Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 33 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2650397-3187717-3187721--3354-3192434- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WlßrtanindSiljcrJfti Erscheint monatlich. — Abonnementspreis — für das ganz e Jahr 6,—M. für das halbe Jahr 3,50 M. =a s= =S Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden Berlin C. 2, An der Spandaiierbrücke 15. m Zu beziehen durch das Bureau für Statistik der Juden, Berlin C. 2, An der Spandauerbrücke 15. =S) 0= :© Begründet von Dr. Arthur Ruppin. — Redigiert von Dr. Bruno Blau. 8. Jahrgang. März 1912. Heft No. 3 INHALT: (Die nicht von den Verfassern gezeichneten Artikel sind Arbeiten des Bureaus für Statistik der Juden.) I. Abhandlungen. Dr. S. Weißenberg, Elisabethgrad: Die Juden in der russischen Armee. Dr. Max Rosenfeld, Drohobycz: Die jüdische Auswanderung aus Oesterreich nach Amerika in den Jahren 1900—1909. — Dr. Rudolf Wassermann, München: Neomalthusianismus und Judenfrage. H. Statistisches Archiv. Anteil der Juden an städtischen Wohltätigkeitsanstalten in Berlin. — Die Zahl der Juden in New-York. — Die jüdische Auswanderung im Jahre 1911. — Der jüdische Nationalfonds im Jahre 1911. Iii. Literatur. Philippson, Martin: Neueste Geschichte des jüdischen Volkes. Band III. — Philipps 0 n , Ludwig: Gesammelte Abhandlungen. Nachdruck der Abhandlungen ist nur mit besonderer Genehmigung, des übrigen Inhalts nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die Juden in der rassischen Armee. Von Dr. S. Weisse Unter den vielen antisemitischen Lügen nahm seit jeher und überall diejenige die erste Stelle ein, die behauptet, daß die Juden ihrer Militärpflicht nicht genügen wollen und zu allen nur erdenklichen Mitteln ihre Zuflucht nehmen, um diesem für alle Bürger obligatorischen Dienst zu entgehen. Wie bei allem, was die Juden anbelangt, so wird auch hier die Schuld des Einzelnen auf die Gesamtheit gewälzt und der Umstand außer acht gelassen, daß der Einzelne von der jüdischen Gesamtheit nicht gezwungen werden kann, sich freiwillig den verschiedenen Schikanierungen zu unterziehen, die sich der Jude als Soldat auch in den sich kulturell hochwähnenden Staaten nicht selten gefallen lassen muß. Außer den rein persönlichen Angriffen, zu denen der Name, die Nase, die Aussprache und dgl. Verbrechen des jüdischen nberg, Elisabethgrad. Soldaten allzuhäufig Veranlassung geben, ist es besonders die vollständig« Mißachtung seines religiösen und nationalen Gefühls, die dem Juden den Aufenthalt in der Kaserne verekeln, und anstatt Verbesserungen in dieser Beziehung zu treffen, wird das Judentum mit unverdienten Beschuldigungen überhäuft. So stand die Frage auch vor etwa fünfzig Jahren in Deutschland und jetzt ist sie ganz aktuell in Russland. Und dort wie hier wird die Frage über die Ausübung der Militärpflicht seitens der Juden mit der Frage ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung verknüpft, indem einzelne politische Parteien die letztere von der gewissenhaften Erfüllung der ersteren abhängig machen wollen. Aber auch hier wie dort gewinnt man bei näherer Einsicht den Eindruck, dass es den betreffenden Parteien gar nicht auf die Militärpflicht ankommt,