Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Materialien zur Statistik der westpreußischen Juden zu Ende des XVIII. Jahrhunderts
Date
1913-04-01
Page
Seite 57 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2650397-3187730-3187734-3193026--3846-3193067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

- 57 — Was die Beschäftigung anbetrifft, so sind die meisten Juden auf dem platten Lande Brauerei-Pächter, Krämer, (zumeist handeln sie mit Schnittwaren, Tüchern, Honig und j Wachs); von den Handwerkern sind am; stärksten die Schneider, Kürschner, Barbiere und Glaser vertreten. Durschnittlich linden : wir in einer jeden von den oben genannten Ort- \ Schäften 3—10 Brauereipächter, 2—6 Krämer, j 1—10 Schneider, 1—3 Fleischer, 1—15 Kürsch- \ ner, 1—4 Glaser usw. Die Vermögensverhältj nisse gestalten sich sehr verschieden, die \ höchste Summe baren Kapitals übersteigt j nicht 2000 Taler, die kleinste ist 10 Taler, da-; gegen begegnen wir einer recht großen An- : zahl von Juden, bei denen es in der bei treffenden Rubrik heißt, daß sie gar kein Vermögen besitzen. Es scheint, daß hier das jüdische Proletariat recht stark vertreten war. ■ In den Städten gestaltet sich die Zahl der; Juden folgendermaßen : Ortschaft1) Familienanzahl Seelenanzahl 162 559 Schuliiz....... 2 8 Barezln ....... 17 73 Nakel........ IT 68 18 82 4 14 Cammifi....... 1 4 Zempelburg..... 2H 881 114 370 Wirsitz ....... 21 T5 Flatow........ 224 908 Krojanke....... 79 291 Jastrow....... 32 IIS Schneidemühl .... 81 329 Deutsch-Krone .... (34 231) Uetz ........ 49 232 Friedland...... 125 552 Schloppe....... R5 256 Schoenlanke..... 86 270 Czarnikow...... 113 347 Uscie........ 3 14 Filehne....... 181» 710 Summa 1755 6406 lj Vol. I Z. 56-113, ebenfalls „Recapitulatio". So Laben wir auf dem platten Lande 272 Familien mit 1066 Seelen in den Städten und Städtchen 1755 Familien mit f>40G Seelen zus. also: 2027 Familien mit 7472 Seelen Somit fallen durchschnittlich auf eine jede Judenfamilie in den Städten 3 bis 4 Seelen, auf dem platten Lande herrscht beinahe dasselbe Verhältnis. In den Städten sind die Juden mehr im Handel als im Handwerk vertreten, hie und da begegnet mau kleinen Industriellen, das Gros der Juden aber bilden die Hausierer. Doch trotzdem scheint in den Städten das Proletariat kleiner gewesen zu sein» denn fast ein jeder ist im Besitze eines gewissen Geldkapitals, auch hier schwanken die Vennö^ensverhältnisse zwischen 2500—10 Taler. IL Viel genauer ist die Judenzählung im selben Distrikte vom Jahre 17&5. Der Zweck derselben scheint folgender gewesen zusein. Da die Judenheit in den neugewonnenen polnischen Gebieten (vom Jahre 1772) sehr verarmt war und in ihrer Mitte viele „Betteljuden" lebten, wollte die damalige Regierung dieselben „über die Grenze schaffen". Es sind viele Projekte vorhanden, die verschiedene Wege zur Lösung dieser Frage vorschlagen. Lhn nun über den Stand der Juden unterrichtet zu sein, wurden eben jene statistischen Tabellen ausgearbeitet. Wir wollen hier die „Balance", d. h. wie sich die Anzahl der in den Netze - Distrikten zur Zeit des entworfenen Judenreglements 1771) befindlichen Schutz- und emigrierenden Juden- Familien und -Seelen gegen das Jahr 17^4 verhält, publizieren, da sie uns genau über die Bevölkerungsverhältnisse der Juden in den Jahren 1770—1784 unterrichtet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.