Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Der Geburtenrückgang und die Sterblichkeit bei der jüdischen Bevölkerung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 5)
- Language
- German
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— 6 — nung weiter gestalten? Eine Antwort auf diese Frage ist in der Form geboten, dass auf die Entwicklung in Frankreich und bei den Juden in Preussen. Bayern und Hessen hingewiesen ist. Das Deutsche Reich steht hinsichtlich der Geburtenhäufigkeit heute ungefähr da, v/o sich Frankreich bereits vor 80 Jahren und die jüdische Bevölkerung Deutschlands vor 40 Jahren befand. Niemand wird bestimmt behaupten wollen, dass Deutschland diesen Vorbildern gleichkommen wird. Man wird jedoch zur Ansicht neigen, dass der Geburtenrückgang in Deutschland keine vorübergehende Erscheinung ist. üb er sich allerdings bis zu dem Tiefstande fortsetzen wird, auf dem die Franzosen und die Juden Deutschlands angelangt sind, darüber wird man sich nur Vermutungen hingeben können. Die Tabelle 3 enthält diejenigen Zahlen, die für die jüdische Bevölkerung in Preussen, Bayern und Hessen zusammen in Betracht kommen. Ausser den Geburtsziiiern sind noch die Sterbeziffern und der Geburtenüberschuss berechnet. Aus der Tabelle ist zu ersehen, dass der Geburtenrückgang der Juden so gewaltig war, von 31,6 in 1876/80 auf 17,6 in 1901/10, dass er durch die geminderte Sterbeziffer, 17,8 in 1876/80 und 13,8 in 1901,10, nicht aufgehoben werden konnte. Der Geburtenüberschuss ist in den gleichen Zeiträumen von 13,8 auf 3,8 gesunken. Zu Tafel 4. Dass ein Zusammenhang zwischen Geburtenhäufigkeit und Konfession besteht, ist nicht zu leugnen. Man betrachte nur die Tafel 4, in v/elcher die eheliche Geburtenhäufigkeit der Katholischen, Evangelischen und der Juden im Grossherzogtum Hessen gegenwärtig und vor 30 Jahren zur Anschauung gebracht ist. Immer hat die katholische Bevölkerung die höchste Geburtenziffer, dann folgt die evangelische und zuletzt die jüdische Bevölkerung. Vom Geburtenrückgang selbst ist keine der drei Konfessionen verschont geblieben. Die grössere Geburtenhäufigkeit der Katholischen hat aber eine Kehrseite, wie aus der gleichen Tafel hervorgeht. Die Katholischen in Hessen hatten nämlich im Zeitraum 1908/11 eine Säuglingssterblichkeit von 14.6 (auf 100 Lebendgeborene berechnet), die Evangelischen eine solche von 11.4 und die Juden sogar von nur 6,1- Die absoluten Zahlen sind in der Tabelle 4 enthalten. Eine erfreuliche Begleiterscheinung des Geburtenrückgangs ist der Rückgang der Säuglingssterblichkeit. Darüber gibt die Tabelle 5 Auskunft, die hier noch Platz finden möge. Im Grossherzogtum Hessen ist von 1876/80 bis 1906/10 die Geburtsziffer der Christen von 36,1 auf 29,6, die der Juden von 30,5 auf 18,8 gefallen, die Säuglingssterblichkeit der Christen von 18,8 auf 12,9, die der Juden von 14,8 auf 7,2. Der Geburtenrückgang betrug also bei den Christen 18 Prozent, bei den Juden 38,4 Prozent, während sich der Rückgang der Säuglingssterblichkeit bei den Christen auf 31,4 Prozent und bei den Juden auf 51,3 Prozent belief. Wenn im Vorstehenden die christliche und die jüdische Bevölkerung mit einander verglichen wurden, so wird man die Unterschiede, die sich ergeben, nicht in erster Linie auf die Verschiedenartigkeit der Konfession zurückführen dürfen, sondern vielmehr auf wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse. Die niedere Sterblichkeit der Juden gegenüber den Christen ist un-