Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Die russischen Juden in Kopenhagen
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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— 138 — saische Gemeinde in Kopenhagen im ganzen 3350 Personen umfasste, so machten die russischen Einwanderer bisher nur erst eine kleine Minderzahl derselben aus, Rücken wir aber fünf Jahre weiter bis zur Volkszählung von 1911, so spielt die Einwanderung russischer Juden nach Kopenhagen schon eine bedeutend grössere Rolle. Ihre Zahl ist auf 1600 gewachsen, und sie machten nun gut ein Drittel der ganzen jüdischen Gemeinde aus. die im ganzen 4793 Personen zählte. Da die Aufmerksamkeit demgemäss stark auf dieses fremdartige Element innerhalb der hiesigen, in kultureller und ökonomischer Hinsicht hochstehenden jüdischen Gemeinde gerichtet ist, so wollen wir uns in erster Reihe mit ihnen beschäftigen. Doch wird unsere Statistik auch gelegentlich ein Streiflicht werfen auf clen übrigen Teil, den wir die alte jüdische Gemeinde nennen wollen, da diese Bezeichnung sich in der Hauptsache mit dem wirklichen Verhältnis deckt. Linter anderein v/ollen wir in verschiedenen Punkten zeigen, wie teils die russischen Juden, teils die alte jüdische Gemeinde von dem für die ganze Bevölkerung der Hauptstadt geltenden Verhältnis abweicht, und da die beiden Gruppen im grossen und ganzen den niedrigsten und den höchsten Volkschichten angehören, so kann man sich nicht darüber wundern, dass die Abweichungen vom allgemeinen Durchschnitt oft in entgegengesetzter Richtung gehen werden. Es ist bei diesen Untersuchungen von Bedeutung, die Grenzen zwischen den beiden jüdischen Gruppen festzulegen, und wir verstehen demnach unter den russischen Juden solche, die in einem Zeitraum von 10 Jahren vor der Volkszählung von 1911 aus dem russischen Reiche ausgewandert sind. Indem wir den Zeitpunkt der Auswande- | rung als das entscheidende Moment hin- | stellen, ergibt sich, dass die russischen j Juden vom sozialen Gesichtspunkte aus gleichartige Elemente verbleiben. Dagegen umfassen die Juden, die früher aus Russland auswanderten, und von denen einige im letzten Jahrzehnt über ein drittes Land, wo sie in der Zwischenzeit ihren Wohnsitz gehabt haben, nach Kopenhagen gekommen sind, in ökonomischer Hinsicht recht ungleichmässige Bestandteile. Der Begriff russische Juden soll auch die Kinder der Eingewanderten umfassen, selbst wenn sie hier im Lande geboren sind, da sie vom | sozialen Gesichtspunkte aus natürlicher-! weise mit den Eltern in eine Kia^e zu- | sammen zu bringen sind. | Die Untersuchung ist wesentlich auf j den Volkszählunglisten von 1911 aufge- | baut, stützt sich jedoch aber auch auf an-! dere Aufschlüsse, namentlich von Herrn ' Bibliothekar Fischer, der durch seine ,; eingehende Kenntnis der vorliegenden. ■ Materie dem Statistischen Burej a u wertvolle Hilfe geleistet hat, wofür wir! Herrn Fischer unseren besten Dank I aussprechen. j Untersucht man nun zunächst die Teij hing der russischen Juden dem Geschlechte j nach, so zeigt es sich, dass sich unxer ihnen 798 Männer und 802 Frauen befinden, also eine ungefähr gleich grosse Anzahl beider Geschlechter. — Ein wesentlich verschiedenes Bild treffen wir in der alten jüdischen Gemeinde, wo die Anzahl der Männer 1415 | und die der Frauen 1778 beträgt, wo die \ Frauen also in grosser Ueberzahl sind. Es I ist schon erwähnt worden, dass wir zu; den russischen Juden ihre hier im Lande! geborenen Kinder rechnen, von denen sich! bei der Volkszählung von 1911 eine recht! bedeutende Anzahl vorfand, nämlich 323.