Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Die österreichische Volkszählung von 1910
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 112 (sequence 3)
- Language
- German
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— 112 — Von den 1313698 Juden, welche 45,98 Prozent der Gesamtbevölkerung Oesterreichs ausmachen, leben 871 906 oder 66,37 Prozent, also zwei Drittel in Galizien; sie bilden hier über 10 Proz. der Gesamtbevölkerung. Nächstdem sind sie in Niederösterreich und in der Bukowina stark vertreten, besonders in den grossen Städten, wie folgende Zusammenstellung zeigt: Siuüle mit Gesamtein¬ Zahl Auf 1UU Einw. mehr als 1UUU00 Kinwwohnerzahl der luden entfallen Juden Wien 203 U98 175818 8,6 Graz 151781 1971 M 3,2 Tri est 161653 5161 Prag 223741 18041 8,1 Brünn 125737 8945 7,1 Lemberg 206L13 57387 27r8 Krakau 154141 32380 21,8 Ausser Graz und Triest stehen alle Grosstädte über dem Staatsdurchschnitt; in Lemberg und Krakau ist mehr als ein Viertel bezw. ein Fünftel der Einwohnerschaft jüdisch. — Im ganzen ist der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung während der letzten drei Jahrzehnte, wenn auch nicht sehr erheblich, gesunken; er betrug 1890 1900 1910 4,78 Proz. 4,68 Proz, 4,59 Proz. eefrarten und Sferöelälle ita GrossDerzogiam fymn im laftre 1910 mit KücKDlicKett Der Geburtenrückgang, der bei den Juden in Hessen schon im Jahre 1876 einsetzt, tritt seit dem letzten Jahrfünft auch bei der Gesamtbevölkerung und naturgemäss auch bei den Evangelischen und Katholiken zutage. Relativ betrachtet, ist sogar das Nachlassen der Geburtenhäufig- , keit bei den letzteren viel stärker als bei '! den Juden. Während nämlich bei diesen j im Durchschnitt die Geburtenzahl im Jahri fünft 1906/10 etwas höher war als im verj gangenen Jahrfünft, sank die Geburtenzahl 1 bei der Gesamtbevölkerung in dem gleichen j Zeilraum um 2,7 Proz., bei den Evanj gelischen um 12 Proz. Bei den Katholiken j blieb sie auf derselben Höhe. Der Grund j für das vergleichsweise stärkere Sinken der Geburtenrate bei der Gesamtbevölkerung und den Evangelischen liegt auf der Hand. Die Geburtenzahl bei den Juden hat eben im Verlaufe der letzten Jahrzehnte bereits so stark abgenommen, dass sie nicht viel mehr sinken kann, während bei den übrigen Konfessionen die soziale Krankheit erst im Anzüge ist. Geburten. Folgende Tabelle gibt Aufschluss über die absolute Zahl der Geborenen (einschliesslich Totgeborenen). Die Entwicklung der Geburtenreihe bei der Gesanitbevölkerung ist nicht gleichmassig gewesen. In den 70er Jahren war gegenüber den 60er Jahren ein Anschwellen zu verzeichnen. In den 80er Jahren dagegen sank die Geburtenquote und erreichte wieder die Höhe wie in dem Jahrfünft 1866/70. Von 1891 ab stieg die Zahl der Geborenen ununterbrochen bis 1905 und erreichte die Höhe von durchschnittlich ca. 39 000 im Jahre. Von 1905 ab macht sich, wie bereits oben bemerkt, ein Sinken bemerkbar, das namentlich im Jahre 1910 besonders auffällig in die Erscheinung tritt. In diesem Jahre betrug die absolute Abnahme fast 2000. Aehnlich war die Ent-