Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1915)
- Article
- Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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- 66 — die Frage, ob ihre Uebersiedlung nach Deutschland erwünscht oder gleich verhängnisvoll für Juden und Deutsche sein wird, verschieden beantworten: — darüber ist man sich gewiß überall einig, daß zu allererst eine gerechte und großzügige Regelung der Verhältnisse in Kongreß-Polen selbst nötig ist. Nur wenn dort, im Osten Europas, gesunde Lebensbedingungen für die Juden geschaffen werden, wird die Ostjudenfrage an Schärfe verlieren. Denn eine Besserung der Judenverhältnisse in den alten jüdischen Wohnplätzen wird gleichzeitig eine wirtschaftliche und kulturelle Hebung der Bevölkerung bedeuten und sicher und schnell einen Ausgleich herbeiführen. Es ist deshalb das Gebot des Tages, daß man das Problem an der Wurzel faßt und es in einer, die gesamte östliche Judenheit befriedigenden Weise mutig zu lösen versucht. Auf welche Art man aber auch die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen einer besseren Zukunft zuführen möchte, — eine genaue Kenntnis der inneren Struktur der jüdischen Bevölkerung ist und bleibt eine der unerläßlichen Vorbedingungen jeder reformatorischen Arbeit So soll im Folgenden zunächst eine statistische Erfassung der Judenheit Polens gegeben werden.*) *) Ein statistisches Werk über die Juden Polens gibt es leider noch nicht, weil man bis jetzt eine Trennung in der Behandlung der polnischen und russischen Juden in der betreffenden Literatur sehr unvollkommen und willkürlich durchgeführt hat So bleiben die allgemeinen statistischen Werke über die Juden Rußlands gleichzeitig die einzigen Quellen über die polnisch-jüdische Bevölkerung. Ich nenne hier die hauptsächlichsten in Betracht kommenden Bücher: 1. A. Ruppin. „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland". (2. Veröffentlichung des Bureaus für Statistik der Juden) Berlin 1905. 2. B. Bruzkus. »Berufliche Gliederung der jüdischen Bevölkerung Rußlands" Petersburg 1909. (russisch). 3. B. Bruzkus. »Statistik der jüdischen Bevölkerung* Petersburg 1909 1. Entwicklung und Verbreitung der Bevölkerung. a) Land. Die nachfolgenden Darlegungen beschränken sich nur auf das Land Kongreß-Polens, d. h. auf diejenigen 10 Gouvernements, die auch unter dem Namen „Russisch- Polen", „Königreich Polen" oder schlechthin „Polen" bekannt sind. Der vom staatsrechtlichen Standpunkte aus einzig berechtigte Name „Kongreß-Polen" verdankt seine Entstehung dem Umstände, daß die darun-- ter gemeinten 10 Gouvernements links und rechts der Weichsel auf dem Wiener Kongreß vom Jahre 1815 Rußland zugeschlagen wurden. Kongreß-Polen umfaßt einen Flächeninhalt von 123326 qkm, ist also etwa so groß wie Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden zusammen und bildet den 38. Teil des europäischen Rußland. Die einzelnen Gouvernements haben folgenden Flächeninhalt: Gouvernem. Warschau 16862 qkm .=2,16 % n Kaiisch 11137 » =1,43 T) n Piotrokow 12062 n 1,55 rj n Radom 12124 n =1,56 V n Kielze 9747 Y> 1,25 » r> Lublin 16258 » =2,08 » jt Sedlez 13825 n -1,77 n n Lomscha 9845 7t =1,26 » » Plotzk 9304 n =1,19 » » Suwalki 12162 r> =1,56 V Kongreß-Polen: 123426 qkm. =15,81 °J> (russisch). 4. Sammlung von Materialien über die ökonomische Lage der Juden in Rußland, 2 Bde. Petersburg 1904 (russisch). 5. Dr. M. Szerer „Studien zu Bevölkerungslehre Polens" Wien 1915. 6. Dr. J. Segall. .Tabellenwerk zu internationalen Konfessionsstatistik". Das letzte auf 10 Bände angelegte fundamentale Werk über die Statistik der Juden ist noch nicht erschienen. Ich verdanke der Liebenswürdigkeit desVerfassers, daß ich es in einigenTeilen benutzen durfte. Recht viel Material enthalten schließlich die 11 Jahrgänge dieser Zeitschrift.