme Zerstreutheit, eine Gemenglage mit anderen Nationalitäten. II. Die jüdische Bevölkerung auf dem Lande. Was speziell die jetzt zu betrachtende Siedlungsform, die ländliche, anlangt, so muß zunächst darauf verwiesen werden, daß man hier keinen falschen Maßstab anwenden darf :Es wäre verfehlt anzunehmen, — weil historisch unrichtig, — daß die Ansässigmachung eines Teiles der jüdischen Bevölkerung auf dem flachen Lande dem i Umstände zu danken ist, daß die Juden sich | mit Landwirtschaft und verwandten Zweigen j beschäftigen, oder um es drastisch zu sagen, | daß sie Bauern auf derScholle sind. Wiewohl I es in Galizien jüdische Bauernfamilien gibt, | so haben wir doch lediglich eine Land-, aber nicht Bauern bevölkerung in des Wrortes richtiger Bedeutung. Für einen sozialen Forscher, noch mehr für einen sozialen Praktiker ist diese Feststellung von großer Bedeutung: die Juden sind auf dem Lande nicht Bauern, sondern Träger einer höheren wirtschaftlichen Funktion; sie nähern sich dadurch der städtischen Bevölkerung. In Westgalizien nimmt die jüdische Landbevölkerung seit 1900 absolut ab; auch relativ ist mit geringer Ausnahme eine absteigende Linie der Bewegung bemerkbar, denn von 100 Juden wohnten auf dem Lande 1880 — 38,0, 1890 — 38,1, 1900 — 34,1 und 1910 nur 28,8, während die Zuwachsrate in derselben Periode rapide sinkt. So ist 1881 bis 1890 ein Zuwachs von 8,6 % zu verzeichnen, 1891—1900 von 6,1% und 1901—1910 etwas mehr (6,2°/o), 1881—1910 im Durchschhitt 4,4 V Zahl der Dörfer, Zahl der Gutsbezirke, Anzahl der Juden in Gutsgebieten L a n d Zählungsjahr i welchen keine Juden wohnten welchen über 100 j Juden wohnten | l welchen keine Juden wohnten welchen über 50 j Juden wohnten j absolut Verhältnis zu den| ideri des Bezirkes j £ •~ .■^ E 1880 524 34 566 14 14972 10,2 Westgalizien 1890 574 41 469 16 16625 10,2 1900 685 54 763 10 10201 6,1 1880 165 124 711 110 41470 8,5 Ostgalizien 1890 329 174 494 162 51958 9,4 1900 271 207 586 120 46678 11,3 1880 689 158 1277 124 56442 8,9 Ganz Galizien 1890 903 218 963 178 63223 9,6 1900 956 261 1349 130 56819 7,7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.