Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung Galiziens nach der letzten Volkszählung von 1910
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 — in Proz. von 20 Proz. in absteigender Linie bis 2 Proz., wobei der Zuwachs bezw. Verlust seit dem Jahre 1900 gleichfalls in Proz. verzeichnet ist. In dieser Tabelle I finden wir alle Bezirke mit Ausnahme von Lemberg, welches im Jahre 1900 27,7 Proz. im Jahre 1910 sogar 27,8, und Krakau, welches im Jahre 1000 21,5 Proz., im Jahre 1910 21,3 Proz. Juden aufzuweisen hatte. Aus den Ziffern ergibt sich ein sehr trauriges Bild. Die jüdische Bevölkerung ist in 56 Bezirken zurückgegangen (11 in Westgalizien und 45 in Ostgalizien) und zwar bis 2 Proz. in manchen Bezirken der jüdischen Massensiedlung, so in Brodyi Tarnopol, Husiatvn, Bohorodczany, Grodek, Kalusz, Przemyslany, Kossow. Ein Zuwachs ist nur in Turka (-f 2,6 Proz.), Neumarkt (-f- 1 Proz.), Drohobycz (-f- 0,8 Proz.), Tarnow (-f 1,1 Proz.) Lemberg Umgebung (-f Ofi Proz.) Dobromil (+ 0,7 Proz.) zu verzeichnen, da in diesen Bezirken entweder Handel und Indutrie (Drohobycz und Turka) gestiegen sind- Wenn wir nun die Bilanz ziehen wollen, j müßten wir noch den Ueberschuß der Bevölkerung kennen. Vorerst ist die natürliche Bewegung, d. i. das Verhältnis der Lebendgeborenen zu den Sterbefällen an Ziffern zu demonstrieren, ferner das Verhältnis der Auszur Einwanderung. Das erste Verhältnis ist bekanntlich leicht ziffernmäßig festzustellen. Für Galizien haben wir Zahlen nur von den Jahren 1901, 1902, 1904 und 1907 (Tabelle II), doch kann man sich davon ein Bild machen. Tab IL Lebend gebor. Gestorben ücberschuß jähr Gesamt bevölk. 5 ohne "§ Juden Gesamt bevölk. g ohne Jj^ juden Gesamt! bevölk.! g ohne 3 Juden 1901 1902 1904 1907 2911(31 31179 295994 31205 292552 30475 291913 29499 172285' 15069 198911! 16301 187070115094 182448114169 118876 16110 102083 14844 105482:15381 109465'15330 in den Jahren 1901, 1902, 1904, 1907 zusammen Ueberschuß aller Konfessionen 497571, Juden 61665. Die Tabelle III zeigt schließlich die Bilanz, welche die Autoren der genannten Publikation zusammengestellt haben. Tab. III. Konfession Naturl. Zuwachs von 190M910 Taktischer Zuwachs 1901-1910 — Römisch-Katholisch 544749 389365 - 155384 Griechisch- „ 493810 269479 - 224331 Jüdisch 147636 61792 - 85844 Evangelisch 6683 - 8090 - 14773 Andre Konfessionen 1596 901 -f 2498 1191282 713448 -477834 Daraus ist zu entnehmen, daß der absolute Verlust Galizien s 477834 Seelen beträgt, während die K. K. Statistische Zentral- Kommission in Wien den Verlust auf 485 095 berechnet (Statistische Monatsschrift, 19 LI, April-Heft, S. 233). Die Auswanderung ist somit noch immer eine Riesenzahl in der Bevölkerungsbiianz, insbesondere bei den Juden, die massenweise und für immer die Grenzen des Landes verlassen. Die Zahlen betreffend die Auswanderung finden wir nicht in der genannten offiziellen Publikation, weil sie in den Volks - zählungsbogen nicht vorkommen. Wir finden sie jedoch in der trefflichen Abhandlung des Dr. v. Englisch im Juniheft der Statistischen Monatsschrift von 1911 über „die Lehren der amerikanischen Einwanderungsstatistik". Die allgemeinen Ziffern lauten 1900/1 13006 1901/2 12843 .1902/3 18 759 1903/4 20 211 1904/5 17 352 1905/6 14884 1906/7 18885 1907/8 15 292 1908/9 8 731 Zusammen 139669 Darin sind sämtliche Juden aus ganz Oesterreich-Ungarn enthalten, doch kann man ruhig diese Zahlen nur für Galizien und die Bukowina annehmen, da diese beiden Länder das eigentliche Aus Wanderungskontingent stellen.