Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Die Sozialdemokratie und das jüdische Proletariat [Rezension]
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
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— 80 — für ihn zweifellos bestehenden jüdischen Nation in der Sozialdemokratie bezeichnet, sei hingenommen. Um aber nicht selbst als Häretiker bezichtigt zu werden, fühlt er sich bemüßigt, seine Stellung zu den jüdisch-Nationalen und Zionisten in einer Weise zu präzisieren, die es ausschließt, ihm auf dieses Gebiet zu folgen. N. Weldler. Doctar, Eugen. Emigration und Immigration« Ein Wort zur jüdischen Auswanderer-Not. Berlin, Louis Lamm, 1908. 15 Seiten. In dieser kleinen Schrift empfiehlt der Verfasser das Hochland von B a r k a an der Nordküste Afrikas zur Besiedelung mit jüdischen Kolonisten und wünscht den jüdischen Auswandererstrom insbesondere von Amerika abzulenken. B. B. Weinberg, Siegfried. Soziales Strafrechf. („Kultur und Fortschritt*, Nr4 138/39,) Gautzsch bei Leipzig, Felix Dietrich, 1908. 31 S. — 0,50 M. Weinberg, Siegfried. Über den Cinflufj der 6efdileditsfunktionen auf die weibliche Kriminalität, (Juristisch*psychiatrische Grenzfragen", VI. Bd., Heftl.) Halle a. S., Carl Marhold, 1907. 34 S. — 1 M. Die beiden vorliegenden Schriften dürften für die Leser dieser Zeitschrift deshalb von Interesse sein, weil unsere Leser wiederholt Gelegenheit hatten, sich mit der Kriminalität der Juden und deren Ursachen zu beschäftigen. Das „Soziale Strafrecht" ist zur ersten Einführung in die Kriminalstatistik sowie in die Lehre von den Up Sachen und der Bekämpfung des Verbrechens recht geeignet. Der Verfasser versteht es, in ansprechender Darstellungsweise und in knapper Form den Leser mit den wichtigsten Problemen der Kriminalpolitik und den kriminalistischen Reform fragen bekannt zu machen. in der zweiten Schrift zeigt Weinberg, welchen großen Einfluß die normalen organischen Veränderungen in dem Geschlechtsleben der Frau, nämlich die Pubertät, die Menstruation,, die Schwangerschaft, das Wochenbett und das Klimakterium, auf die weibliche Kriminalität haben, Die eingehende Arbeit wird ihren Zweck, die Juristen und Mediziner auf einen bisher nicht genügend beachteten Kriminalitätsfaktor hinzuweisen, nicht ver* fehlen und vielleicht für die Zukunft manches Unrecht verhüten. — Wer das Problem der jüdischen Kriminalität im Rahmen der allgemeinen Kriminalwissenschaft betrachten ■will, wird aus den Schriften Weinbergs großen Nutzen ziehen. B. B. Kassel, Carl. Die Juden in der Ottmark. Berlin, Verlag Jüdische Rundschau, E. G. m. b. H. 1906. 14. S. Die aus einem Vortrage entstandene Schrift darf trotz ihrer Kürze als ein schätzenswerter Beitrag zur deutschen Ostmarkenfrage betrachtet werden. Der Ver* fasser fordert die ostdeutschen Juden dazu auf, sich aus der Abhängigkeit von allen politischen Parteien zu be* freien und sich selbst in Einigkeit fest zusammenzuschließen. Kassel hofft auf diese Weise dem Nieder* gang der Judenheit in der Ostmark einen Damm ent* gegensteilen und ihre wirtschaftliche und soziale Lage zu bessern. Ob gerade der Zionismus, wie Kassel vorschlägt, unter den heutigen Verhältnissen die geeignete Grundlage für den erstrebten Zusammenschluß bildet, ist eine Frage, die hier nicht zu erörtern ist. B B> Mitteilungen. Am 16. März d. J. fand im Lokale des „Zentral' Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" die diesjährige Hauptversammlung des „Vereins für Statistik der Juden* statt. Aus dem von dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. N o s s i g , erstatteten Rechenschaftsbericht ging hervor, daß das vom Verein geschaffene „B ureaufürS tatist ikderjuden" im Berichtsjahre mehrere größere Arbeiten vollendet hat. Eine Schrift über die „Juden in Oesterreich64 von Dr. Jakob Thon ist vor kurzem erschienen. Demnächst wird eine Arbeit von Dr. Arthur Ruppin über die „Juden in Rumänien'1 veröffentlicht. Die vom Bureau f ürStatistik derj u den durchgeführten Erhebungen über die jüdische Bevölkerung des Großherzogtums Hessen befinden sich zurzeit noch im Archiv der Großloge des U. O. B. B. Die Einnahmen des Vereins betrugen Im Berichtsjahre 8283,40 Mark, Der Verein für Statistik der Juden wird nun fast von allen größeren jüdischen Organisationen und von 55 Gemeinden in Deutschland und im Auslande subventioniert. Von den für die nächste Zeit geplanten Arbeiten des statistischen Bureaus seien hervorgehoben: Eine Ueberscht der Verhältnisse der. Juden in Ungarn und eine anialoge Arbeit für Holland Die gegenwärtig in Palästina weilenden Mitglieder des Bureaus, Dr. Thon und Dr. Ruppin $ werden ferner eine Statistik der jüdischen Schulen in Palästina auf' nehmen. Die Hauptversammlung genehmigte die von Rechtsanwalt Dr. B r u n o Blau entworfenen Satzungen desVerbandes f ürStatistik der J uden, der die zurzeit bestehenden Vereine umfassen soll. Aus den Wahlen gingen das Kuratorium und der Vorstand in ihrer bisherigen Zusammensetzung unverändert hervor, nur wurde Herr Richard Cassel neu in den Vorstand gewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Leopold Domnauer und Phöbus Sachs gewählt.