Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- Jüdische Krankenhäuser in Rußland
- Date
- 1908-09-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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- Radom 2× ep/1000823
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138 — Zahlen auch für ein weiteres Publikum von Interesse sein könnten, bringe ich hier seine von mir etwas korrigierte Haupttabelle und füge ihr zum besseren Verständnis für die in die russischen Verhältnisse weniger Eingeweihten einige ergänzende Bemerkungen hinzu. Die Gesamtzahl der Krankenhäuser in Rußland beträgt 6895 mit 167543 Betten, darunter sind 130 Krankenhäuser mit 3890 jüdischen Betten. Das Verhältnis der jüdischen Krankenhäuser zur Gesamtzahl derselben beträgt etwa 1,88% und dasjenige der Bettenzahl 2,38%, welcher Prozentsatz im Vergleich zum Prozentsatz der Juden im russischen Reiche, der nach der Zählung von 1897 gleich 4,2 ist, als sehr niedrig erscheint. Ein ganz anderes Bild gewinnen wir aber, wenn wir diejenigen Orte berücksichtigen, in denen sich jüdische Krankenhäuser befinden. Von den 25 in der Tabelle angeführten Gouvernements gehört nur das Don'sehe Gebiet zu dem Bereiche, der außerhalb des Ansiedlungsrayons der Juden, im weiteren Sinne genommen, liegt. In Sibirien, im Kaukasus und im ganzen Osten des europäischen Rußlandes ist kein einziges jüdisches Krankenhaus vorhanden, was wohl damit im Zusammenhang steht, daß die jüdische Bevölkerung in jenen Gebieten meistens weniger als 1% der Gesamtbevölkerung ausmacht und deshalb weder die Notwendigkeit empfindet noch die materiellen Mittel besitzt, um ein eigenes Krankenhaus zu gründen und zu unterhalten. Von den Gouvernements, die eine starke jüdische Bevölkerung zählen und dennoch kein jüdisches Krankenhaus haben, sind zu nennen Kelce mit einer 10,82% starken jüdischen Bevölkerung, Kurland (7,33%) und Lhland (2,24 %). Zieht man diese Gebiete, die im Ganzen eine jüdische Bevölkerung von etwa 350000 Seelen zählen, ab, so haben wir im verhältnismäßig engen Bezirk der 25 Gouvernements nach der Tabelle 4890166 Juden mit 3890 Betten, was 1257 Personen auf das Bett ausmacht. Diese Zahl ist den Juden günstig, denn im gesamten Reiche kommt ein Bett auf 1630 und und im europäischen Rußland aui 1440 Einwohner. Dieses, vorteilhafte Verhältnis würde noch bedeutend günstiger sein bei Abzug der jüdischen Betten von deren Gesamtzahl. Ab ei nicht nur in der Mittelzahl, sondern auch in den einzelnen Gouvernements stellt sich das Verhältnis bei den Juden günstiger als bei der übrigen Bevölkerung; denn von den 25 Gouvernements, in denen jüdische Krankenhäusen sich befinden, ist nur in fünf (Mohilew, Tschernigow, Taurien, Radom und Sedlez) das Verhältnis der Bettanzahl bei der Gesamtbevölkerung ein günstigeres als bei den Juden. Im Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung bildet weder die Zahl der Krankenhäuser noch die der Betten in derselben eine konstante Größe, indem beide in sehr weiten Grenzen schwanken. An den Pulen befinden sich: nach der Zahl der Krankenhäuser einerseits Wolhynien mit einem Krankenhaus auf je 17294 jüdische Einwohner und andererseits Radom mit einem jüdischen Krankenhaus auf je 113277 Juden; nach der Bettenzahl einerseits Jekaterinoslawx), wo ein Bett schon auf 793 Juden kommt und andererseits Tschernigow, wo erst auf 19 105 jüdische Einwohner ein Bett kommt. Es läßt sich nicht bestimmt sagen, was die Ursache dieser ungleichmäßigen Verteilung ist, jedenfalls scheint hier ein gewisser Zusammenhang mit der Wohlhabenheit der Bevölkerung zu bestehen. Auffallend ist die verhältnismäßig geringe Zahl der Krankenhäuser sowie der Betten in denselben in Polen, wo nur die Gouvernements Warschau und Kaiisch über dem mittleren Niveau stehen, ersteres wohl infolge der großen Krankenhäuser in Warschau- Stadt. Auch zeichnet sich Polen dadurch aus, daß die jüdischen Krankenhäuser dort fast ausschließlich in den Gouvernementalstädten ihren Sitz haben, während im übrigen Gebiet, hauptsächlich aber in den südwestlichen und südlichen Gouvernements, nicht nur viele x) Das Don'sche Gebiet mit 1 Bett pro 239 jüdische Einwohner kann hier nicht in Betracht gezogen werden, da es einen rein städtischen Charakter trägt, was auch I von Warschau gesagt werden muß.