Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- Jüdische Krankenhäuser in Rußland
- Date
- 1908-09-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2650397-3187703-3187713-3192072--1845-3192117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
— 140 — Kreisstädte, sondern auch einige kleinere Städtchen ihre jüdischen Krankenhäuser besitzen; welche Erscheinung wohl auch mit der im Allgemeinen größeren Wohlhabenheit dieser Gebiete in Beziehung steht. Daß die Großstädte die größten Krankenhäuser aufweisen, ist eigentlich selbstverständlich, denn die jüdische Bevölkerung ist in den Großstädten nicht nur zahlreicher, sondern auch materiell besser begütert. Aber ein Zusammenhang zwischen Konzentration der jüdischen Bevölkerung und der Bettenzahl läßt sich nicht feststeilen, denn wenn auch Taurien und Tschernigow zu den Gouvernements mit verhältnismäßig geringer Konzentration, (13,6% resp. 26,2 % der jüdischen Bevölkerung in den Städten gehören, so nehmen Eadom und Sedlez in dieser Beziehung die oberste Stelle ein, 50,6 resp. 53,7. Auch die Zahl der Betten in einem Krankenhause schwankt ungeheuer, nämlich von 2 bis 440. Die größte Bettenzahl weisen auf: Warschau 440, Odessa 250 (jetzt 350), Kiew 190, Wilna 125, Jekaterinoslaw und Lublin je 100. Kiew mit nur 31801 jüdischen Einwohnern zeigt also die niedrigste Verhältniszahl, ein Bett schon auf 167 Seelen. Die jüdischen Krankenhäuser werden ohne Ausnahme aus privaten Mitteln der jüdischen Gemeinden oder wohltätiger Vereine unterhalten und bilden in dieser Beziehung 14,87 % aller ähnlichen Krankenanstalten in Rußland. Vom Staate oder der städtischen Verwaltung bekommen die jüdischen Krankenhäuser nur selten und dann in unzureichender Weise eine Unterstützung, obgleich sie der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stehen. Wir sehen also auch hier, wie im gesamten Leben der russischen Juden eine doppelte Last auf diese gebürdet, indem sie erstens als Bürger zur Unterhaltung der allgemeinen Wohlfahrtseinrichtungen beisteuern und zweitens ganz und gar die Kosten ihrer eigenen Anstalten, die sie aus verschiedenen, hier nicht näher zu besprechenden Gründen einrichten müssen, tragen. Die großen Anstrengungen, die die russischen Juden zur Unterhaltung der Anstalten für körperliche Wohlfahrt machen, können nur mit denen verglichen werden, die zur Pflege der geistigen Wohlfahrt in der Errichtung und Unterhaltung der vielen Privat- und Gemeindeschulen ihren Ausfluß gefunden haben. Beides hat dazu geführt, die russischen Juden auf ein gewisses kulturelles Niveau zu erheben, dessen Höhe von der übrigen Bevölkerung noch lange nicht erreicht sein wird, was ihnen zur besonderen Ehre gereichen und sie anspornen muß, der rationellen Pflege des Geistes und des Körpers noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bis jetzt. Die Juden auf den preußischen Universitäten im Jahre 1905/06. Von Dr. jur. Bruno Blau, Rechtsanwalt in Berlin. Der 204. Band der Preußischen Statistik beschäftigt sich wiederum mit dem Universitätswesen. Auf Grund der hier enthaltenen Angaben soll der im 1. Jahrgange. Heft 9, Seite 12 ff. dieser Zeitschrift erschienene Aufsatz Ruppins ergänzt werden. Im Durchschnitt des Sommersemesters 1905 und des Wintersemesters 1905/06 studierten auf den preußischen Universitäten im Ganzen 18 667 reichsinländische Personen. Davon waren evangelisch 12069, katholisch 5194, jüdisch 1301. Unter 100 reichsinländischen Studenten waren evangelisch 64,65, katholisch 27,82, jüdisch 6,97. Auf je 10000 männliche Bewohner des betreffenden Bekenntnisses kamen Studenten bei den Evangelischen 8,31 Katholiken 7,38 Juden 58,73 Sonstigen_8,30 überhaupt 8,95 Diese Zahlen zeigen wieder den außerordentlich großen Anteil, den die Juden am Uni- »?> v>?5 » 55