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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. Seite 32

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Jahresbericht der Colonization Association für 1906
Date
1908-02-01
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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— 32 — 10. Heft und im 2. Jahrgang S. 175 dieser Zeitschrift folgendes hervor: Die Ackerbaukolonien in Argentinien, denen nach wie vor die Hauptsorge der Gesellschaft gilt, haben sich im Berichtsjahre zwar nicht nach außen erweitert, aber innerlich konsolidiert. Es zählten am 31 Dezember 1906 Kolonisten Nichtkolonisten zusammen die Kolonien * 111 1 s /—•—* . * 11 > Famil. Seel. Famäl. Seel. Famil. Seel. Mauricio. . . . 252 1130 205 872 457 2202 Clara..... 619 3272 117 673 736 3945 Lucienville . . 271 1595 103 586 374 2181 Moisesville . . 448 2540 78 635 526 3175 83 450 4 21 87 471 zusammen 1673 9187 507 2787 2180 11974 Am 31. Dezember 1905 hatte die Zahl der Personen in den Kolonistenfamilien nur 9272, die Zahl der sonstigen Personen 2195, die Gesamtzahl der Seelen mithin Ü422 betragen. Es ist also im Jahre 1906 ein kleiner Rückgang bei den Kolonisten eingetreten, dem ein beträchtliches Anwachsen der Nichtkolonisten gegenübersteht. Die gesamte von den Kolonisten im Erntejahr 1905/06 bestellte Fläche betrug 74772 ha, die Gesamtproduktion an Weizen, Hafer, Mais und Lein 307079 Ctr. (gegen 346481 Ctr. im Vorjahr). Der Mindertrag erklärt sich durch anhaltende Dürre und Heuschreckenschwärme, von denen einzelne Kolonien heimgesucht wurden. Die Viehzucht spielt in den Kolonien eine große Rolle; es waren am 31, Dezember 1906 in den Kolonien 28337 Pferde, 68919 Stück Rindvieh und 6900 Schafe vorhanden. Seitens der Kolonisten sind an die Gesellschaft von den fälligen Jahresrenten, die 501833 betrugen, nur 279536 55,7 % bezahlt worden. Im vorigen jähr hatte der entsprechende Prozentsatz nur 47,1 % betragen. Das deutet darauf hin, daß die Kolonien in aufsteigender Entwicklung begriffen, aber doch noch nicht völlig konsolidiert sind. In den 28 Schulen in den Kolonien wurden 1779 Kinder (955 Knaben und 824 Mädchen) durch 71 Lehrkräfte unterrichtet. Erwähnenswert ist, daß die argentinische Regierung den Unterricht im Hebräischen nicht besonders wohlwollend zu betrachten scheint und den Nachdruck auf Unterricht im Spanischen und argentinischer Geschichte gelegt sehen wiii. In Brasilien unterhält die Gesellschaft die Kolonie Philippson, in der sich 43 Kolonisten mit 51 Haushaltungen und 275 Seelen befanden Außerdem hat sie noch Kolonien in Kanada, Cypern, Kleinasien und Palästina. Die palästinensischen Kolonien machen mit einigen Ausnahmen gute Fortschritte. Außer den Ackerbaukolonien hat die Gesellschaft in vielen Teilen der Welt (Palästina, Kleinasien, Vereinigte Staaten, Galizien) Ackerbauschulen errichtet. Sie wendet ferner dem Elementar- und gewerblichen Unterricht in Rußland, Galizien und dem Orient ihre besondere Aufmerksamkeit zu und hat auch in der aligemeinen Eürsorge für die Auswanderer und durch die Errichtung von genossenschaftlichen Darlehnskassen in Rußland und Galizien bemerkenswertes geleistet Literatur. Die Cäfung der ludenfrage. Eine Rundfrage veranstaltet von Julius Moses, Berlin. Leipzig. Modernes Verlagsbureau Curt Wiegand. 1907" Die von Dr. Moses bei seinen Zeitgenossen veranstaltete Rundfrage über die Lösung der Judenfrage hat schon insofern einen geringen Erfolg gehabt, als nur verhältnismäßig wenig Antworten eingegangen sind, denn, wenn Moses auch nicht verrät, an wieviel Personen er sich gewandt hat, so ergibt sich doch aus den Namen der 98 Antwortenden, daß diese nur eine kleine Zahl der Ausgefragten bilden können. Ob es überhaupt irgend einen Wert hat, die Ansicht von Leuten, welche in ihrem Fache noch so Hervorragendes leisten mögen, über eine so komplizierte Frage wie die Judenfrage, mit der sie sich wenig oder garnicht beschäftigt haben, zu provozieren, mag dahingestellt bleiben. Ein gewisses Sensationsbedürfnis wird zweifellos befriedigt, wenn Personen, welche im öffentlichen Leben eine Rolle spielen und allgemein bekannt sind, sich zur Judenfrage äußern. Darüber jedoch, ob gerade alle diejenigen Personen, deren Antworten Moses veröffentlicht, als „bedeutende Männer und Frauen" anzusprechen sind, läßt sich streiten. Wir wollen Niemandem, auch Herrn Bartels nicht, zu nahe treten, zumal die Interpellierten ja an der Veranstaltung der Rundfrage unschuldig sind. Daß sich die Letzteren im wesentlichen in zwei Lager teilen und die Lösung der Judenfrage auf zweierlei Art versucht wird, durch die vollkommene Assimilation, Taufe, Mischehe einerseits und die Gründung eines nationalen jüdischen Gemeinwesens andererseits, ist kaum besonders hervorzuheben. — Nachdem Herr Dr. Moses so viele andere gefragt hat, fragt er sich jetzt vielleicht auch einmal selber, um wieviel er durch seine Rundfrage die Judenfrage ihrer Lösung näher gebracht hat. B. B. Marcus, Aron, Die moderne €ntü)ickelungstheorie in der jUdifdien Wiffenfdtaft. Hamburg. S. Marcus. 1907. Der Verfasser zieht in einem in der „Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung" zu Frankfurt a. M, gehaltenen Vortrage gegen Darwin und Häckel zu Felde und weist auf die in den Schriften Mose Chaim Luzzatos enthaltene Entwicklungslehre hin. B. B.

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