Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-3187703-3187714-3192136--1886-3192163- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 151 — in höhere Schichten, da die hemmende Masse der Erwerbsunfähigen bei ihnen relativ am kleinsten ist Zieht man diese Geschlechts- Verteilung der Altersstufen in Rechnung, so wird die Abweichung der Juden in der Alterssterblichkeit noch größer, das Vorwiegen des „Frauentypus" in der Altersgliederung der Sterblichkeit um so wunderbarer. Tabelle XIV. Auf 1000 gestorbene Männer kamen Frauen Katholiken Juden 0-15 923 825 15-50 866 778 über 50 1050 799 Also trotz des starken Frauenüberschusses bei den lebenden Katholiken ein starkes Vorwiegen der Männer grade in der Sterblichkeit des mittleren Lebensalters! Bei den Juden hingegen gehen die Geschlechtsverhältnisse der Toten und Lebenden nahezu parallel. Der gewaltige Männerverlust der Nichtjuden tritt nirgends besser hervor als bei dieser Zusammenstellung. Alle diese Abweichungen der Juden in der Sterblichkeit drängen schließlich auf die Frage nach der spezifischen Alterssterblichkeit. Diese erhält man, wenn man die Gestorbenen eines bestimmten Lebensalters mit der Anzahl der Lebenden dieser Altersklasse vergleicht. Wir können hier diesen Vergleich nur für das Jahr 1901 durchführen, da nur für dieses Jahr die Altersgliederung der Budapester Bevölkerung durch die Volkszählung ermittelt ist. Wenn demnach auch für dieses eine Jahr Zufallsschwankungen in Betracht kommen mögen, so sind die Zahlen doch hinreichend groß, um ein richtiges Bild zu geben. Die Frage lautet also: Wieviele von 1000 Personen eines bestimmten Lebensalters starben bei Juden und Nichtjuden? Die folgende Tabelle gibt die Antwort auf diese Frage. (Tabelle XV). Konstruiert man nach dieser Tabelle die Kurven (was wir hier der Raumersparnis halber unterlassen), so zeigt sich wieder, daß die beiden Kurven der Juden (Männer und Tabelle XV. Katholiken Juden männlich weiblich männlich weiblich 0-5 5—10 10—15 15—20 20—30 30-40 40—50 50—60 60—70 70-80 über 80 86,9 7,8 2,6 4,2 8,4 14,1 23,7 36,8 62,9 114,9 010 1 UJL^ii. 76,7 6,3 2,9 4,5 8,3 10,6 14,1 19,6 41,4 91,6 155.9 38,5 36,4 3,9 4,6 3,0 2,0 3,0 2,6 5,2 4,4 7,1 5,6 12,9 10,2 24,7 20,3 41,9 34,9 104,7 67,3 It/GjO 182,8 Frauen) ganz nahe aneinander liegen, während die Kurven der Katholiken erheblich differieren. Für jedes Alter gilt weiter das Gesetz, daß die Sterblichkeit der Juden bedeutend hinter der der Nichtjuden zurückbleibt. Ganz besonders gilt das für die Kindersterblichkeit. 3. Die Kindersterblichkeit. Die erstaunlieh geringe Kindersterblichkeit der Juden ist eine bekannte Erscheinung. Sie hat sich überall da nachweisen lassen, wo man sie statistisch untersuchen kann. Bei der gewaltigen Bedeutung der Kindersterblichkeit für die gesamte Mortalität kann man sie als die wichtigste und sozial weittragendste Eigentümlichkeit der jüdischen Mortalität ansprechen. Geringe Kindersterblichkeit kann auf zwei Ursachen zurückgehen. Zunächst auf geringe Kinderzahl. Wo wenige Kinder geboren werden, sterben auch weniger, hauptsächlich, weil die elterliche Fürsorge einer kleinen Kinderzahl in höherem Masse zuteil werden kann. Dann aber kann auch bei grosser Kinderzahl eine geringe Sterblichkeit sich zeigen, wenn die Lebenszähigkeit der Kinder grösser ist, wenn die sozialen Bedingungen günstig sind und die Grundsätze zweckmässiger Hygiene befolgt werden. Sehen wir zu, welcher dieser Fälle für die Juden Budapests gilt.