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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 66

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-05-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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— toi damals einen Aufschwung zu nehmen infolge j der politischen Ereignisse und günstigerer j Ernten als in der voiigeu Periode. Die j Kriegszeit wurde glücklich überstanden. An j dem gewaltigen Aufschwung, den Deutschj land in den folgenden Jahren erlebte, nahm 1 auch Württemberg Anteil; Handel und Ge- I werbe blühte, die Unternehmungslust stieg, \ namentlich die Industrie begann in dem; bisher fast vollständig agrarischem Lande; sich kräftig zu entfalten. Die Bevölkerung j wuchs derart rapide, daß der Bevölkerungsj Politiker jener Zeit mit Besorgnis in die Zu- \ kunft sah. Man ahnte, daß Württemberg; auf die Dauer nicht imstande sein würde, I seinen gesamten Bevoikerungsüberschuß im \ Lande zu ernähren, und Ende der siebziger ■; Jahre sali man, daß eine Katastrophe im i Anzüge sei, die aber nicht wie um die Mitte j des Jahrhunderts durch eine Agrarkrisis! hervorgerufen wurde, sondern durch eine; Überspannung des Unternehmertums und j übermäßige Inanspruchnahme des Kredits. Die jüdische Bevölkerung, deren Werdegang, wie wir in der ersten Hälfte dieses Aufsatzes festgestellt haben, parallel mit der Entwicklung der Gesamtbevölkerung verlaufen war, behielt diese Richtung auch während der eben geschilderten Periode zum Teil bei. Nur in der ersten Hälfte laufen die Bahnen in gleicher Weise, dann aber entwickelt sich die jüdische Bevölkerung abweichend von der Gesamtbevoikerung. Deutlich läßt sich dies aus den Volkszählungsziffern ersehen: Jahr Gesamtzahl Absof. Zunahme ^l~?*0Zt 1858 i I 088 — — 18G1 11 338 250 0,78 1864 11 610 272 0,79 1867 11 662 52 0,15 1871 12 245 583 1,66 1875 12 881 636 1,73 1880 13 331 450 1,16 Bis 1864 vermehrte sich die jüdische Bevölkerung rascher als ihre Umgebung. Von den damaligen Bevölkerungsstatistiken! wird dieser Umstand darauf zurückgeführt, daß die Juden als industrietreibende Bevölkerung unter günstigeren Bedingungen lebten als die ackerbautreibende katholische und evangelische Bevölkerung. Während heute die o o Städte der Sitz der niedrigen Geburtenziffer, der geringen natürlichen Zunahme sind, war es vor 50 Jahren umgekehrt. Damals waren die Erwerbsverhältnisse in den Städten günstiger als auf dem Lande, und nur diese allein bestimmten die Bevölkerungszunahme. Je günstiger die wirtschaftlichen Verhältnisse, um so stärker das Wachstum der Bevölkerung — lautete damals das Bevölkerungsgesetz, während es heute umgekehrt ist. Während 1846 von je 100 Juden erst 18,83 in den Städten saßen, wohnten 1861 bereits 7:j (33,7° o) aller Juden in den Städten und bis 1864 wuchs die Zahl auf % (40%) an. 6 947 Juden wohnten damals noch auf dem platten Lande und 4 663 in den Städten. In Stuttgart ist ihre Zahl von 1846 bis 1864 von 234 auf 1 169, also um das Fünffache gestiegen. Jene Städte nun und Oberämter, welche gewerblich und industriell sich günstiger entwickelten, zogen die Juden an. Nicht mit Unrecht hat Rümelin den Ausspruch getan, daß man nur die jüdische Binnenwanderung zu verfolgen brauche, um einen Schluß ziehen zu können auf die | wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen; Gegenden. Die Juden wendeten sich den l Gegenden zu, wo sie sich industriell betäti-! gen oder innerhalb einer industriellen Bei völkerung Handel treiben konnten. Es mag | daher hier eine kleine Tabelle Platz finden, i welche die Verteilung der Juden auf die ■; Städte mit mehr als 2 000 Einwohnern nach : den beiden Zählungen von 1861 und 1864! enthält.

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