Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in den Städten Galiziens 1881 - 1910
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — fang an die Träger einer höheren (Geld-) Wirtschaft und nahmen nach der Bauernbefreiung, Aufhebung der Leibeigenschaft (1849) die Rolle des Vermittlers auf sich, der die Erzeugnisse der Bauern auf den Markt brachte, Sie schoben sich zwischen Bauern und Konsumenten und waren nützlich. Durch die allmähliche Entwicklung des Landes und die selbständige wirtschaftliche Organisierung des Landvolkes in allerhand Genossenschaften, Prassen, Verbänden, welche vom Staate direkt subventioniert, unterstützt und überwacht werden, wurden die alten jüdischen Positionen untergraben, zerstört. Die 1295 Spar- und Vorschussgenossenschaften, 85 Milch- und 23 andere landwirtschaftliche Genossenschaften, welche unter dem Patronate des galizischen Landesausschusses stehen und viele tausende Mitglieder zählen, ersetzen die jüdischen Händler, Makler, Geldverleiher. Krämer. Die Nationalisierung des Handels ist mit dem Rückgang des jüdischen Handels in Zusammenhang zu bringen. Die kleinen jüdischen Dorf ins eichen, welche früher dank der geschilderten Funktion bestehen konnten, werden somit vernichtet. Dass nun gerade im letzten Jahrzehnt diese stärker und rascher zurückgegangen sind, hat seinen Grund in dem Erlöschen des sogen. Propinationsrechtes und der Einführung der konzessionierten Schänken, was mit dem Verlust von lausenden Existenzen (ziffernmässig festgestellt!) im Zusammenhange steht. Die wirtschaftlich Deklassierten zogen in die Bezirksstädte, — und zwar ist dies an dem Sinken der absoluten Zahl der Juden auf dem Lande und mit dem entsprechenden Zuwachs derselben in den Bezirksstädten zu konstatieren — sodass wir hier mit einer \ allmählichen Urbanisierung der jüdischen: : Bevölkerung zu rechnen haben. Das Sinken der jüdischen Bevölkerung; auf dem Lande illustrieren die Zahlen: | 1880 ... . 38,0 j 1890 .... 38,1 | 1900 . . , . 34,1 i 1910 . . , . 28,8 I Diese Urbaniserung ist in 8 von 11 j Städten (auf Grund des Gesetzes von 1889) zu bemerken, wo die jüdische Bevölkerung absolut mehr gestiegen ist als die Bevölkerung des Bezirkes.! So in Wadowice: Bezirk 5.6, Stadt 35.6 | Prozent; Biala: Bezirk 2.9, Stadt 17.1 Pro- I zent; Krosno: Bezirk 7.1, Stadt 62.1 Pro- | zent; Jaslo: Bezirk 11.3, Stadt 48.4 Prozent; j Tarnow: Bezirk 15.3, Stadt 20 Prozent;! Rzeszow: Bezirk 28.4, Stadt 39.8 Prozent. \ Einen Zuwachs erhielt die jüdische | Bevölkerung in den Industriestädten i Chrzanow, Jaworzono, Szczakowo, Osi | wiecim und 13 kleinen Städtchen, dagegen; ist ihre Bevölkerungszahl absolut gesunken in Sokolow, Tarnobrzeg, Baranow, Ulanow. Wilamowice, Andrychow, Wojnicz, Ropczyce, Debica, Glogow, Dukla, Diese Städtchen bilden also die Emigrations- 1 herde, sie können sich trotz des natür-; liehen Zuwachses nicht ihr Gleichgewicht , erhalten. Es ist ferner charakteristisch, dass in den Städten Krakow, Podgorze, Tarnow,; Rzeszow, Neu-Sandez, Biala, welche rasch \ wachsen, die jüdische Bevölkerung lang- I samer wächst. Die Auswanderung hat betragen: j 1880—1890 . . . 23 571 j 1890—1900 . . . 25 700 i 1900—1910 . . . 14 125 n. InOstgalizien wohnen 658 722 Ju-