Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung im Grossherzogtum Hessen nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1910
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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— 108 — lieh zu Tag getreten ist. Würde man die wohlhabenderen Geselischaftsschichten der Christen einer Untersuchung unterziehen können, so würde man sehr wahrscheinlich dieselben Erscheinungen, wie bei den Juden feststellen. Die unteren Volksklassen der Christen werden allmählich dem Beispiel der höheren Volksschichten folgen. Welchen Weg die Entwickelung der Bevölkerungsbewegung dann einschlagen wird, das lehrt uns überzeugend die Statistik der Juden. Und gerade deshalb ist sie höchst lehrreich und von so grosser Bedeutung. S c h 1 u s s. Die vorangehenden Betrachtungen zeigen, dass die jüdische Bevölkerung Hessens; sich von der nichtjüdischen in wesentlichen I Punkten unterscheidet. Ihre Entwickelung > hat einen aussergewöhnlichen Verlauf genommen. Die jüdische Bevölkerung Hessens : ist nicht wie die nichtjüdische im raschen; Wachstum begriffen, liefert vielmehr das ■ Bild der Stagnation. Ein Hauptkennzeichen besteht darin, dass sie kinderarm gej worden ist. M$ Ltbtn der jitdiseben Von Dr. S, Weissen Dr. Scheinis veranstaltete eine Enquete über die Lebensverhältnisse der russisch - jüdischen Studentenschaft; die \ Resultate derselben sind in einer kleinen j aber gründlich ausgearbeiteten Broschüre! unter dem Titel: ,,Die jüdische Studentenj schaft in Zahlen'', die im vorigen Jahre in Kiew erschienen ist, niedergelegt. Ich will hier mit deren Hauptergebnissen auch weitere Kreise bekannt machen. Ich habe S. 162 des Jahrgangs 1910 über „Studententum und Judentum in Russland" gej sprochen und glaube, dass manche Gegen- | übersteilung von Interese sein wird. j Der auf alles Wichtige eingehende Fra-! gebogen wurde von 282 Studenten und 228 j Polytechnikern beantwortet, insgesamt also j von 510 Hörern der Kiewer Hochschulen, j die 42 Proz. der damals — März 1909 — ortsanwesenden jüdischen Studenten ausmachten. Wir haben es somit mit etwa der Hälfte der jüdischen Studentenschaft zu tun, weshalb die Ergebnisse als hinreichend zuverlässig betrachtet werden müssen. ItiiMen in Russläitl b e r g, Elisabethgrad. Wie das Leben der russischen Juden überhaupt, so ist auch das der russischjüdischen Studenten anormal Schon das hohe Alter der jüdischen Studenten ist ein beredtes Zeugnis dafür, dass dem höheren Studium des Juden verschiedene Hemmnisse in den Weg gelegt werden, auf die hier einzugehen nicht der Ort ist. So standen in Prozenten im Alter von Juden in Kiew Student, i. Moskau 17—20 Jahren 10,6 32,6 21-24 „ 55,2 56,7 25 und mehr 34,2 10,7 Die Juden haben somit einen sehr geringen Prozentsatz jugendlicher Studenten unter 20 Jahren und zeigen im Mittel mit 23,9 Jahren gegen 21,1 Jahre ein um 2,8 Jahre höheres Alter als die Moskauer Studentenschaft, die hier wie auch weiter unten wegen ihrer geringen jüdischen Beimischung zum Vergleich herangezogen wird. Bekannt ist der grosse Hang der russischen Studenten zum ehelichen Leben, welche Erscheinung bei den Juden