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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-06-01 · Heft 6 (Juni 1913) · p. Seite 96

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 6 (Juni 1913)
Article
Jahresbericht des Vereins für die Statistik der Juden in München für 1912
Date
1913-06-01
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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- 96 — Plan, eins Schrift herauszugeben mit dem Titel:! „Die jüdische Bevölkerung in Bayern mit Rücksicht auf die bevorstehende Revision des Judenedikts, herausgegeben vorn Verein für die Statistik der Juden" angenommen. In dieser Schrift sollen alle statistisch erfaßbaren Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in Bayern vonverschiedenen Autoren behandelt werden, nämlich Bevölkerung (Bevöikerungsstand und Bevölkerungsbewegung, einschließlich Wanderungen und Übertritte), Berufsgliederung, Krankheiten und Todesursachen, Kultus und Unterricht, Vereine und Stiftungen, Gemeindefinanzen. Zur Mitarbeit haben sich bis jetzt bereit erklärt: Cohen, Dingfelder, Feuchtwanger, Hirse hinger, Segail, Strauß, Vogelstein, Wadler, Wassermann. Leider wurdg unser Gesuch an die Gemeinde um einen Zuschuß zu den Kosten zu diesem Werk abgelehnt. Dagegen hatten wir die Freude von anderer Seite folgende Zuwendungen zu erlangen; Vom Landesverein der bayrischen Kultusgemeinden M. 150.—; von der Münchenloge M 100.—; von der Hermann und Betty- Tietz- Stiftung- Berlin M. 100—; von der Hermann und Jettchen- Müller- Stiftung in München M. 50-; von den Hinterbliebenen des verstorbenen Oberlandesgerichtsrates Dr. Cohen M. 50; von den Hinterbliebenen der Frau Babette GrasM. 25—; zusammen Mark475. Als Material für die Eingaben, die wir zur Vermehrung unserer Mittel machen mußten, wurde vom 1. Vorsitzenden Prof. Cohen ein Bericht über unsere Tätigkeit seit der Gründung unseres Vereins (1904) ausgearbeitet, von dem noch Schreibmaschineriexempiare zu haben sind. Da wir unsere Kräfte und Mittel für die oben erwähnte größere Arbeit sparen wollen, so konnte im Jahre 1912 unsere wissenschaftliche Tätigkeit nur gering sein. Auf unser Ersuchen ließ das Statistische Amt der Stadt München durch Beamte dieses Amtes Tabellen herstellen, durch welche wir auf Grund des Urmaterials der Volkszählung 1910 genau unterrichtet wurden über die Gliederung der jüdischen Bevölkerung in München nach Geschlecht, Personenstand, Alter und Gebürtigkeit. Die Tabellen harren noch der textlichen Bearbeitung. Nicht in den offiziellen Rahmen der Vereinstätigkeit, aber doch in den Bereich unserer Vereinszwecke fällt der seminaristische Kurs, den der Verein jüdischer Studenten im Wintersemester 1911/12 und im Sommersemester 1912 abhielt. Der Kurs wurde auf Ersuchen dieses Vereins von unserem Vorsitzenden Prof. Cohen geleitet, der sich hierbei die Unterstützung und Mitwirkung des Herrn Dr. E. Strauß und des Herrn Dr. Ludwig Feuchtwanger sicherte. Eis Einleitung zu diesem Kurs hielt Prof. Cohen auf trsuchen de3 Vereins jüdischer Studenten in diesem Verein am Anfange des Wintersemesters 1911/12 einen Vortrag über die Bedeutung der Statistik für die Juden. Der seminaristische Kurs fand jeden Freitag 2—3 Uhr, anfangs in der jüdischen Lesehalle, später im Lokal des Vereins jüdischer Studenten statt Die Vortragsthemen waren folgende: 1. Der gegenwärtige Stand des jüdischen Problems in Statistik, Wirtschaftskunde und Wirtschaftsgeschichte. 2. Wandlungen in der Wertung des Kapitalismus mit Rücksicht auf das jüdische Problem. 3. Die Emanzipation der Juden in Bayern und Baden; ihre wirtschaftlichen Grundlagen und Wirkungen. 4. Die Judenmatrikel in Bayern und ihre Wirkung für die Bevölkerungsverteilung in Bayern 5. Referat über die Schrift von Dr. Segall: „Die beruflichen und sozialen Verhältnisse der Juden in Deutschland." 6. Die bayerische Statistik bei Ruppin und Sombart- Ein Vergleich. Ferner wurden behandelt: Die Statistik der Übertritte, die Unterrichtsstatistik, die Statistik der Juden auf dem Lande, diese drei Themen auf Grund des von uns gesammelten Materiales, (von dem leider bis jetzt nur das Material zum letzterem Thema, dagegen nicht unser wertvolles Material betreffend Übertritte und Unterrichtsstatistik trotz mehrfacher Mahnungen an uns zurückgelangt sind.) Zunächst wurde in "der Regel von Seminarteilnehmern ein Vortrag oder Referat erstattet, sodann eine Diskussion eröffnet und schließlich, von Prof. Cohen und Dr. Feuchtwanger eine Kritik gefällt, Ergänzungen und Anregungen gegeben usw. Die Vorträge und Referate waren natürlich sehr verschiedener Qualität. Es wurden Vorträge gehalten, die bereits als ein embryonaler Teil einrr künftigen selbständigen wissenschaftlichen Arbeit betrachtet werden konnten, andere Vorträge und Referate konnten nur den Anspruch darauf erheben, als Mittel zu dienen, um die betreffenden Kursteilnehmer in die Materie einzuführen. Erfreulicherweise erklärte sich eine Kursteilnehmerin, Fräulein Odenheimer, bereit eine selbstständige Arbeit über die Berufe der Juden in Bayern auf Grund des von uns gesammelten Materials zu machen, die sie dann als Doktordissertation zu verwenden beabsichtigt. Prof. Cohen und Dr. Feuchtwanger hielten mit Frl. Odenheimer verschiedene Besprechungen, um sie in das Vereinsmaterial betreffend die Berufe der Juden einzuführen. Um Kosten zu sparen, gaben wir unser Vereinsiokai auf; da gleichzeitig die „Jüdische Lesehalle" andere Lokalitäten bezog, die wesentlich kleiner sind, wie die bisherigen, sodaß sie uns keine Unterkunft mehr bieten kann, ersuchten wir die Israelitische Kultusgemeindeverwaltung, uns einen Platz für Aufbewahrung unserer Bibliothek zur Verfügung zu stellen. Diesem Wunsche wurde bereitwilligst und dankenswerterweise entsprochen. Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag von Max Schildberge r. Inhaber Arthur Schlesinger, Berlin W.62, Schillstraße 3. Druck von E. Grüner, Bernau bei Berlin.

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