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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-11-01 · Heft 11-12 (November 1914) · p. Seite 162

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 11-12 (November 1914)
Article
Die Juden in Groß-Berlin
Date
1914-11-01
Page
Seite 162 (sequence 12)
Language
German
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- 162 — tritt Charlottenburg mehr und mehr an Bej deutung zurück, und Schöneberg, Wiimersj dorf und Neukölln ziehen die Fortziehenden an. Es zeigen sich deutlich drei Tatsachen: Charlottenburg nimmt zwar immer noch absolut die meisten aus Berlin abwandernden dort ortsgebürtigen Juden auf, relativ aber, verglichen mit den anderen Gemeinden, um nahezu 20^ weniger als in den Jahren 1896/1900; der Zug nach Schöneberg ist gleich stark geblieben, dagegen ist Wilmersdorf als Aufnahmegebiet in den letzten 15 Jahren erst erschlossen worden. Dorthin war der Zustrom in dieser Zeit am stärksten. Die Binnenwanderung innerhalb Groß- Berlins richtete sich früher naturgemäß nach j Berlin selbst; Schöneberg, Wilmersdorf und; erst an dritter Stelle Charlottenburg hatten | nur geringen Anteil an den Folgen derselben. An den absoluten Zahlen gemessen war die Binnenwanderung bedeutungslos. Die jüdische Bevölkerung innerhalb Groß- Berlins — mit Ausnahme von Berlin selbst — war seßhaft, und auch jetzt kann man von einer Unruhe, die sie von einem Orte zum anderen treibt, kaum reden. Charlottenburg und vor allem Wilmersdorf bilden im Laufe der Zeit das Ziel, welchem die auf der Wanderung befindlichen Teile der jüdischen j Bevölkerung in den 44 Nachbarorten zuj streben. Die sonstigen brandenburgischen Juden kannten früher fast nur Berlin als Ziel. Nahezu 75?ö aller Einwandernden ließ sich in Berlin nieder; geht man noch einige Jahrfünfte zurück, so ist Berlin das einzige Ziel! dieser Bevölkerungsschicht. Dies hat sich aber wesentlich geändert; heute ist es nurmehr die Hälfte der brandenburgischen (d. h. sonst in der Provinz Brandenburg gebürtij gen) Juden, welche sich Berlin zum Nieder- | lassungsorte wählt. Es sind Charlottenburg, Schöneberg und am stärksten Wilmersdorf als Konkurrenzgemeinden hinzugetreten. Wilmersdorf bildet geradezu einen Aufsaugungsort für die Zugewanderten. Nirgends ist der Zustrom von fremdgebürtigen Juden so mächtig; gewesen als hier. Für die ostpreußischen Juden gilt fast dasselbe, was wir soeben für die brandenburgischen Juden konstatiert haben, nur daß Schöneberg etwas weniger Anziehungskraft ausübt. Die westpreußischen Juden sind in noch höherem Maße als die ostpreußischen und selbst die brandenburgischen in den vergangenen Jahrzehnten in Berlin eingewandert und sind diesem Ziele auch länger als die anderen treu geblieben. Denn noch heute wandern von ihnen relativ mehr als von den übrigen Provinzen in die Hauptstadt. Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf sind in nahezu gleicher Weise von ihnen aufgesucht worden. Die in Pommern Gebürtigen wählen immer mehr Schöneberg und Wilmersdorf zu ihrem Aufenthalt. Der Zuzug nach Berlin ist auf die Hälfte gesunken; nach Charlottenburg hat er sich verdoppelt, nach Schöneberg verdreifacht und nach Wilmersdorf mehr als verzehnfacht. Nächst den Westpreußen haben die Posener ihre Vorliebe für Berlin am stärksten bewahrt. Es wandern zwar auch von ihnen jetzt nur noch haibsoviel hier ein als in der Mitte der 90 er Jahre, aber es sind immerhin noch mehr als 40^. Charlottenburg nimmt ein Viertel der einwandernden Posener Juden auf gegenüber einem Zehntel zu Beginn der von uns behandelten Zeitstrecke, und sowohl Schöneberg wie Wilmersdorf entwickeln sich zu Zentren dieser Einwanderungsmassen.

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