Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Die gegenwärtige Sterblichkeit der jüdischen und christlichen Bevölkerung des Großherzogtums Hessen nach Geschlecht, Alter und Todesursachen
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2650397-3187742-3187748-3193574--4264-3193606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
76 zufällige Übersterbiichkeit der judischen j Frauen iin Alter von 15—29 Jahren. J Gehirnschlag: Mäßige Übersterbj lichkeit der Juden. j Andere Krankheiten des Nervensystems: Keine wesentlichen Unterschiede zwischen Juden und Christen. Andere Krankheiten der Verdauungsorgane: Desgleichen. Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane: Bedeutende Uber- Sterblichkeit der jüdischen Männer vom 60. Lebensjahr an. Krebs und Neubildungen: Keine wesentlichen Unterschiede zwischen Juden und Christen, mit Ausnahme der Altersklasse von 70 und mehr Jahren, wo eine Übersterblichkeit besonders der jüdischen j Frauen zu beachten ist. I i Selbstmord: Keine Unterschiede. Die I niedrigen Ziffern der Juden in einigen j Altersklassen sind belanglos, weil die abso- \ luten Zahlen für die Berechnung von Ver- \ hältniszahlen zu klein sind. Verunglückungen : Sehr große Untersterblichkeit der jüdischen Männer in; allen Altersklassen (ausgeschlossen Säuglingsaiter), dagegen gleich große Sterblichkeit beim weiblichen Geschlecht. Es scheint kaum nötig zu sein, die eben angeführten Tatsachen eingehend zu erläutern und auf die wahrscheinlichen Ur- \ Sachen zurückzuführen. Alle genannten Erj scheinungen lassen sich ungezwungen aus I der größeren Wohlhabenheit der Juden und I aus ihrer einseitigen Berufstätigkeit erklären, j Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß; die Untersterblichkeit bezw. Obersterblichi keit der Juden an gewissen Todesursachen j eine Rasseneigentümlichkeit wäre.! 8- Schluß. I Das Ergebnis der Untersuchung würde I kurz zusammengefaßt dahin lauten:! Die Sterblichkeit der jüdischen Kinder ist halb so groß wie die der christlichen. An dieser Untersterblichkeit haben sämtliche Todesursachen Anteil, was auf eine sorgfältigere Pflege der jüdischen Kinder zurückzuführen ist. Die Untersterblichkeit der Juden i m Alter von 15—29 Jahren beträgt gegenüber der Sterblichkeit der Christen 30-40 % und ist durch die sehr geringe Tuberkulosesterblichkeit bei beiden Geschlechtern und durch die geringe Zahl von Verunglückungsfällen bei den jüdischen Männern bedingt In der AI tersklasse von 30 — 59 Jahren ist die Untersterblichkeit der Juden bis auf 15% zurückgegangen. Diese ist wie in der vorangehenden Altersklasse zu erklären. Die Obersterblichkeit der jüdischen Männer an Herzkrankheiten wird durch ihre Untersterblichkeit an Tuberkulose mehr wie aufgewogen* In den 2 höchsten Altersklassen ist nur noch bei den jüdischen Frauen im Alter von 60- 69 Jahren eine Untersterblichkeit festzustellen. Bei den übrigen Personengruppen ist die allgemeine Sterblichkeit gleich groß. Recht verschieden ist jedoch die Sterblichkeit nach einzelnen Todesursachen. Gering ist wiederum die Tuberkulosesterblichkeit und in der Alterklasse von 60—69 Jahren auch die Sterblichkeit durch Erkrankungen der Atmungsorgane. Dagegen überwiegen die Herzkrankheiten und der Gehirnschlag bei den jüdischen Männern und Frauen, der Krebs bei den beiden Geschlechtern im Alter von 70 und mehr Jahren und die Krankheiten der Harnorgane bei den jüdischen Männern allein. Je mehr sich die Unterschiede derSterblichkeit zwischen Juden und Christen im Alter verwischen, um somehr treten solche hinsichtlich der Todesursachen