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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1915) · p. Seite 68

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1915)
Article
Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen
Date
1915-07-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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— 68 — kerung Polens um rund 506 000 Seelen vermehrt; ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wurde um 0,6 % größer; während die Gesamtbevölkerung sich in diesem Zeitraum nur um 56 % vermehrt hat, wuchs die jüdische Bevölkerung um rund 62 Die Zu- resp. Abnahme der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Gouvernements war in diesem Zeitraum eine sehr ungleichmäßige; denn es fand anscheinend eine starke Binnenwanderung*) statt, hervorgerufen durch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Demgemäß wies die stärkste Zunahme das Gouvernement Piot r o k o w (+ 4,2 $6) auf, zu dem das größte Industrie- und Handelszentrum Lodz gehört. Eine außerordentliche Abnahme der Bevölkerung erlitt das Gouvernement Suwalki, in dem die Landwirtschaft maßgebend ist. Recht stark war ferner die Abnahme der Bevölkerung in dem Gouvernement Kaiisch: — 1,2 verhältnismäßig schwach entwickelte sich die Bevölkerung im Gouvernement Warschau: + 0,5 ^. Im Zeitraum 1897—1913 hat sich die jüdische Bevölkerung im Verhältnis zu dem Bevölkerungsstand vom Jahre 1898 um 48 die Gesamtbevölkerung hingegen nur um 33,8 % vergrößert. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß dieser Zuwachs der jüdischen Bevölkerung nur der natürlichen Zunahme zu verdanken ist. Nach den Berechnungen von S. M a r g o 1 i n betrug die natürliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung im Jahre ,1906 23 100 Personen. Wenn wir diese Ziffer für die in Betracht kommenden 16 Jahre als maßgebend betrachten wollen, so würde die natürliche Zunahme 369 600 Personen betragen. Da aber die jüdische Bevölkerung sich in diesen *) »Über Auswanderung siehe das letzte Kapitel »Auswanderung* — 16 Jahren um 636 000 Personen vermehrt hat, so sind wir berechtigt, die restlichen 266400 Personen auf Konto der Einwanderung nach Kongreß-Polen aus dem übrigen Ansiedlungsrayon zu buchen; das würde also pro Jahr rund 16 600 Einwanderer ausmachen. Hiemach würde die Zahl der nichtpolnischen, d. h. der nicht im Lande geborenen Juden in Kongreß-Polen im Jahre 1913 nur 2,0 °/o der Gesamtbevölkerung (oder 13,5 % der jüdischen Bevölkerung) betragen. Ich werde an einer anderen Stelle auf den angeblichen Sprach- und Kulturunterschied, der zwischen den Juden Polens und den übrigen Juden Rußlands bestehen soll, noch zu sprechen kommen; hier sei nur festgestellt, daß von einer „Ueberflutung" Polens durch die „ossifizierten", nicht polnischen, Juden in Anbetracht dieser Zahlen doch keine Rede sein kann. Von allen Gouvernements Polens hatte im Zeitraum 1897—1913 das Gebiet des Gouvernements V/ a r s c h a u die größte Zunahme: 4- 2,0^; am schwächsten hat sich die Bevölkerung des Gouvernements K i e 1 z e entwickelt: 4- 0,1 °/t>'" Doch hat keines der Gouvernements im Gegensatz zu dem Zeitraum 1870—1897 eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung aufgewiesen. Wie die Juden in Kongreß-Polen im Jahre 19l3 sich auf einzelne Gouvernements verteilten, ist aus der Tabelle II zu ersehen. Demnach stehen das Gouvernement (20,2 und der Kreis (31,4 %) Warschau wiederum an der Spitze. Aber es wäre falsch anzunehmen, daß nur in der Hauptstadt und dem Hauptkreis des Landes die jüdische Bevölkerung so stark vertreten ist. So weisen eine ganze Reihe von Kreisen — und zwar nicht nur in den Städten, sondern auf dem ganzen Gebiete — eine Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung auf, die ihren durchschnittlichen Anteil an der Gesamtbevöl-

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