Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1915)
- Article
- Arbeiter-Kolonie, Brockensammlung, Arbeitsnachweis, Darlehnsvereine
- Date
- 1915-04-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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- 45 — die Feiertage heiligen, Stellung in Betrieben I verschaffen, in denen sie an diesen Tagen j von jeder Tätigkeit befreit sind. Besondere Be- \ deutung verdienen die Ortgruppen in Hamburg, Berlin und Frankfurt a/M. Der Hamburger Verein ist 1892 gegründet worden und hat bis zum Jahre 1911 ca 1 000 Personen Stellung verschafft Der Frankfurter „Israelitische Stellungsvermittelungsverein,, ist zugleich ein Versicherungsverein gegen Stellungslosigkeit. Er hat drei Versicherungsklassen. Die Jahresprämie beträgt in der 1. Klasse M. 6.— in der zweiten M. 9.— und in der dritten M. 12.—. Die im Falle der Stellenlosigkeit eintretende monatliche Vergütung belauft sich für Mitglieder der 1. Klasse auf 30 M. der % Klasse auf 45 M. und der 3. Klasse auf 60 M. Der Eintritt in die 2. Klasse wird durch ein Mindestgehalt von M. 75, in die 3. Klasse von M. 100 bedingt. Es wurden ausgezahlt im Jahre 1899 M. 997, - 1905:M.1039, 1909:M. 1835 und 1911 : M. 875. Besonders hoch waren die Beträge im Jahre 1901 mit M« 2088 und 1902 mit M, 2800. Diese Zahlen zeigen, daß in den Jahren 1901 und 1902 und 1909, als eine schwere wirtschaftliche Krise herrschte, die Kasse sich ihrer Aufgabe gewachsen gezeigt hatte. Seit Bestehen des Vereins bis 1911 ist an Stellungslose der Betrag von M. 17 525 gezahlt worden. Das Vermögen betrug im Jahre 1911 M. 33 144. Es wurden im Jahre 1911 2 467 Personen dauernd untergebracht, 825 vorübergehend plaziert also insgesamt 3292. Es betrug die Gesamtzahl der bisher dauernd placierten Personen 31668, der vorübergehend untergebrachten 9287, zusammen 40955. 4, Darlehnsvereine. Die Institution des zinslosen Darlehns kann auf eine jahrtausendelange Geschichte zurückblicken. Sie spielt unter den vorbeugenden Maßregeln gegen Verarmung, welche die Bibel gesetzlich anordnet, eine große Rolle. Zu hoher Blü tc entfaltete sie sich aber erst, als die Juden, abgeschnitten von der Außenwelt, jahrhundertelang im Ghetto zusammenlebten und aufeinander angewiesen waren. Da halfen sie sich gegenseitig nicht nur bei persönlicher Notlage, sondern auch zu wirtschaftlichen Zwecken aus, indem der Vermögende dem Unvermögenden ein kleines und meist zinsloses Darlehn gewährte. Man nannte dies: ein Gemilus C h e s s e d , d. h. ein Darlehn auf Treu und Glauben ohne Entgelt, das zurückgegeben wurde, sobald der geschäftliche Erfolg erzielt war. Daher tragen viele Darlehnsvereine, namentlich in kleineren Orten, den Namen: Verein Gemilus Chassodim, und in Rußland und Polen ist heute noch der sogenannte „Gemilus Chessed" im jüdischen Wirtschaftsleben von hoher Bedeutung. In Deutschland war dies im Osten bis in die letzten Jahrzehnte hinein, der Fall, und es kam oft genug vor, daß der kleine Handeltreibende vom reichen Mann am Orte sich vor den Markttagen einige Taler lieh, um Waren kaufen und sie auf dem Markte verkaufen zu können, sie nach abgeschlossenen Geschäften zurückerstattete, um das Geld nach einigen Tagen wieder zu entleihen. Aber schon relativ frühzeitig entstanden in den größeren Gemeinden und auch an kleinen Orten, namentlich im Osten, Darlehnsvereine, oder vermögende Leute errichteten Stiftungen zu Darlehnszwecken. Das älteste derartige Institut, das uns bekannt geworden ist, ist das sogenannte Bürgerrettungs-Institut in Landsberg a. W. aus dem Jahre 1813, Drei Jahre später, 1816, entstand das Israelitische Vorschuß- Institut in Hamburg. Die Gründung derartiger Vereine ist in den letzten Jahr-