Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1908)
- Article
- Die Juden im Königreich Sachsen
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 2)
- Language
- German
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— 109 — Zahl der Jud. in % der Gesamtbev. 1834 850 0,05 1837 848 0,05 1840 868 0,05 1843 882 0,05 1846 988 0,05 1849 1022 0,05 1855 1200 0,06 1858 1419 0,07 1861 1555 0,07 1864 1964 0,08 1867 2103 0,09 1871 3346 0,13 1875 5360 0,19 1880 6516 0.22 1885 7755 0,24 1890 9368 0,27 1895 9902 0,26 1900 12416 0,29 1905 14697 0,33 Dieses rasche Wachstum ist erstaunlich und lässt sich nur aus einer Zuwanderung erklären; denn die Geburtenziffer der Juden zeigt in Westeuropa eine sinkende Tendenz und ist sehr viel geringer als die der übrigen Bevölkerung, so daß der Anteil der Juden, wie sich das auch in andern Gregenden des Reiches zeigt, eher abals zunehmen müßte. Auf eine starke Zuwanderung weist auch die Statistik über die Staatsangehörigkeit der Juden: nur 17,3 Prozent derselben waren Sachsen, der weitaus größere Rest stammte zu etwas über ein drittel sonst aus dem Reich, zu fast zwei Drittel sogar aus dem Ausland. Bei den weiblichen Personen stellte sich naturgemäß der Prozentsatz sächsischer Staatsangehöriger etwas höher als bei den männlichen (19,1 gegen 15,8). Wie aus einer Statistik der Stadt Leipzig (im 3. Jahrgang dieser Blätter (1907, S. 143) bereits veröffentlicht) hervorgeht, — vorausgesetzt, daß die hier zutage tretende Erscheinung im großen Ganzen auch für das übrige Sachsen zutrifft, — handelt es sich bei der Zuwanderung vor allem um Österreicher und Russen (in Leipzig wurden ungefähr noch einmal soviel Österreicher als Russen gezählt). Die starke jüdische Zuwanderung nach Sachsen ist wohl verursacht einmal durch dessen östliche Lage, mehr aber ffoch durch wirtschaftliche Verhältnisse des Königreiches. Seine industrielle und städtische Kultur bildet einen Hauptanziehungspunkt. Der Zug nach der Stadt, wie er in unserer Zeit charakteristisch ist, zeigt sich bei der Wanderbewegung der Juden besonders deutlich. Weitaus die Mehrzahl der sächsischen Juden (90,2 °/0) wohnt in Städten, 84,9% sogar in den drei Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz (in Dresden 3514, in Leipzig 7676, in Chemnitz 1280). In Bundesstaaten, in denen die Verstadtlichung weniger rasch vorangeschritten ist, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Im Großherzogtum Hessen z. B. ist die Zahl der Juden von 28061 im Jahr 1849 auf 24696 im Jahr 1905 zurückgegangen, d. i. von 3,43 auf 2,04 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der jüdischen Mischehen in Sachsen betrug im Jahre 1905 292 gegenüber 2174 rein jüdischen Ehen, und zwar überwogen die Ehen mit jüdischem Mann (213, mit jüdischer Frau nur 79). Mit den Mischehen solcher christlichen Konfessionen, die ebenfalls in Sachsen in der Minderheit sind, dürfen diese Zahlen nicht verglichen werden. Bei den Katholiken z. B. betragen die rein katholischen Ehen nicht die Hälfte der katholischen Mischehen. 1905 bestanden 18755 rein katholische Ehen, dagegen 24405 Ehen mit katholischem Mann und 16 549 Ehen mit katholischer Frau. Daß aber auch die jüdischen Mischehen beständig im Zunehmen begriffen sind, beweist ihr Anteil, den sie unter den neu geschlossenen Ehen einnehmen. Von 80 im Jahr 1906 heiratenden israelitischen Männern heirateten 21 außerhalb ihres Bekenntnisses (d. h. 26,25 °/o), von 69 Frauen 10 (d. h. 14,50 ü/o). Hier wie anderwärts bedeuten diese jüdischen Mischehen erhebliche Verluste für das Judentum. Im Jahre 1905 waren von 117 Kindern in Mischehen mit jüdischem Mann nur 18 dem Glaubensbekenntnis des Vaters (d. h. 15,4%) gefolgt; von 53 Kindern in Ehen mit jüdischer Frau wurden nur 7 im Glaubensbekenntnis der Mutter erzogen (d. h. 13,2%). (Die Zahlen sind dem „Statistischen Jahrbuch für das Königreich Sachsen," 36. Jahrg., 1908, Dresden, entnommen).