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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 191

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Die jüdische Irrenstatistik
Date
1908-12-01
Page
Seite 191 (sequence 1)
Language
German
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— 191 - Zur jüdifchen Jrrenffaflstik* Wie recht der unterzeichnete Referent mit seiner inJSöC'ö dieses Jahrgangs ausgesprochenen Vermutung hatte, daß des alte Axiom von der größeren Ausbreitung der Geisteskrankheiten bei den Juden durch eingehende Statistik vielleicht erschüttert werde, geht aus einem Aufsatz von Max Sichel hervor. („Die Geistesstörungen bei den Juden". Die Umschau, 1908, Mo. 26. Eingehender im Neurologischen Centraiblatt '1908, Noe 8), ,;im Gegensatz zu den landläufigen Anschauungen ergab unsre Untersuchung das merkwürdige Resultat, daß die luden im großen und ganzen eine ihrer Bevöikerungsmenge entsprechende Anzahl von Geisteskranken stellen." Das Material wurde freilich hier nicht, wie es Referent anregte, nach Altersklassen, sondern nach einzelnen Krankheitsformen unterschieden, und in dieser Beziehung konnten in Bezug auf die Häufigkeit der einzelnen Formen weitgehende Unterschiede beobachtet werden. Während die Beteiligung an den „zirkulär" verlaufenden Krank' heiten, an Hysterie, an angeborenem Schwachsinn, an Jugendärrsinn und an Altersschwachsinn sehr hoch war, erwies sie sich bei Epilepsie und bei den alkoholischen Psychosen als weit hinter der übrigen Bevölkerung zurückbleibend. Allerdings ist unsre „Anpassung an die allgemeinen Trinksitten" so weit gediehen, daß immerhin „in den letzten 10 Jahren etwa ein Dutzend alkoholkranke Juden in der Frankfurter Irrenanstalt zur Aufnahme kamen" (Kollege H o p p e - Königsberg wird hierin eine Bestätigung seiner Befürchtungen finden). Jedoch kommt die geringere Beteiligung an den alkoholischen Psychosen auch in einer geringeren Kriminalität der jüdischen Geisteskranken zum Ausdruck» Verfasser vermutet mit Recht, es werde befremden, daß, aller bisherigen -Annahme zum Trotz, die Juden prozentual kein höheres Kontingent zu den Geisteskranken stellen als ihre Umgebung, und er spricht die Meinung aus, daß die bisherigen, in dieser Beziehung herrschenden Anschauungen aus der häufigeren Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe und speziell von Autoritäten zu erklären seien. Möge der dankenswerten Arbeit bald eine mit Erfolg die Frage entscheidende Bearbeitung des Irrenmaterials nach Altersklassen folgen! Dr. D r e yf u ß , stellvertr. Bezirksarzt, Kaiserslautern. Nach dem Jahresbericht« der Jeroish Colonization Rffoziation für 1907 haben die landwirtschaftlichen Unternehmungen der genannten Gesellschaft einen derartigen Aufschwung genommen, daß der Präsident Narcisse Leven in seiner Ansprache an die Teilnehmer der Generalversammlung sagen durfte: „Die Ruckkehr der Juden zur Landwirtschaft ist ein junges Problem, Sie haben Eigenschaften mitgebracht, die man ihnen nicht hat nehmen können: Intelligenz, Arbeitsliebe, Ausdauer. Gegenwärtig sind sie gute Landwirte. Es hat genügt, ihnen Acker und Arbeitswerkzeuge zu liefern, um sie zum Erfolg zu führen — nach den Erfahrungen eines Vierteljahrhunderts eine feststehende Tatsache. * Die größte Aufmerksamkeit der Gesellschaft giit von jeher der Ansiedlung in Argentinien, dessen Kolonien sich fortdauernd ausdehnen und zusehends innerlich festigen, im Berichtsjahre ist die Bevölkerung von 11974 auf 13212 gestiegen, die Saatfläche hat sich von 58400 auf 64000 Hektar erweitert, der Viehstand von 104000 auf 142000 Stück vermehrt. Nachstehende Tabelle gewährt ein Bild vom Bevölkerungsstande der argentinischen Kolonien am 31. Dezember 1907 : BMMKanMIf'.WIIWil I M'l IIH IIIIII I iBMBBBMBBBBWEaaBgBaBBMggMIIIfllll IM' WM—M11 I II IM M I IUI .IIIIII.....Hill IMIIIIIIIHIII..... Es zählten die Kolonien konzessionier. Kolonisten Kolonisten- Familien Seelen Eingewanderte Familien Seelen über c V B iL. haupt e <L> ÜJ <u v> Moiseville . . . 356 467 2642 88 645 555 3287 Mauricio .... 200 270 1384 190 934 460 2318 449 542 3000 146 810 688 3810 San. Antonio . . 116 132 794 1 10 133 804 Lucienville . . : 223 305 1716 117 645 422 2361 Baron de Hirsch 104 114 611 4 21 118 632 [ Zusammen |l448jl830|l0147| 546 |3065|2376| 13212 Bemerkenswert ist, daß die Kolonisten überall Korporativgenossens chatten gebildet haben, welche als Grundlagen für eine immer mehr zu vervollkommnende Selbstverwaltung dienen sollen. Das Ernteergebnis des letzten Jahres war befriedigend. Der Gesamtertrag der Winterkulturen belief sich auf 436926 Zentner, die einem approximativen Wert von 4800000 Franks gleichkommen, ihre Verpflichtungen gegen die J. C* A. erfüllen die Kolonisten ohne sonderliche Mühe. Sie haben am 30. April 1907 122000 Franks mehr Annuitäten als ein Jahr zuvor zurückgezahlt. In den jüdischen Kolonien Argentiniens bestehen 31 Schulen, deren Subsistenzmittel die Kolonisten noch nicht aufbringen können. Bisher hat die j. C. A. allein die Kosten getragen. Im vergangenen jähre begannen auch die Provinzialregierungen zu den Schullasten beizusteuern. Die Schulen werden von 1095 Knaben und 914 Mädchen, insgesamt also von 2009 Kindern besucht, für deren Unterricht 75 Lehrer sorgen. Weniger erfreulich sind die Zustände in der brasilianischen Kolonie Philippson, wo seit zwei Jahren große Trockenheit herrscht. Die Kolonie wird von 42 Familien mit 272 Personen bewohnt. Außerdem sind 97 männliche und 72 ebenso tüchtige weibliche Feldarbeiter beschäftigt. Die Fortschritte der nordamerikanischen Kolonien sind zufriedenstellend. Die jüngste Industriekrise war nicht ohne Einfluß auf die Verbreitung des landwirtschaftlichen Berufs unter den eingewanderten Juden. Besonders günstig entwickeln sich die palästinensischen Kolonien, über die sich Narcisse Leven folgendermaßen äußern konnte : „In den Kolonien von Palästina ist der wirtschaftliche und moralische Fortschritt; der schon im vorigen Jahre konstatiert werden konnte, noch deutlicher hervorgetreten. Seit zwei oder drei jähren ist die Ernte gut

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