Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Die Bevölkerungsbewegung der Stadt Wien von 1900 bis 1911 mit besonderer Berücksichtigung der Juden
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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- 7 — Die Volkszählung vom 31. Dezember 1910 j hat ungünstige Resultate ergeben. Wien gehört jetzt zu denjenigen Großstädten, die : einen nur geringen Geburtenüberschuß auf-; weisen. Um keine Fehlschlüsse zu ziehen, j habe ich eine Reihe von Jahren; zum Gegenstande meiner Untersuchung ge-! macht, da nur dies eine richtige Beurteilung ermöglicht. Ich habe darum auch den! Komplex aller hierzu gehörigen Fragen, wie; Geburten, Sterblichkeit, Eheschließungen, I Ehetrennungen und Konfessionsänderungen; in Betracht gezogen, die ein klares Bild über! die Bewegung geben. : In dem Zeitraum von 1900 bis 1911 sind j die Geburten von 52364 auf 41 030 jährlich,! also um 21,6%, von 31,66 auf 1000 Einj wohner auf 20,20, also um mehr als 10 pro j Mille zurückgegangen, trotzdem die Zahl der \ Eheschließungen bedeutend höher war, die j Sterblichkeit hingegen bloß von 20,74 auf j 16,45, also um 4 pro Mille weniger. Die j Prognose für die Zukunft ist noch viel un-; günstiger, da für 1912 ein weiterer Geburtenrückgang zu verzeichnen ist, während die Sterblichkeit fast unverändert blieb. Uner-; ireuliche Symptome sind ferner, daß absolut ■ und relativ die Zahl der Totgeburten gestiegen ist und bei den Lebendgeborenen; die Zahl der männlichen zurückgeht, Umj stände die auch den Geburtenrückgang mit- : verursachen. Die Zahl der Eheschließungen; hat um fast 17% zugenommen, von 16,527 I jährlich auf 19,280, die der Zivilehen sich j verdoppelt, von 122 auf 243, eine Folge; dei österreichischen Ehegesetze. Ebenso die j Ehescheidungen, und sogar die Ehej trennungen, die bei den Römisch-Katholischen j schwer möglich sind. Sie sind auch zumeist! nur bei Juden und Protestanten vorgej kommen. Kinder-Legitimierungen fanden j jährlich 3—4 000, etwa 2 pro Mille, statt. j Die Konfessionsänderungen haben sich um 40%, von 1 672 auf 2 344 vermehrt — auch eine Folge der Ehegesetze — wobei ein großer Teil sich konfessionslos erklärte. Der Höhepunkt war 1905 mit 2 517, eine Zahl, die nicht wieder erreicht wurde. Das Endresultat ist, daß der jährliche Geburtenüberschuß von 18 061, der in manchen Jahren noch höher war, trotz der inzwischen erfolgten Eingemeindung von Floriddorf, das selbst einen großen Zuwachs hatte, auf 7 346 gesunken ist, also um zirka 60 %, oder von 10,92 auf 1000 Einwohner auf 3,56 pro Mille. Ich habe auch zum Vergleiche die korrespondierenden Zahlen aus den Jahren 1880, 1899 und 1891 herangezogen, die drastisch zeigen, ein wie großer Geburtenrückgang und demzufolge geringerer Geburtenüberschuß eingetreten ist. Im Jahre 1880 bestand die Stadt Wien vor der Einverleibung der äußeren Bezirke aus bloß 10 Bezirken mit einer Bevölkerung von nur 725 658, also bloß einem Drittel der Bevölkerungszahl vom Jahre 1910 mit 2 031 498, und da war der Geburtenüberschuß 8510, also um 1164 oder um zirka 14% höher und pro 1000 Einwohner 11,73. — Das Jahr 1890 war schon ungünstiger, indem es bei einer Bevölkerung von 839 328 bloß 6896 Geburtenüberschuss hatte, also nur 8,22° o pro 1000 Einwohner. Im Jahre 1891 hatte Wien nach Einverleibung von 9 äußeren Bezirken eine Bevölkerungszahl von 1 364 548 mit einem Geburtenüberschuß von 12 867 oder 9,43 pro 1000 Einwohner. Die tatsächliche Zunahme der Gesamtbevölkerung Wiens seit der Volkszählung vom 31. Dezember 1900 bis zur Volkszählung vom 31. Dezember 1910 betrug 302 760, somit 17,51% und zwar 136-878 männliche — 45,20% — und 165 882 weibliche — 54,80%- — Hiervon war natürliche