Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Die jüdische Auswanderung der Neuzeit
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
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- 173 — zeigt uns die kleine Zahl derjenigen, die zurückkehren oder schon ein mal in Amerika gewesen sind. So sind aus Amerika im Jahre 1910—11 76 218, d. h. 40,12 Prozent aller Italiener ausgewandert, bei den Juden dagegen nur 6401, d. h. 7,01. Auch in den übrigen Jahren ist die Zahl der Juden, die zurückwanderten nicht gross: denn es gehört ja zum Chrarakteristikum der jüdischen Wanderbewegungen, dass sie keine Saisonwanderungen sind. Die jüdischen Wanderer sind auch keine Wanderer schlechterdings, die unbedingt wandern müssen; der Jude hat im Gegenteil den Wunsch, sich in der neuen Heimat auf immer niederzulassen. Die Zahl der „birds of passage", d. h. derjenigen Wanderer, die in den Vereinigten Staaten schon wenigstens ein mal gewesen sind, ist bei den Juden verschwindend klein. Im Jahre 1905—06 gab es in der jüdischen Einwanderung ,,birds of passage4' nur 1,37 Prozent, bei den Italienern 14,5 Prozent, bei den Engländern 27,5 Prozent. Vergleichen wir ihre Zahl in der gesamten und jüdischen Einwanderung, so tritt uns der Gegensatz zwischen den Juden und anderen Einwanderern ebenso stark entgegen. So gab es im Jahre 1908—09 bei den Juden ,,birds of passage4' 4,39 Prozent, bei der Gesamteinwanderung aber 21,19 Prozent. — Vom Fiskaljahre 1909—10 an gibt uns die amerikanische Statistik Auskunft auch über den Familienstand der Einwanderer, so dass wir jetzt in der Lage sind, den Familiencharakter der jüdischen Einwanderung mit Hilfe der Zahlen noch klarer und deutlicher zu Tage treten zu lassen. (Tabelle V). Den Kinderreichtum der jüdischen Einwanderung kennen wir schon. So machen bei den Juden die Knaben unter vierzehn Jahren, die ledig sind — als Kuriosum sei erwähnt, dass unter ihnen (im J. 1910) einer verheiratet war — im J. 1909—10 13,31 Prozent und im J. 1910—11 12,16 Prozent aus. Die ledigen xMädchen unter 14 Jahren sind schwächer vertreten: 12,55 Prozent und 11,79 Prozent; es ist dabei interessant, wie das Ueberwiegen von Knaben, das bei den Juden in Russland beobachtet wurde, sich in der Auswanderung widerspiegelt. Bei der gesamten und italienischen Einwanderung sind die Knaben und Mädchen bedeutend schwächer vertreten: es gibt ihrer dort nur halb so wenig wie bei den Juden. Viel interessanter ist jedoch die zweite Altersklasse: zwischen 14—44 Jahren. Was die Ledigen unter ihnen anbetrifft, so gab es bei den Juden weniger ledige männliche Personen als bei der Gesamteinwanderung, auch weniger als bei den Italienern: es kamen im J. 1910—11 auf je 100 jüdische Einwanderer 24,9 männliche ledige Personen zwischen 14 und 44 Jahren, bei der Gesamteinwanderung aber 34,2, bei den Italienern 34,01. Dafür aber gab es bei den Juden mehr ledige weibliche Personen; so kamen in demselben Jahre auf 100 Juden 19,4 Prozent ledige Mädchen im Alter von 14 bis 44 Jahren, bei der Gesamteinwanderung jedoch nur 15,7, bei den latlienern sogar nur 8. Schon daraus alleine ersieht man klar den Familienstand der jüdischen Einwanderung. Während es in der Gesamteinwanderung mehr freie Männer gibt, die leichter und ungehinderter ihre Arbeitskraft in der neuen Heimat verkaufen können, und die Mädchen schwächer vertreten sind, ist die Anzahl der ledigen Frauen bei den Juden sehr bedeutend: es sind meistens Töchter, die zu den jüdischen Familien gehören. Dass dem wirklich so ist, ersehen wir aus