Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Die Prüfungen für das Lehramt an höheren Schulen in Preußen 1901/02 bis 1911/12
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 1)
- Language
- German
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Preußen Die Prüfungen für das Lehramt an höheren Schulen in Preußen 1901/02 his 1911/12. Im 53. Jahrgang der „Zeitschrift des Königlich Preußischen Statistischen Landesamts, III. Abt., ist ein Aufsatz enthalten, der eingehend das Ergebnis der Prüfungen für das Lehramt an höheren Schulen in Preußen während des Jahrzehnts 1901 bis 1911 behandelt. In dem Aufsatz sind auch die konfessionellen Verhältnisse der Kandidaten berücksichtigt, sodaß wir in der Lage sind, die Zahl der jüdischen Kandidaten , welche in den einzelnen Jahren die Prüfung bestanden oder nicht bestanden haben, ferner die Lehrbefähigung der betreffenden Kandidaten angeben zu können. Prüfungsjahre Jüd. Kandidaten r- 5 ' *2 "2! « -5 feS 3 pÄ Lehrbefä •ö" S-5./2-5 .22 ~ .22 ~ :c5 : ~* jE* O t1u •~ JQ;' - O DO « * o -r" S^.^O CKT; — ligung der jüdischen Kandidaten oo; "in . — 9 ■ , .oo— es >, ^2 « ~| 3 £ fcß: J= J= =Z u i J=-5 -o c; r; Q- . « r.i *-> . i; C — — — '^"H; 5« S!J5 S s 1« ~ := £*H tu - G^^iQ0^ 1901/02 3 : 1 - - 1 1 _ 1 1902/03 3 i _ — 1 1 1 — — 1903/04 4 ■ 1 - 2 1 1 — """" 1904/05 2 2 — ' — 1 — 1 1905/06 8 2 1 — 3 3 — 1 1906/07 5 2 - 2 3 — — — 1907/08 7! 9 - 1 2 3 — 1 1908/09 10! 6 - 1 2 5 — 2 1909/10 9 2 - 3 — 4 1 1 1910/11 8! 7 -! 1 2 4 .; - 1 1911/12 18! 8 -; 2 5 7; 1 3 zusammen 77 40 1 13 21 29 3 10 Es haben demnach von 1901 bis 1911 sich 117 üdische Kandidaten der Prüfung unterzogen, von denen 40 34,2 % nicht bestanden haben. Das ist ein relativ hoher Prozentsatz, der allerdings von den Katholiken übertroffen wird; denn von 100 katholischen Kandidaten haben 37,7 die Prüfung nicht bestanden. Weit günstiger stehen die evangelischen Kandidaten da, die nur 31 % nicht bestandene aufweisen. Wenn man die Zahlenreihe verfolgt, so bekommt man den Eindruck, als seien die Prüfungsergebnisse bei den Juden iu den letzten Jahren schlechter geworden, hat ja im Jahre 1907/08 die Zahl der Nichtbestandenen die Zahl der Bestandenen um 2 überstiegen. Diese Erscheinung zeigt sich auch bei den Kandidaten der anderen Bekenntnisse und mag nach der Ansicht von Professor B r o e s i k e (des Verfassers des Aufsatzes) vielleicht an der verschärften Handhabung der neuen Prüfungsordnung liegen. Von den bestandenen jüdischen Kandidaten haben 37,6 % die Lehrbefähigung für Mathematik und Physik erworben, 27,3 % für Französisch und Englisch, 16,9 % für Lateinisch und Griechisch, 13 % für Deutsch, Geschichte und Erdkunde, 3,9 % für Chemie und beschreibende Naturwissenschaften und 1,3 % für Religion und Hebräisch. Die Lehrbefähigung der Kandidaten hängt natärlich aufs engste zusammen mit den Aussichten auf Anstellung im staatlichen oder kommunalen Dienst. Es ist kein Zufall, daß der Prozentsatz der Kandidaten, welche Deutsch, Geschichte und Erdkunde zu ihrem Lehrfach wählen, bei den Juden nur 13 % beträgt bei den evangelischen dagegen 16,5 % und Katholiken 25,2%! Mit welchem Anteil die einzelnen Bekenntnisse der männlichen Bevölkerung aus den Volkszählungsjahren 1900, 1905 und 1910 an der Zahl der geprüften Kandidaten gleichen Bekenntnisses in den daran anschließenden Jahren 1901/02, 1906/07 und 1911/12 erscheinen, zeigt folgande Übersicht: Männliche f Bevölkerung 1 Geprüfte Kandidaten Auf 100000 der f männlichen Be- J völkerg. kamen j Kandidaten i In allen drei Stichjahren lieferte die evangelische Bevölkerung verhältnismäßig mehr Kandidaten als die katholische. Im Jahre 1911/12 wurden die Evangelischen und Katholiken von den Juden überholt. Dasselbe Verhältnis zeigt sich, wenn der Berechnung die bestandenen Kandidaten zugrunde gelegt werden; es kommen dann auf 100000 der männlichen Bevölkerung ihres Bekenntnisses: evangelische katholische jüdische bestandene Kandidaten 2,5 1,8 1,6 5,1 4,0 2,5 Evangel. Kathol. Jüd. 1900 1905 1910 10698574 11467491 12201289 6004703 6632902 7256106 192969 202109 204779 1901/02 1906/07 1911/12 353 815 1410 156 417 623 4 7 26 1901/02 1906/07 1911/12 3,3 7,1 11,6 2,6 6,3 8,6 2,1 3,5 12,7 1901/02 1906/07 1911/12 7,4 5,1 8,8 Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag von Max Schildberge r, Inhaber Arthur Schlesinger, Berlin W. 62, Schülstraße 3. Druck von E. Grüner, Bernau bei Berlin.