Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Die statistischen Ziffern für Austritte aus dem Judentum und Mischehen
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 118 (sequence 3)
- Language
- German
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— 118 — ich in meiner Abhandlung wiederholt hervorgehoben. Was die Mischehen und deren geringe Fruchtbarkeit betrifft, so ist hierüber schon von bekannten Autoritäten auf diesem Gebiete Vieles bemerkt worden, und ich will nur einige dieser Ansichten anführen und einige statistischen Daten für Deutschland beifügen. Lepouge meint, daß die Ursachen der geringen Fruchtbarkeit bei jüdischen Mischehen in der Rassenverschiedenheit liegen. Dr. Wieth-Knudsen schreibt dies dem Umstände zu, daß die psychologische Einheitlichkeit fehle und das Familiengefühl, die Freude an zahlreicher Nachkommenschaft abgeschwächt sei und überdies 12 $ aller Mischehen wieder aufgelöst werden. Es entfielen in Deutschland Kinder: im Jahre 1900 auf christliche Ehen 4,07^ „ » 1905 „ „ „ 4,13 # „ 1900 „ reinjüdische „ 2,83 % „ „ 1905 „ „ „ 2,65 # „ 1900 „ jüdische Mischehen 1,42 °/0 „ » 1905 „ „ „ 1,28 # Diese niedrige Ziffer ist bei keiner Gesellschaftsklasse und bei keinem Volke anzutreffen. Es ist dies ein Rekord der jüdischen Mischehen, Ich muß schließlich noch bemerken, daß ich nur aus dem Grunde die jüdischen Mischehen angeführt habe, um nachzuweisen, daß die Kinder aus diesen Ehen zumeist dem Judentum verloren gehen, was auch in Deutschland der Fall ist. Zu vorstehenden Ausführungen H o - r a t o r's bemerke ich: 1. Selbst bei Berücksichtigung der Verhältnisziffern der jüdischen Bevölkerung Wien's und Berlin's ist (für das von mir erwähnte Jahr 1911) Horator's Behauptung, daß die Austrittsziffern in Wien viermal so hoch sind wie in Berlin, nicht zutreffend. Berücksichtigt man auf Grund der von Horator pro 1910 angegebenen jüdischen Seelenzahlen (Berlin rund 142 000, Wien rund 175000) Austritte und Eintritte, so ergibt sich, selbst wenn man die von Horator pro 1903 für ganz Deutschland angegebenen 20 Eintritte Berlin voll zurechnet, pro 1911: Berlin 229 — 20 209 i. e. \£% „ n Wien 575 — 178 387 „ „ 2,2^ 2. Die Ziffer der offiziell bekannt gegebenen Austritte ergeben, wie ich hervorhob, in Preußen kein wahres Bild der Taufbewegung. Nur darauf kommt es aber an. Horator gibt zu, daß „in Preußen die Taufe der von Juden geborenen Kinder vorgenommen werden kann, ohne daß die Eltern das Judentum verlassen". Diese Kindertaufen, welche von der Statistik nicht erfaßt werden, bilden aber das Gros der Täuflinge, während sie in Österreich registriert werden. Damit mußte Horator folgerichtig die statistischen Ziffern preisgeben. Umsoweniger begreife ich, wie er behaupten kann, daß trotz dieser Verschiedenheit „dies nicht viel ändern dürfte". Muß sich doch ein Taufakt, der in Preußen aus gesetzlichen Gründen überhaupt nicht registriert wird, in der österreichischen Statistik mindestens verdoppeln oder verdreifachen! 3. Wenn von geringerer Fruchtbarkeit der jüdisch-christlichen Ehen gesprochen wird, so kann biologisch wohl nur die geringereM ö g 1 i c h k e i t, Nachkommen zu erzeugen, verstanden werden. Diese habe ich bestritten, da gar kein Beweis dafür vorliegt und halte es trotz der bekannten Autoritäten voll aufrecht. Mangelnde Freude an zahlreicher Nachkommenschaft ist etwas anderes wie Unfruchtbarkeit und gerade das, was der von mir zitierte Julius Wolf „Rationalisierung des Suxuallebens" nennt