Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Die berufliche Gliederung der Juden in Hessen
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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— 51 — die jüdischen Knaben im Durchschnitt bis zu einem höheren Lebensalter die Schule besuchen als es bei den Christen der Fall ist, und hierdurch die Zahl der „Angehörigen" verstärken. Bei den weiblichen Juden mag derselbe Umstand auch in geringem Umfange mitwirken. In der Hauptsache ist jedoch die geringere Anteilnahme der Frauen am Erwerbsleben in dem größerem Wohlstande und in einer alten jüdischen, der Berufstätigkeit der Frau abholden Tradition begründet. Von dieser Tradition haben sich die Juden erst in den großen Städten, die der Frauenarbeit zahlreiche Berufe eröffnen, allmählich frei gemacht, und es mag dem Umstände, daß die Juden in Hessen zur Hälfte noch in kleinen Städten wohnen, zuzuschreiben sein, daß bei ihnen der Anteil der Frau am Erwerbsleben noch kleiner ist, als im ganzen deutschen Reiche, wo der Anteil der Erwerbstätigen unter den Jüdinnen im Jahre 1895 21,97 % betrug. Unter den einzelnen in Tabelle I angeführten Berufsgruppen zeigt weitaus die stärkste Besetzung der "Waren- und Produktenhandel in stehendem Geschäftsbetrieb, dem 4741 Juden und 703 Jüdinnen, d. h. 62,20 % aller erwerbstätigen jüdischen Männer und 30,61 % aller erwerbstätigen jüdischen Frauen angehören. An zweiter Stelle steht die Nahrungs¬ und Genußmittelindustrie mit 667 männlichen und 77 weiblichen jüdischen Erwerbstätigen. Verhältnismäßig stark besetzt sind auch noch das Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe mit 183 männlichen und 196 weiblichen erwerbstätigen Juden, und die Handelsvermittlung (Makler, Agenten) mit 184 männlichen und 16 weiblichen jüdischen Berufsangehörigen. Faßt man die einzelnen Berufsgruppen nach dem Schema der amtlichen deutschen Berufsstatistik in großen Berufsabteiiungen zusammen und vergleicht die Verteilung von Juden und Christen, so ergibt sich, wie Tabelle II zeigt, daß die von den Christen am meisten bevorzugte Berufsabteiiung die Landwirtschaft, die von den Juden am meisten bevorzugte der Handel ist. Der Landwirtschaft Tabelle II. Zusammenfassung nach Berufsabteiiungen. Es waren erwerbstätig in absoluten Zahlen unter je 100 erwerbstätigen in folgender Christen Juden Christen j u d e n Berufsabteilung männl. weibl. zus. männl. weibl. zus. männl. weibl. zus. männl. weibl. zus. 115865 51398 167263 124 82 206 34,39 36,89 35,12 1,63 ' 3,57 2,08 135745 24941 160686 1218 299 1517 40,29 17.90 33,74 15,98 13,02 15,29 Handel und Verkehr . . 31136 8889 40025 5234 798 6032 9,24 6,38 8,40 68,67 34,74 60,81 Lohnarbeit wechselnder Art........... 4173 3009 7182 6 10 16 1,24 2,16 1,51 0,08 0,44 0,16 Oeffentlich, Dienst, freie 32624 c\ i r. r' £V*UO 36030 467 22 489 9,68 2,44 7,57 6,13 0,95 4,93 Selbständige ohne Beruf 16887 21054 37941 568 789 1357 5,02 15,11 7,97 7,45 34,35 13,68 Häusliche Dienstboten . 460 26647 27107 5 297 302 Ü,H 19,12 5,69 6,06 12,93 3,05 Alle Berufsabteiiungen 2297 336890 139344 476234 7622 9919 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 gehören 35,12 % aller erwerbstätigen Christen, aber nur 2,08 % aller erwerbstätigen Juden, dem Handel dagegen nur 8,40 % der Christen und 60,81 % der Juden an. Nach ihrem Anteil an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen müßte der Prozentsatz der Juden, wenn die Berufsgliederung von Christen und Juden die gleiche wäre, 2,21 % aller erwerbstätigen Männer, 1,62 % aller erwerbstätigen Frauen und 2,04 % aller erwerbstätigen Personen überhaupt betragen. In Wirklichkeit waren aber von je 100 Erwerbstätigen jeder Berufsabteilung Juden