Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Die Fruchtbarkeit in Mischehen
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
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—" 176 — Die geringere Fruchtbarkeit der christlich-jüdischen Mischehen führt Wieth-Knudsen mit de Lapouge (Theorie d'infeondite par defaut d'accomodation resipropue) auf die Rassenverschiede^heit und zwar hauptsächlich auf die durch dieselbe bedingten psychologischen Momente zurück; der Verfasser ist der Ansicht, daß in Mischehen die psychologische Einheitlichkeit fehle und das Famiiiengefühl, die Freude an einer zahlreichen Nachkommenschaft, abgeschwächt sei. Durch die Verschiedenheit der Alters- und Wohlstandsverhältnisse sei die geringe Fruchtbarkeit der christlich-jüdischen Mischehen nicht zu erklären, da diese Verhältnisse in den evangelisch-katholischen Mischehen und in den rein jüdischen Ehen sich von denen in den christlich-jüdischen Mischehen kaum erheblich unterscheiden, und zwar zu Ungunsten von deren Fruchtbarkeit. Literatur. Joseph, Max. Das Judentum am Scheidewege« Berlin. M. Poppelauer. 1908, X -f158 Seiten. Preis 3 Mark. „Ein Wort zur Schicksalsfrage an die Starken und Edlen des jüdischen Volkes" lautet der Untertitel des Buches, welches einen jungen Rabbiner zum Verfasser hat. Was Joseph bezweckt, das sagt er in dem Vor* v/ort zu seinem Buche: dem Zionismus will er das Wort reden, einen neuen Weg zur Fundamentierung des Zionismus will er zeigen. Vor allem dem ^offiziellen Juden' tum" will er beweisen, daß der „nationalzionistische Gedanke die condicio sine qua non für die Erhaltung und Zukunft des Judentums ist." Der Verfasser behandelt in besonderen Kapiteln die logische und reale Unhaltbarkeit eines entnationalisierten Judentums, das Missionsideal der neueren Rabbiner, den nationalen Charakter des Judentums, die jüdische Religion als Schöpfung des nationalen Lebenswillens, Israel als Volk der Religion, den Zionismus als Lösung des judischen Problems sowie die Philosophie der jüdischen Geschichte, um sich dann in einem Anhange an die Verfechter einer restlosen Assimilation zu wenden Wie schon diese Inhaltsübersicht erkennen läßt, legt Joseph besonderen Wert darauf, das religiöse Moment im Judentum zu dem nationalen in Beziehung zu setzen, und er gelangt zu dem Ergebnis, daß das religiöse Judentum ganz und gar auf dem nationalen Leben der Juden beruhe, in ihm Ursprung und Voraussetzung habe. Die Ausführungsn Josephs werden voraussichtlich den schärfsten Widerspruch weiter Kreise hervorrufen, zumal Joseph sich nicht auf eine Grundlegung der zionistischen Idee beschränkt, sondern mit rücksichtsloser Offenheit die gegenwärtigen Zustände kritisch beleuchtet. Ob der Verfasser das Ziel, welches er sich mit dem Buche gesteckt hat, erreichen wird, kann an dieser Stelle dahingestellt bleiben. Jedenfalls wird kein Leser das mit ehrlicher Begeisterung in markiger Sprache und mit ungemein scharfer Dialektik geschriebene Buch aus der Hand legen, ohne daß es bei ihm einen starken Eindruck hinterlassen und ihn zur Beschäftigung mit den darin berührten Problemen angeregt hätte. B. B. Krenberger, S. Der Zionismus mm heute. Brünn, jüdischer Buch- und Kunstverlag, 1908. Direktor Dr. Krenberger bespricht in einer kleinen Broschüre die heutige Lage des Zionismus. Er handelt von dem Prinzipiellen, von der Organisation, der Agitation und der innerpolitischen Betätigung, um schließlich Vorschläge für die zionistische Arbeit zu machen. Das Büchlein befaßt sich ausschließlich mit internen Parteiangelegenheiten, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der österreichischen Verhältnisse. Es ist wohl auch nur für Angehörige der zionistischen Partei bestimmt. B. B. Coblenz, F. Jüdische Religion« Leipzig, Quelle &> Meyer, 1908. — Preis geh Mk. 1, geb. Mk. 1,25. Das Buch des Bielefelder Rabbiners ist von seinem Verfasser als „Lehrbuch" bezeichnet und für die Oberklasse der Volks- und Religionsschulen sowie für die Unter- und Mittelklassen der höheren Lehranstalten bestimmt Dem Buche wäre jedoch eine über diese Zweckbestimmung hinausgehende weitere Verbreitung zu wünschen. Denn es ist nicht nur geeignet zur Einführung von Nichtjuden in die Lehren der jüdischen Religion, sondern wegen der vielen in den Text eingeflochtenen Bibelstellen auch als Lektüre für diejenigen jüdischen Männer und namentlich Frauen, welche mit dem jüdischen Schrifttum weniger vertraut sind. B. B. Bettex, Fr. Mus Israels Geschichte. Striegau, Theodor Urban, 1908- — Preis Mk. 1.50. Das Buch ist, wie aus dem Vorworte hervorgeht, nur für christliche Leser bestimmt Es enthält in Andachtsform mehrere Darstellungen aus der biblischen Geschichte und verfolgt den Zweck, das christliche Publikum zu eifrigerem Studium des alten Testaments anzuregen. Mit diesem Bestreben kann man sich nur durchaus einverstanden, erklären. Im Uebrigen kann an dieser Stelle auf den Inhalt des Buches nicht näher eingegangen werden. B. ß. Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin. — Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Beriin C. 2, neue rriedrichstra8e 61—63. — Druck von E. Grüner, Bernau.