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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Article
Das Lernbedürfnis der preussischen Juden im Lichte der Statistik
Date
1914-06-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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- 82 — gelisch, 11268 katholisch, 1568 paritätisch, 219 jüdisch. Es ist also die Zahl der evangelischen, der katholischen und der paritätischen Schulen gewachsen, während die Zahl der jüdischen Volksschulen abgenommen hat. Ihr Anteil, der schon 1886 sehr gering war, ist in der Folge noch viel geringer geworden, und neben den gewaltigen Zahlen der Schulen der beiden anderen Konfessionen spielen sie kaum eine Rolle, denn relativ kamen auf sämtliche Volksschulen in Preußen im Jahre 1886: 9 vom Tausend jüdische Schulen, 1911: 5,4 vom Tausend. Ähnlich wie mit den jüdischen Volksschulen steht es mit den jüdischen Vorschulkindern. Im Jahre 1886 zählte man 3062856 evangelische Schüler, 1911:3871902. j Entsprechend 1886: 1730402 katholische! Schüler, 1911: 2650722. Aber 1886: 35420 I jüdische Schulkinder, 1911: 19965, also eine j Abnahme im Verhältnis von 7 zu 4, während j die Zahl der evangelischen sich wie 3 zu 4, j die der katholischen wie 2 zu 3 vermehrt j hatte. Von Einfluß auf diese Verschiebung ist zweifellos einmal der Geburtenrückgang unter den Juden, der stärker ist, als bei den anderen Konfessionen, zum zweiten die j größere Gelegenheit der zumeist stadtangesessenen Juden, ihre Kinder in gehobene und höhere Schulen zu schicken. Auf beide Punkte kommen wir später noch einmal zurück. Im übrigen liegen die Verhältnisse innerhalb Preußens durchaus nicht gleichartig. Sie sind sowohl in Stadt und Land, als auch in den einzelnen Provinzen verschieden. Für den ganzen Staat hatten wir eine Abnahme der jüdischen Schulkinder von 35420 auf 19965 innerhalb der 25 Jahre kennen gelernt, also ein Verhältnis von 7 zu 4. In den Städten sank die Zahl der jüdischen Schulkinder von 24 562 auf 14605, also etwa von 5 auf 3, auf dem platten Lande von 10858 auf 5360, d. h. ziemlich genau von 2 auf 1. Aber z. B. in Berlin stieg die Zahl der jüdischen Volksschulkinder. Sie betrug 1886: 3378 und 1911: 3951, während sie 1906 sogar 4 390 betragen hatte. Auch in der Provinz Brandenburg stieg die Zahl der jüdischen Volksschulkinder, und zwar in den Städten von 485 auf 914, auf dem Lande von 239 auf 323. Berlin und Umgegend ist aber die einzige Ausnahme gegen den Staatsdurchschnitt (abgesehen von Hohenzollern mit minimalen Zahlen). In manchen Provinzen, wo ehemals eine größere Zahl von jüdischen Kindern die Volksschule besuchte, ist diese heute auf einen geringen Bruchteil herabgesunken, so in den westpreußischen Städten von 2067 auf 684, in den pommerschen Städten von 865 auf 231, in Pommern auf dem Lande von 293 auf 75, in den posenschen Städten von 5 541 auf 1357, auf dem Lande in Posen von 436 auf 119. In sämtlichen östlichen Provinzen (mit Ausnahme von Berlin und Brandenburg) beträgt die Abnahme sowohl in den Städten wie auf dem Lande (ausgenommen in Sachsen mit wenig Schülerinnen) über 50 bis gegen 76 Geringer sind die Abnahmen allenthalben in den westlichen Teilen der Monarchie, wo sie, abgesehen von Hohenzollern, sich zwischen 14,6^ (Rheinische Städte) und 50 ji halten. Wir dürfen also als Erklärung für die Abwanderung in Alt-Preußen neben den allgemein gültigen Gründen, der geringeren Geburtenzahl und dem Bildungsdrang der Juden (also dem Zuströmen zu den höheren Schulen, die sich immer mehr verbreiten) die große Anziehungskraft annehmen, die Berlin gerade auf die Bewohner jener östlichen Provinzen und wohl insbesondere auf die jüdische Bevölkerung ausübt. Da ja kein Zwang besteht, Kinder in die Schulen der eigenen Konfession zu schicken,

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