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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Übertritte zum und Austritte aus dem Judentum in Ungarn im Jahre 1906
Date
1908-06-01
Page
Seite 95 (sequence 1)
Language
German
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— 95 — Ungarn. Ubertritte zum und Rusiritfe aus dem Judenrum in Ungarn im Jahre 1906. (Vgl. Jahrgang 1907, Seite 45). Im jähre 1906 sind im Königreich Ungarn 98 Personen (49 männliche 49 weibliche) zum Judentum übergetreten. Darunter befanden sich 18 männliche und 8 weibliche Personen, welche früher aus dem Judentum ausgetreten waren und nun wieder zum Glauben ihrer Väter zurückkehrten. Diesen Übertritten stehen 468 Austritte aus dem Judentum gegenüber, und zwar von 225 Männern und 243 Frauen. Die Mehrzahl derselben (14o Männer und 173 Frauen) ist zur römisch-katholischen Kirche übergetreten. Ferner sind im Jahre 1906 25 Personen (21 männliche und 4 weibliche) aus dem Judentum ausgetreten, ohne sich einer anderen Konfession anzuschließen. Durch die Übertritte hat das Judentum in Ungarn im Jahre 1906 einen Verlust von 370 Personen erlitten. Während der Jahre 1898—1906 ist das Judentum im Ganzen um 3722 Köpfe geschwächt worden. (Ungarisches Statistisches Jahrbuch, Neue Folge, Band XIV.) Aus dem Jahresbericht des Hilfsuereins der deutschen Juden für 1907. Die Iiitgliederzahl des Hilfsvereins hat sich von 14000 auf 18000 vermehrt. Die regelmäßigen Jahreseinnahmen sind von 98000 M. auf 138000 M. gestiegen. Das Unterrichtswesen des Hilfsvereins umfaßte im Jahre 1907 35 Schulen der verschiedensten Art mit mehr als 4000 Zöglingen. In Galizien wurde gemeinsam mit dem Wiener Hilfsverein und der Großloge für Deutschland die Einführung der verschiedensten Hausindustrien tatkräftig gefördert, und dieBetrebungen haben das Resultat gezeitigt, daß im Jahre 1907 zirka 3100 Arbeitskräfte mit einem Jahresverdienst von 267 486,45 Kr. beschäftigt waren. Um das Kleinhandwerk und die Kleinindustrie zu heben, lieh der Hilfsverein den in Galizien bestehenden Kreditorganisationen weitgehende Unterstützungen, Für eine energische Bekämpfung des Mädchenhandels hat der Hilfsverein gleichfalls Nittel zur Verfügung gestellt. In Rumänien galt es im Berichtsjahr, die Wunden zu heilen, die die Bauernunruhen und die damit verbundenen Exzesse gegen die Juden, geschlagen hatten. Ein Schaden von über 2V2 Millionen Frcs. wurde nach der niedrigsten Schätzung den ohnehin meistenteils in den ärmsten Verhältnissen lebenden Juden Rumäniens zugefügt. 3023 Familien in nahezu 100 Ortschaften hatten unter den Plünderungen gelitten. 42 Personen waren verwundet, von den Hunderten, die Mißhandlungen erleiden mußten, zu schweigen. Auf Anregung des Hilfsvereins der Deutschen Juden einigten sich sämtliche jüdischen Organisationen in einer am 5. Mai 1907 in Wien abgehaltenen Konferenz zu einer gemeinsamen Hilfsaktion zu Gunsten der so schwer geschädigten rumänischen Juden. Das Hilfswerk, das von der Israelitischen Alliance in umsichtigster Weise geleitet wurde, hat bis jetzt über 600000 Kronen erfordert. Der Hiifsverein allein hat rund 80000 Kr. für Rumänien verausgabt. Der Ernst der Lage der rumänischen Judenheit erweckt schwere Besorgnis, und es ist leider zu befürchten, daß weitere Hilfsmittel für die Verfolgten und Vertriebenen notwendig sein werden. Die wirtschaftliche Krise und eine schwere Teuerung im Orient riefen auch in Palästina einen Notstand hervor, zu dessen Linderung der Hilfsverein das Seinige getan hat. In ganz besonders großem Umfange war naturgemäß auch in diesem Jahre Hilfe für die Juden Rußlands notwendig. Für Auswanderungszwecke sind seit dem Ausbruch der russischen Wirren durch den Hilfsverein der Deutschen Juden IV4 Millionen Mark ausgegeben worden. Die jüdische Auswanderung hat sich gegen das Vorjahr nur um ein Geringes vermindert. Unter den Auswanderern nach Amerika befanden sich im Jahre 1907 149132 Juden. Die jüdische Gesamtauswanderung dürfte mit 180000 Personen zu berechnen sein, von denen drei Viertel aus Rußland stammen. Die Zahl der jüdischen Durchwanderer durch Deutschland hat in diesem Jahre ca. 94000 betragen. Während die Gesamtheit der jüdischen Auswanderer nur Auskünfte und Belehrung durch Veröffentlichungen und Briefe erhalten konnte, waren diese 94000 Auswanderer in der Lage, die Organisation des Hilfsvereins, seine Komitees und Vertrauensleute direkt und persönlich in Anspruch zu nehmen. 125000 Auswanderer in runder Zahl wurden vom Hilfsverein befördert, 35000 beherbergt, verpflegt und bekleidet, 2500 ausgeheilt, so daß insgesamt 50000 Auswanderern, also über der Hälfte aller jüdischen Auswanderer, die ihren Weg durch Deutschland nahmen, geholfen werden konnte. Das gesamte philantropische und soziale Hilfswerk des Hilfsvereins der Deutschen Juden erforderte im Jahre 1907 die Summe von % Millionen Mark. Aus dem Jahresbericht der Baronin uan Cohn- Oppsnhehn-Stiftung in Dessau für das Jahr 1907. (Vgl Jahrgang 1907, Nr. 7, Seite 112.) Am 31. Dezember 1907 betrug das Vermögen der Stiftung 5239810 Mark gegen 5282346 Mark im Vorjahre; diese Abnahme des Stiftungsvermögens besteht nur buchmäßig und ist auf niedrigere Kursnotierungen von Wertpapieren zurückzuführen. An Steuern zahlte die Stiftung 26250 Mark; für die Verwaltung wurden 9638 Mark ausgegeben. Unterstützungen an Bedürftige wurden in Höhe von 69500 Mark, für Krankenpflege wurden 24890 Mark, für Schulen 20000 Mark, für Stipendien 14325 Mark verausgabt. Die israelitische Kultusgemeinde in Dessau erhielt wiederum 30000 Mark, die anderen anhaltinischen israelitischen Gemeinden 16890 Mark. Für die Förderung der Wissenschaft des Judentums und zur Unterstützung von Vereinen und Anstalten, welche der Erforschung und Pflege dieser Wissenschaft sowie der sozialen und moralischen Hebung der Juden dienen, wurden 14795 Mark verwendet.

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