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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 63

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Die Juden in der russischen Armee
Date
1912-04-01
Page
Seite 63 (sequence 4)
Language
German
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— 63 — des rassisch-türkischen Krieges. Aber kurz darauf, im Jahre 1882, erschien die Verfügung des Kriegsministers Wannowski, nach der die Zahl der jüdischen Militärärzte auf höchstens 5 Prozent herabgedrückt werden sollte, und zwar gleichmäßig in allen Bezirken. Sehr viele Juden haben damals den Dienst aufgeben müssen, und ist seitdem ihre Zahl fast auf Null herabgesunken. Als aber der russisch-japanische Krieg ausbrach, wurden alle dienstpflichtigen jüdischen Aerzte einberufen und bildeten während des Krieges das Gros der Militärärzte überhaupt, indem die Juden auf einmal wieder diensttüchtig wurden. In jüdischen Angelegenheiten ist es eine vergebliche Sache nach Logik zu fragen. Denn wären die Juden wirklich untüchtig und unzuverlässig, wie es Wannowski seinerzeit behauptet hat, dann wäre es doch absurd, gerade bei so ernster Lage ihnen das Heil der Armee anzuvertrauen, wie es doch sonst im Leben niemand einfallen würde, bei gefährlicher Krankheit einen schlechten und übel beleumundeten Arzt zu konsultieren. Aber hier wie auch sonst bei Ausschreitungen gegen Juden handelt es sich garnieht um ihre schlechten Eigenschaften, die nur als Vorwand dienen und deren Richtigkeit der antisemitisch gesonnenen Masse so leicht beizubringen ist, sondern nur darum, den Juden auf leichteWeise aus derKonkurrenzzu schlagen, mit anderen Worten um staatlich konzessionierten unlauteren Wettbewerb, — Mit einem Kapitel über die Lage der Juden in den fremdländischen Armeen schließt das interessante Buch. An vielen Beispielen wird gezeigt, wie sich die Juden überall als Soldaten bewährt haben und wie sich die Stimmung allmählich zu ihren Gunsten geändert hat. Sollen die russischen Juden daraus Trost schöpfen und auf bessere Zeiten rechnen? Qui vivra-verra! Die Frage der Militärtauglichkeit der Juden wird in Bälde zur Debatte in der Duma gestellt werden, und nicht nur 6 000 000 russische Juden, sondern die ganze zivilisierte Welt erwartet ein gerechtes Urteil der „Auserwählten des Volkes!" Statistisches Archiv. Cholera und Juden. In meiner Abhandlung: „Das j Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten" j (Diese Zeitschrift, 1911) konnte ich feststellen, daß die Juden viel seltener an Cholera erkranken als die Nicht' juden (S. 146). Mein Material war jedoch zu gering, um bindende Schlüsse zu liefern. Nun bringt Dr. S. Wermel in seiner sehr interessanten Arbeit: „Zur Pathologie der Juden* (Moskau, 1911, russisch) viel größere Zahlen, aus denen obige Tatsache klar zu Tage tritt* So sollen in Witebsk, das nach der Volkszählung von 1897 34420 juden und 31299 Nichtjuden zahlte, während der großen Choieraepidemle des Jahres 1909 nur 186 Juden gegen 472 Christen erkrankt sein, von welchen 70 Juden und 219 Christen gestorben sind. Wir haben also eine Morbidität der Juden in Höhe von 5 gegen eine solche der Christen in der Höhe von 15 pro mille der Bevölkerung, wobei auch die Sterblichkeit unter den Juden mit 37,5 Prozent bedeutend geringer war als die unter den Nichtjuden, wo sie 46,4 j betragen hat. Noch auffallender sind die Zahlen für St. Petersburg, dessen jüdische Bevölkerung im Jahre 1897 in Prozenten ausgedrückt 1,3 ausgemacht hat und seit' dem jedenfalls nicht gesunken ist. Nun erkrankten dort an Cholera während der Jahre 1908 und 1909 etwa 17000 Christen und nur 62 Juden. S. W. Peffah und niortalität. In seiner Arbeit: „Zur Pathologie der Juden" (Moskau, 1911, russisch) macht Dr. S. Wermel auf eine interessante Erscheinung aufmerksam, die darin besteht, daß das Minimum der jüdischen Mortalität etwa mit dem Frühling zusammenfällt, auf welche Perlode aber bei der übrigen Bevölkerung das Maximum fällt. Er sucht diese Erscheinung mit den Vorbereitungen zum Passahfest, die in einer Sterilisation der Wohnur.g und des ganzen Zubehörs bestehen, in Zusammenhang zu bringen, indem Reinlichkeit, verbunden mit guter Ernährung und Ruhe, die Morbidität und Mortalität der Juden zu jener Zeit herabsetzen. Leider stützt sich Wermel, der diese Ansicht selbst als Hypothese nennt, nur auf die Angaben des Jahres 1897. Es wäre deshalb von Interesse, auch einige andere Jahrgänge darauf zu untersuchen. S. W.

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