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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 50

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Der Anteil der Juden in Deutschland an dem Beamtenstande und den freien Berufen
Date
1912-04-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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— 50 — zusammenwirken, damit eine Veränderung in der Beruf svert eilung zustande kommt, die einen Fortschritt gegenüber der bis- , herigen WirtschaftsVerfassung bedeutet und außerdem der Erhaltung des Judentums förderlieh ist. Diese beiden eben genannten unerläßlichen Voraussetzungen, subjektiv die Bereitwilligkeit, sich einem bestimmten Berufe zuzuwenden und objektiv die Möglichkeit, diesen Beruf zu ergreifen und in ihm vorwärts zukommen, scheinen hier gegeben zu sein. Wir wollen zunächst zahlenmäßig das Wachstum der erwerbstätigen Juden in der Berufsabteilung „Oeff entlicher Dienst und freie Berufe" — dies ist die offizielle Bezeichnung in der Berufszählung vom 14. Jun1 1907 — feststellen. Es betrug die Zunahme der Juden von 1895 bis 1907 28 Prozent, also um 10 Prozent mehr als die Zunahme der jüdischen Erwerbstätigen im ganzen. Das Wachstum dieser Berufs" Schicht war immer stark, und die Frage nach den Ursachen dieses schnellen Wachstums ist sowohl von jüdischer wie nichtjüdischer Seite häufig ventiliert worden. Die Gründe, die man hierfür ins Feld führt, lassen sich vielleicht in zwei Gruppen — innere und äußere Gründe — einteilen. Zu den äußeren kann man zunächst die einseitige Berufsschichtung der Juden rechnen, in welcher sie in die Neuzeit hineingeschritten sind. Sie waren fast ausschließlich im Handel und kleinen Handwerk beschäftigt, Eine ganze Anzahl wichtiger Berufe, wie Landwirtschaft, Beamtenstand, Industrie waren ihnen teils gesetzlich verschlossen, teils durch die historische Entwicklung entfremdet. Es blieb einem Teil der Juden nichts weiter übrig, als sich den liberalen Berufen zuzuwenden, wenn sie ein Unterkommen finden wollten, da nicht alle sich dem Handelsstande widmen konnten oder wollten. Die Hinneigung zu den freien Berufen ist also gewissermaßen eine natürliche Folge ihrer eigenartigen beruflichen Gliederung. Dazu trat die Konzentration der Juden in den Städten und ihre durchschnittliche günstige soziale Lage als förderndes Moment. Beide Umstände bewirkten, daß der bei den Juden an sich vorhandene Drang nach Wissen, nach Erreichung eines hohen Bildungsgrades befriedigt werden konnte, sodaß die Juden in starkem Maße sich dem Studium zuwandten und damit in die freien Berufe hineinströmten. Die zweite Gruppe umfaßt die inneren Gründe, zu denen wir an erster Stelle den eben erwähnten im Juden von altersher schlummernden Trieb nach geistigen Gütern rechnen. Bei den Juden der alten Zeit hat das Studium des Talmud den Wissensdurst gestillt. Die Juden der Gegenwart haben mit dem gleichen Eifer die modernen Geisteswissenschaften in sich aufgenommen. Wissen zu erwerben, war den Juden von jeher ein Lebensideal, und jüdische Eltern haben selbst die schwersten Opfer nicht gescheut, um ihren Kindern eine möglichst gediegene Ausbildung angedeihen zu lassen. In dieser Beziehung gibt es keinen Unterschied zwischen armen und reichen, zwischen deutschen und ausländischen Juden. Das tägliche Leben zeigt uns ja oft genug, daß ein großer Teil der jüdischen Intelligenz gerade aus den sozial tief stehenden Schichten hervorgegangen ist. Mit diesem Streben nach Wissen ging Hand in Hand das Streben nach Anerkennung desselben, und da dem Juden die militärische Laufbahn völlig gesperrt ist, der Weg zu den öffentlichen Aemtern erschwert war, so wandten sie sich naturgemäß in starkem Maße den freien Berufen zu, in welchen sie bald eine hervorragende Stellung einnahmen. Die Berufsabteilung „0eigentlicher Dienst und freie Berufe" wird zerlegt in 8 Beruf sgruppen, die nebst den Berufsarten sowohl für die Gesamtbevölkerung, als auch für die Juden in folgender Tabelle (Seite 51 und 52) enthalten sind. Die erste Berufsgruppe enthält den Wehrstand, d. h. jene Personen, die in der Armee und Kriegsflotte tätig sind mit Unterscheidung in Offiziere und Beamte mit gleichstehendem Rang einerseits und Unteroffiziere und Gemeine andererseits. Ueber diese Berufs-

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