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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 112

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Verhandlungen des Vereins für Sozialpolitik über die berufsmäßige Vorbildung der volkswirtschaftlichen Beamten [Rezension]
Date
1908-07-01
Page
Seite 112 (sequence 2)
Language
German
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sieht, daß durch praktische Tätigkeit allein keine gediegenen Statistiker entstünden, und fordert für sie auf Grund seiner Erfahrung auch eine gründliche theoretische Durchbildung. N. W. \Wirtfdiaftlidie Tätigkeit in Paläftina. Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin-Charlottenburg. Das Büchlein enthält in gedrängter Darstellung die wissenswertesten Angaben über Handel, Industrie, Verkehr, Landwirtschaft, Landerwerb und Bautätigkeit in Palästina und ist für eine erste Information recht brauchbar. Insbesondere werden auch die Zukunftsmöglichkeiten der einzelnen Wirtschaftszweige beleuchtet. Anhangsweise werden die Institutionen, welche praktischer Palästinaarbeit dienen, mit allen nötigen Angaben aufgeführt. Die Schrift, welche für die Massenverbreitung bestimmt ist, ist zweifellos geeignet, in weiten Kreisen Interesse für die Palästinabestrebungen zu erwecken. B. B. Das Judenbuch derSdieffsfraöe zu Wien (1389—1420), herausgegeben von Dr. Arthur Goldmann. Wilh. Braumüller. Wien und Leipzig 1908. Im Auftrage der historischen Kommission der Wiener Kultusgemeinde herausgegeben, bedeutet die vorliegende Publikation einen löblichen Beitrag zur Kenntnis der mittelalterlich-jüdischen Kapitalwirtschaft Das Original, auf dessen Existenz auch schon andere Forscher aufmerksam gemacht haben, bildet einen Teil des ältesten Grundbuchs der Scheffstraße, eines kleinen, von Handwerkern bevölkerten Gemeinwesens vor den Mauern Wiens. Es stellt das Satzbuch für Leihgeschäfte zwischen Juden und Christen während eines Zeitraums von ca. 30 Jahren dar. Dem Historiker bringt das „Judenbuch" kaum neue Tatsachen. Es ist vielmehr eine Variation des alten wohlbekannten Themas: gedrückte dunkle Existenzen, die in dieser armseligen Gegend — die höchste Schuldsumme versteigt sich auf 100 Pfd, — mühsam den Lebensunterhalt durch Geldverieihen gegen Pfänder erwerben. Die allgemeine übliche Zinsfußordnung (43oder 65 vom Hundert) wird meistens umgangen, indem 80 % aller im Judenbuch registrierten Darlehen das ausgeliehene Kapital mit den antizipierten Zinsen enthalten, sodaß dieselben, die erst nach Verfluß des vom Schuldner nicht eingehaltenen RückZahlungstermins laufen sollen, in Wirklichkeit Zinseszinsen darstellen. Sogar Frauen und Rabbiner fehlen nicht in den Reihen der Geldverleiher; dagegen ist von den bedeuteren jüdischen Kapitalisten kaum einer in der Scheffstrasse vertreten. Die Verfolgung? die 1420/21 über die Juden Oesterreichs hereinbrach, machte diesem geschäftigen Treiben ein Ende. Wir wissen dem Herausgeber Dank für den Abdruck der sog. „Wiener Geserah", die in ergreifenden Worten von dieser Katastrophe berichtet. Das Beste läßt sich von der sehr gründlichen Einleitung und dem gesamten wissenschaftlichen Apparat des Buches sagen. Dr. At St—g. Mitteilungen. In der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" hielt am 3 Juni d. Js. Herr Dr. med. Eisenstadt einen Vortrag über „Die Renaissanze der jüdischen Sozialhygiene", zu weichem auch an die Mitglieder des „Vereins für Statistik der Juden" Einladungen ergangen waren. Unter Hinweis auf die vergleichende Gesundheitsplege der orientalischen Völker, welche N o s s i g in seiner „Einleitung zum Studium der sozialen Hygiene'4 geschildert hat, führte der Vortragende das System der alten Juden den Zuhöhern vor Augen und schilderte dessen Gliederung in Maßnahmen zur Bekämpfung der Infektionskrankheiten, staatlicher Organisation des Aerztestandes, Berufs-, Ernährungs- und Sexualhygiene, Ihren letzten wissenschaftlichen Vertreter hatte die jüdische Gesundheitspflege in Maimoni des. Mit ihm verließ die Medizin ihren Platz in der Staatsleitung, Es blieb aber eine unbewußte sozialhygienische Praxis sowohl in der christlichen als jüdischen Bevölkerung auf den Gebieten der Ernährung und Ehe bis zu dem Zeitpunkte, da die Agrarstaaten zur Industrie übergingen und die ersten Erfindungen im Verkehrswesen gemacht wurden. Von da ab begannen die Städte infolge der wachsenden Bevölkerung sich mit den Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung uud der Beseitigung der Infektionsquellen zu befassen. Unter dem Eingreifen der staatlichen und städtischen Behörden entstand so auf dem Boden der neuen bakteriologischen Wissenschaft die öffentliche Gesundheitspflege. Es blieb noch die individuelle Freiheit auf dem Gebiete des Ernährungs- und Sexuallebens, die Gewerbefreiheit für den im Dienste des Individuums stehenden Arzt. Allmählich bereitet sich auch hier eine Renaissanze vor, sei es durch Staats-, sei es durch Selbsthilfe. So ist zu erinnern an die wirtschaftliche Bewegung der Aerzte, an die Ausbreitung der Abstinenzvereine und des Vegetarismus. Am schwierigsten ist für die Durchsetzung der Sozialhygiene die Ehereform; hier tobt noch im geheimen ein erbitterter Kampf zwischen Juristen und Medizinern um die Regelung der Gesetzgebung, verdeckt durch die in ihren Zielen unschlüssige Frauenbewegung. Schließlich dürfte hier der Kreislauf der jüdischen Sexuaihygiene und namentlich die Frühheirat die gebührende Beachtung finden und mit Hilfe der allgemeinen Mutterschaftsversicherung nachgeahmt werden. An die jüdischen Eltern ergibt sich im Hinblick auf das Aussterben der preußischen Juden, welche die altbewährte sozialhygienische Praxis aufgegeben haben, eine ernste Mahnung bezüglich der Jugenderziehung. „Die Gesundheitspflege der Juden in alter und neuer Zeit mit besonderer Behandlung der Ernährung und Ehe", müßte als volkstümliches Lehrbuch unter Berücksichtigung des jetzigen Standes der Wissenschaft von einem Kollegium jüdischer Gelehrten und Aerzte herausgegeben werden. Weiter empfiehlt sich die Verbreitung einer „Jüdischen Monatsschrift für Gesundheitspflege" und Fortbildungskurse in sozialer Hygiene.

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