Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Die Juden in der russischen Armee
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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— 34 — sondern einzig und allein nur darauf, den Juden ihre Rechte zu schmälern. Denn man braucht ja nur die statistisch vorliegenden, von den Regierungen selbst publizierten Daten unvoreingenommen zu prüfen, um zuzugeben, daß die Juden ihrer Militärpflicht vollauf genügen. Dies ist auch ohne Zweifel den Führern der national-russischen Partei in der Duma bekannt, denen es aber nicht auf die nakte Wahrheit ankommt, sondern eher darauf, diese Wahrheit zu verdunkeln und das Judentum in der Meinung des russischen Volkes zu erniedrigen, um ihm dadurch seinen Kampf um dieGleichberechtigung zu erschweren.Unter solchen Umständen ist es fraglich, ob das schöne Buch1) von M. L. Ussow, dessen Titel auch unser Aufsatz trägt und der die betreffenden Fragen ausführlich auf etwa 250 Quartseiten behandelt, seinen Zweck erreichen wird, indem es doch unmöglich ist. den Nichthören wollenden etwas beizubringen. Und dennoch ist es nicht verlorene Mühe, die der Verfasser sich gemacht hat, da die von ihm festgestellten Tatsachen sich doch allmählich Bahn brechen und in die weiten Massen eindringen werden. Die künftigen Geschlechter werden jedenfalls mit Staunen schauen, mit welch lügenhaftem Material gegen die Juden gekämpft wurde. Der Hauptwert des Buches liegt m den tabellarischen Zusammenstellungen der Zahl der Wehrpflichtigen nach Nationalität, Diensttauglichkeit usw. während der letzten dreißig Jahre (1880 — 1909), nach den einzelnen Jahrgängen geordnet. Wir bringen hier nur die Schlusstabelle, die das gesamte Material für die erwähnte Periode umfaßt (Tabelle I). Es ist zu beachten, daß in der Tabelle außer dem Ansiedlungsrayon, wo den Juden der Aufenthalt unbedingt gestattet ist, nur noch das Gouvernement Kurland berücksichtigt worden ist, da es in mancher Beziehung den Charakter der „Tschertau trägt und eine starke Judenheit in der Höhe von 7,45 Prozent beherbergt. l) M. L. Ussow, Die juden in der Armee. Verlag „R&sum". St.-Petersburg, 1911. 84—174 S. 4ft. 3 Rubel, (russisch). Gehen wir nun zur Betrachtung der interessanten Tabelle über, so muß zuerst darauf hingewiesen werden, daß der Prozentsatz der männlichen Juden unter der Gesamtbevölkerung in Kolumne I demjenigen der Volkszählung des Jahres 1897 entspricht. Nun ist es kaum wahrscheinlich, daß dieses Verhältnis immer dasselbe geblieben ist, wobei aber zugegeben werden muß, daß es der Wahrheit nahe kommt, da die Biotik eines Volkes während einer so kurzen Spanne Zeit sich kaum in auffallender Weise ändern kann. Jedenfalls muß aber in Betracht gezogen werden, daß der Prozentsatz der Juden in den letzten Jahren eher abals zugenommen hat, da deren Auswanderung immerhin eine nennenswerte Quote bildet, sowie andererseits die Leh ren desNeomalthusianismus schon seit Jahren Eingang in die jüdische Familie gefunden und zur Beschränkung der Kinderzahl geführt haben. Nehmen wir aber den Prozentsatz der männlichen jüdischen Bevölkerung mit 11,15 als der Wirklichkeit mehr oder weniger entsprechend an, so führt schon die Betrachtung des folgenden Abschnittes der Tabelle zu einem auffallenden Ergebnis, indem die Zahl der Wehrpflichtigen Juden, d.h. derjenigen, die in ihrem 21. Lebensjahre stehen, im Mittel mit 13,22 um 2 Prozent höher ist, als ihr Anteil an der Bevölkerung ausmacht. Nach den einzelnen Jahrgängen betrachtet, bleibt der Prozentsatz der wehrpflichtigen Juden immer höher als das normale Verhältnis und steigt sogar nicht selten bis auf 15 an. Dieselben Verhältnisse, aber noch krasser ausgesprochen, sehen wir im folgenden Abschnitte der Tabelle, die die Zahl der Konskripten angibt, die aus der Gesamtzahl der Wehrpflichtigen zum wirklichen Militärdienst ausgehoben werden sollten. Hier beträgt der Prozentsatz der Juden im Mittel sogar 14,29, also um 3 Einheiten mehr als ihrem Prozentsatze an der Gesamtbevölkerung entspricht. Nun ist aber die Annahme einer andersartigen Altersgliederung der russisch-jüdischen Bevölkerung nach den vorliegenden statig-