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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 173

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Kritische und ergänzende Bemerkungen zur neuen Literatur über die Kriminalität der Juden
Date
1908-11-01
Page
Seite 173 (sequence 2)
Language
German
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— 173 — im wesentlichen sieh nicht von der Kriminalität unterscheide, die nach ihrer sozialen Zusammensetzung erwartet werden müsse. Dieser letztere Umstand ist von der Kritik vielfach so aufgefaßt worden^ als ob ich die Kriminalität der Juden als allein durch soziale Verhältnisse verursacht hingestellt hätte. Das muß ich ganz entschieden bestreiten, Man vergleiche nur die Formulierung auf Seite 40 meiner Schrift und wenn ich mich auf Seite 92 in dem Wunsch, meine Ansicht möglichst zu präzisieren, vielleicht einer leichten Übertreibung schuldig gemacht habe, so habe ich doch sofort an der gleichen Stelle meinen Fehler wieder gut gemacht, indem ich erklärte, der Einfluß der sozialen Verhältnisse sei so zu verstehen, „daß durch das Walten ökonomischer Faktoren eine größere oder geringere Wahrscheinlichkeit . . . . für den Einzelnen bestehe, Verbrecher zu werden." Damit wird die Frage Blaus an mich, die sonst, wie ich gern zugebe, berechtigt wäre, ob nicht die eigentümlichen sozialen Verhältnisse der Juden auch wieder zum guten Teil auf ihren Kassenverhältnissen beruhten, so daß also in den sozialen Verhältnissen doch wieder die Rassenverhältnisse zum Ausdruck gelangten, für mich gegenstandslos. Ich habe nie das Gregenteil behauptet und die Erklärung der sozialen Zusammensetzung der Juden, die teilweise auf historische, teilweise anthropologische Gründe zurückzuführen sein dürfte, ist eine Aufgabe, die nicht in erster Linie der Kriminalist und Nationalökonom, sondern in weit höherem Maße der Vertreter der Rassenbiologie zu lösen berufen ist. — Während zu der Zeit, als ich meine Studie abfaßte, über die Kriminalität der Juden in Österreich so gut wie nichts vorhanden war, herrscht jetzt auf diesem Gebiet ein wahrer embarras de riehesse. Meine Bearbeitung hat H ö g e 1 Anlaß gegeben, sich mit dem genannten Problem zu beschäftigen, und bald folgten auch Herz und das Büreau, die im Grossen und Ganzen zu denselben Ergebnissen gelangten, wie ich in meiner genannten Schrift, was ich wohl als Beweis für die Richtigkeit der dort von mir aufgestellten Behauptungen auffassen darf. Außerordentlich bedauerlich ist es, daß wir nicht wissen, wie die Kriminalität der Juden in den einzelnen Kronländern sich gliedert. Mit der Verbrechenszahl allein ist fast gar nichts gedient. Aus ihr läßt sich nur das eine ersehen, daß mit der Wanderbewegung von Osten nach Westen auch die Kriminalität gezogen ist, wiewohl sie nicht gleichen Schritt gehalten hat. Dies ist aus nachfolgender Tabelle zu erkennen, die ich nach Angaben von Herz und der Veröffentlichung des Büreaus entworfen habe. Auffällig ist nur die Kriminalität Mährens. Auf der einen Seite Abnahme der jüdischen Bevölkerung, auf der anderen Seite Zunahme der von Juden begangenen Verbrechen. Mähren ist also keineswegs, wie Herz behauptet, ein Zuwanderungsland, im Gegenteil es ist ein typisches Abwanderungsland, und doch Zunahme der Verbrechen! Woher kommt dies? Wir vermögen im Augenblick nicht festzustellen, ob die galizischen Zuwanderungen nach den Kohlendistrikten von Belang gewesen sind. Aber zweiffellos scheint die starke nationale Bewegung unter den Slaven Mährens, welche die ökonomische Stellung der Juden, die sich als Stütze des Deutschtums erwiesen haben, untergraben hat, mit dazu beigetragen zu haben. Hierzu kam auch noch (vgl. Haas, die Juden in Mähren (4. Jahrgang dieser Zeitschrift, Seite 40) der allgemeine Niedergang der kleinen Handelsstädte, welcher vielen jüdischen Familien die Erwerbsmöglichkeit entzog. — Die Schriften Wulffens und Schnapper- Ar n d t s enthalten nur wenig über die Kriminalität der Juden. Allein sie müßten, auch wenn sie gar kein Material zur jüdischen Statistik aufzuweisen hätten, hier Erwähnung finden, weil sie sich als ungemein wertvolle Kompendien allgemeiner Natur darstellen, ohne deren Benutzung Spezialarbeiten undenkbar erscheinen, und nicht nachdrücklich genug

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