Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1913)
- Article
- Ein jüdisches Kunstarchiv
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 120 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilung. Ein jüdisches Kunsiarchiv. Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Kunstdenkmäler und die Biographien jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahlreich vorhandene Material ist weit zerstreut, oft noch an unbekannten Orten bewahrt, und kommt nur durch Zufall an das Tageslicht. Viele Gemeinden besitzen wertvolle Kunstgegenstände, auch viele Familien bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren kunst- und kulturgeschichtlicher Wert ihnen nicht zur Genüge bekannt ist. An verschiedenen Orten bestehen bereits öffentliche Sammlungen von Kultusgeräten, Münzen, Handschriften und interessanten Drucken. Was aber das Erfordernis einer wissenschaftlichen Bearbeitung aller dieser Dinge ist, die archivalische Kenntnis, d. h. die sachgemäße Notierung und Vergleichung, fehlt noch vollkommen. Was von den jüdischen Kunstaltertümern zu sagen und zu beklagen ist, gilt auch von derKenntnis der jüdischen Künstler unserer Zeit Der häufig gemachte Einspruch, daß die Juden als Künstler nur mäßig begabt und nichts Ursprüngliches zu leisten im Stande seien, ist durch das tatsächiiche Material bereits als irrtümlich nachgewiesen- Herr Karl Schwarz, Mitarbeiter der illustrierten Monatsschrift „Ost und Westu, hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, die jüdischen Kunstdenkmäler und die Werke der jüdischen Künstler zu studieren und hat auf Grund des von ihm bereits seit Jahren gesammelten Materials ein jüdisches Kunstarchiv gegründet, dessen Zweck es ist, alle einschlägigen Dokumente und Nachrichten (auch photographisches Material) an einer Zentralstelle zu sammeln und zu erschließen. Das Jüdische Kunstarchiv steht in Verbindung mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 28. Durch diese Verbindung mit einem öffentlich anerkannten Institut ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die Sicherstellung des Materials für alle Zeiten gewährleistet- Das Archiv enthält auch eine Lichtbilderzentrale, die für Vorträge über jüdische Kunst und jüdische Künstler geeignetes Material beschaffen will. Das jüdische Kuns archiv wendet sich in einem Aufruf an alle Kreise, in erster Linie an unsere jüdischen Künstler, mit der Bitte um Überlassung recht zahlreichen Materials. Da das gemeinnützige Unternehmen, das eine Lücke in den bestehenden jüdischen Institutionen ausfüllt, nur durch das Entgegenkommen der Künstler und Kunstfreunde seine idealen Ziele erreichen kann, so seien auch die Leser dieses Blattes darauf hingewiesen. Nähere Auskunft über das jüdische Kunstarchiv, sowie die Statuten, siad durch das Gesamtarchiv der deutschen Juden zu erhatlen. exs Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag von Max Schildberge r- Inhaber Arthur Schlesinger, Berlin W. 62, Schillstraße 3. Druck von E. Grüner, Bernau bei Berlin.