Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-04-01 · Heft 4-6 (April 1915) · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 4-6 (April 1915)
Article
Zur Statistik der Juden in Budapest
Date
1915-04-01
Page
Seite 57 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187753-3187756-3193918--4540-3193948
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 57 - Die Zahl der eheschließenden Juden hat sich seit Mitte der 80 er Jahre verdoppelt. In gleichem Maße hat die jüdische Bevölkerung im Laufe dieser Zeit zugenommen. Während bei den Römisch-Katholiken und Protestanten Augsburger Konfession die Ehefrequenz abgenommen, bei den Reformierten nahezu konstant geblieben ist, weist sie bei den Juden bis 1910 eine sehr erhebliche Steigerung auf; von da ab blieb sie unverändert. Prozentual betrachtet bleibt die Eheschießungshäufigkeit der Juden hinter ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung zurück. Letzterer betrug nämlich 1890:21,0 1900:23,6, 1906:23,5. Es heiraten also immer noch relativ weniger Juden als Katholiken und Evangelische. Doch muß hier auf eine wichtige Tatsache hingewiesen werden, die bei der Betrachtung der jüdischen Eheschießungen in Oesterreich und Ungarn nicht unberücksichtigt bleiben darf, wenn man nicht Gefahr laufen will ein völlig falsches Bild von den wirklichen Verhältnissen zu gewinnen. Es wurden in früherer Zeit die meisten jüdischen Ehen und werden auch jetzt noch viele nur rituell geschlossen, d. h. ohne -daß die standesamtliche Trauung vollzogen wird. Diese Ehen gelangen natürlich nicht zur Kenntniss der Matrikelämter und fehlen in der amtlichen Statistik. Daher erscheint die Zahl der jüdischen Ehen bedeutend niedriger als dies in Wirklichkeit der Fall ist. Aus diesem Grunde sind auch sämtliche Vergleiche der jüdischen Ehefrequenz mit jener der übrigen Konfessionen nur mit großer Vorsicht anzustellen. Es läßt sich eben nicht mit Sicherheit ermitteln, in welchem Umfang die Zunahme der jüdischen Eheschließungen tatsächlich oder nur scheinbar ist. Wir nehmen daher davon Abstand die Zahlen für die einzelnen Jahre von 1899 ab bis 1908, die in dem eingangs zitierten Jahrbuch erschienen sind, wiederzugeben, wollen aber einige interessante Einzelheiten über die Eheschließungen aus dem Jahre 1908 beleuchten. Auf die einzelnen Monate verteilten sich die jüdischen Eheschließungen folgendermaßen: Eheschi. Eheschi. Monat. Männer Frauen 98 94 Februar ..... 106 Iii März....... 122 123 April....., . 40 131 Mai....... 220 222 Juni ....... 167 165 Juli........ 91 90 August...... 215 210 September. . . . 128 122 Oktober . . . . . 115 116 November.... 196 194 Dezember . . . . 146 149 Zusammen . . . 1 744 1 727 Im allgemeinen ist die Entwicklung beider Geschlechter in den einzelnen Monaten die gleiche. Charakteristisch ist die überaus niedrige Ziffer im April (beim männlichen Geschlecht), Juli, sowie der Rückgang im Juni, September, Oktober. In den ersten drei Monaten wirkt das religionsgesetzliche Verbot der Eheschließung während der nationalen Trauerzeit, in den beiden letzten die Festzeit ungünstig auf die Ehefrequenz ein. Alter, Famlienstand und Nationalität der Eheschließenden im Jahre 1908 zeigt nachstehende Tabelle. Die jüdischen Männer heiraten am meisten im Alter von 25—30 und 30-40 Jahren, die Frauen im Alter von 20—-25 und 25—30 Jahren. Bei den jüdischen Männern ist das durchschnittliche Heiratsalter höher hinaufgerückt als bei den Röm.-Katholiken, Protestanten A. K. und Reformierten, bei den jüdischen Frauen ist es niedriger. Die Juden beiderlei Geschlechts gehen in höhe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.