Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Die Konfession der Kinder jüdischer Eltern in Groß-Berlin
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 3)
- Language
- German
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— 14 — fern nicht als die Gesamtzahl der Kindertaufen betrachtet werden dürfen, daß vielmehr nur ein Teil der Kindertaufen hier zur Darstellung gelangen kann. j Wir haben die Ziffern für Berlin, und j zwar mit Unterscheidung der Hauptstadtteile, für Charlottenburg, für Schöneberg, für Wilmersdorf, für Neukölln und für Lichtenberg zu einer Tabelle zusammengefaßt. Dieselbe betrifft die Volkszählung vom 1. Dezember 1910; Ehepaare sind als solche nur gezählt, wenn beide Gatten anwesend waren. Als Kinder zählen eigene, Stief- und Adoptivkinder; die Zahl der letzteren beiden Kategorien ist in den Anmerkungen zu unserer Tabelle angegeben, allerdings nur für Berlin , während uns für die Nach- I bargemeinden die Angaben fehlen. Zu erwähnen ist noch , daß eine derartige Auszählung hier zum ersten Male vorgenommen sein dürfte. Nur für Kinder aus Mischehen sind schon früher die konfessionellen Verhältnisse ermittelt und veröffentlicht. In der Stadt Berlin wurden 14 427 jüdische Ehepaare gezählt, darunter befanden sich 3265, in deren Haushalt keine Kinder lebten, während in 11 162 Haushaltungen 25 665 Kinder vorhanden waren, und zwar 13 117 männliche und 12 548 weibliche. Auf einen Haushalt m i t Kindern kamen also durchschnittlich 2,3 Kinder, auf alle Haushaltungen 1,8. Aus diesen Ziffern darf aber kein Rückschluß auf die gesamte Zahl der jüdischen Kinder in Berlin gezogen werden, da durch die vorliegende Zählung, wie oben bemerkt, nicht alle Kinder erfaßt werden. Von den 25 665 Kindern wurden 12 987 männliche und 12 485 weibliche, im ganzen also 25 472, d. h. 99^ in der jüdischen Religion erzogen. Nur knapp 1 % wird einer anderen Religion zugeführt oder konfessionslos erzogen. Davon waren 182 — 119 Knaben und 63 Mädchen — evangelisch und nur 1 Knabe katholisch, 10 Knaben Dissidenten, freireligiös , konfessionslos oder freisinnig. Von den der evangelischen Konfession zugeführten Kindern entfielen mehr als die Hälfte, nämlich 103, auf den Westen Berlins, während sich der Rest von 79 auf alle übrigen Stadtteile verteilte; und zwar trifft davon der Hauptanteil mit 34 den Südwesten. Ebenso v/ie in Berlin ist auch in den Nachbargemeinden die Zahl der gezählten Ehen m i t Kindern höher als diejenige ohne Kinder. Doch ist hier das Verhältnis ein anderes als in Berlin. Während in Berlin nur 22,6 °6 der anwesenden Ehepaare keine im Haushalt lebenden Kinder hatten, betragen die entsprechenden Ziffern für Charlottenburg 26,6 Schöneberg 32,1 Wilmersdorf 27,2 % Neukölln 27.2 °6 und Lichtenberg 25 %. Danach wurden in Schöneberg die meisten Ehen ohne Hauskinder gezählt. Auf die Haushaltungen mit Kindern entfielen durchschnittlich 1,9 Kinder in Charlottenburg, 1,9 in Schöneberg, 1,9 in Wilmersdorf, 2 in Neukölln und 2 in Lichtenberg. Auf alle Haushaltungen berechnet, betragen die entsprechenden Ziffern 1.4, 1,28, 1,36, 1,5 und 1,6. Von den gezählten Kindern blieb auch in den Nachbarorten Berlins der weitaus überwiegende Teil der jüdischen Religion treu — wenigstens vorläufig. Die Gemeinden Neukölln und Lichtenberg, in denen zusammen nur vier Kinder nicht dem Judentum angehörten , scheiden wegen der kleinen Ziffern überhaupt aus.