Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Das jüdische Handwerk in Wilna
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
- Language
- German
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- 93 — Oos lüdlsclie M Von Die vor einiger Zeit in Wilna gegründete erste jüdische statistische Gesellschaft Rußlands hat kürzlich eine sehr lehrreiche Untersuchung des jüdischen Handwerks in Wilna durchgeführt. Im Streite über die Zukunft des jüdischen Handwerks können die Resultate der Zählung eine recht wichtige Rolle spielen, zumal Wilna eine stark ausgeprägt jüdische Stadt ist. Einige der ermittelten Zahlen sind in Nr. 8 der russischjüdischen Zeitschrift "Rasswjet" veröffentlicht. Es wurden 2 901 Werkstätten untersucht; es gab darunter: Zahl der Werk- Zahl der statten Lehrlinge Schneider, Schneiderinnenu. Weißnäherinnen ....... 947 565 Schuhmacher.......316 31 Strumpfwirker und Strumpfwirkerinnen....... 240 16 Schreiner, Drechsler, Schirmmacher 177 50 Handschuhmacher......131 125 Hutmacher und Kürschner ... 114 143 Uhrmacher, Juweliere u. Graveure 112 44 Zunahtmacher .......103 178 Friseure......... 102 34 Schlosser, Klempner u. Schmiede 88 67 Bäcker und Konditoren .... 75 30 Steinmetzen, Maler und Glaser .71 — Buchbinder........ 55 82 Bürstenmacher....... 39 8 Metzger und Wurstmacher. . . 29 3 Hutmacherinnen ...... 29 37 Verschiedene....... 73_10 Zusammen 2 701 1 420 Auf 2 701 Werkstätten kommen also 1 420 Lehrlinge, die sich auf 821 Werkstätten verteilen, sodaß 2/3 aller Werkstätten überhaupt ohne Lehrlinge arbeiten; von 821 Werkstätten mit Lehrlingen haben 204 (24,6^) gar keine Handwerkergesellen; 227 Werkstätten haben je 1 Gesellen 9Q7 o_£ u' )) n v u v 5 „ „ „ 6—10 „ ndwsrK In Wilna, W. R. I und in nur 35 Werkstätten arbeiten mehr j als 10 Gesellen. Man sieht daraus klar, j daß der Umfang der Werkstätten mit Lehr-! lingen nicht gerade allzugroß ist. Noch! schlimmer steht es mit den Werkstätten! ohne Lehrlinge. | Von 1 880 Werkstätten ohne Lehrlinge I gab es in 1 069 (57 %) Werkstätten gar keine Ge- | seilen; 414 hattennur je einen Gesellen, 327i 2 -5 Gesellen, 46 6—10 Gesellen und | nur in 24 Werkstätten arbeiteten mehr als j 10 Gesellen. — | Ebenso klein ist die Zahl der Lehrlinge: I so haben 61,4^' aller Werkstätten nur je einen Lehrling; nur auf 29 Werkstätten (4,3?o) kommen je 5 Lehrlinge. Das Fehlen der Lehrlinge ist das Zeichen des allgemeinen Niedergangs des jüdischen Handwerks. Nicht ohne Bedeutung ist dabei das Alter der Lehrlinge: 63^ sind 13—15 Jahre alt, und es gibt nur 23,9^ im Alter von 16 Jahren. Die längste Lehrzeit beträgt 4 Jahre (12^). Die Mehrzahl (28^) bleibt 3 Jahre in der Lehre, 15 jedoch nur 2 Jahre und 14,2^ nur ein Jahr, Woher kommen diese Lehrlinge? Was für einen Beruf haben ihre Eltern? Von 1 177 Lehrlingen waren: bei 643 d. h. 54,6;%' die Eltern Handwerker „ 243 „ „ 20,6^ „ „ Makler „ 116 „ „ 9,9% „ Kutscher 67 „ „ 5,7 „ „ Angestellte „ 56 „ „ 4,9 # „ „ Arbeiter » 14 » » M%7 n » Lehrer usw. Die ökonomische Lage all dieser Makler und Angestellten kann wahrhaftig keine gute sein, wenn sie ihre Söhne zu Handwerkern in die Lehre schicken müssen.