Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- Die jüdischen Richter im deutschen Reiche
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187703-3187705-3191556--1477-3191598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
— 16 — Oldenburg und Sachs en-MeinIngen haben je einen jüdischen Richter erster Instanz. In Hamburg gab es bis 1907 8 jüdische Richter erster Instanz; jetzt ist einer davon zum Landgerichts* direkter befördert worden. In Elsaß waren von 4 jüdischen Richtern 2 Oberlandesgerichtsräte; neuerdings ist noch ein Landgerichtsdirektor ernannt worden. Am Reichsoberhandelsgericht und Reichsgericht endlich gab es früher 2 jüdische Räte. Jetzt hat das Reichsgericht keinen jüdischen Richter mehr, wohl aber einige getaufte Juden. Blau. Deutfehes Reidi. Der HUfsüerdn der deutfdien Juden versendet eine Übersicht über seine Tätigkeit in der Zeit vom 1. Januar bis 30. September 1907. Danach hat sich die Mitgliederzahl wesentlich erhöht. Sie betrug am 14 Januar 1907 etwa 13 000 „ 1. April „ , 14000 „ 1. Oktober „ „ 17000. Während der Hilfsverein im Jahre 1906 an 442 Orten Deutschlands vertreten war, ist er es jetzt an 551 Orten. An Jahresbeiträgen sind in der Berichtszeit 120000 ML eingegangen, während die Beiträge des ganzen Jahres 1906 nur 98696.44 M. betrugen. Außerdem wurden 160 000 M. an einmaligen Beiträgen gezahlt. In Osteuropa und im Orient unterhält und unter* stützt der Hilfsverein 32 Schulanstalten, nämlich 12 Kindergärten, 14 Knaben- und Mädchenschulen, 1 kom* merzielle Mittelschule, 1 Handelsschule, 1 Haushaltungsschule, 1 Handwerkerschule, 1 Kunstgewerbeschule, 1 Seminar. Das Hilfswerk erstreckte sich auf Galizien, Rumänien, Marokko und Rußland. Für Auswanderungszwecke wurden etwa 250000 M. aufgewandt; 30000 Auswanderer wurden auf den einzelnen Verpflegungsstationen verpflegt und 10000 Auswanderer befördert. Gemeinschaftlich mit der Großloge ist ein besonderes »Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten * gegründet worden, welches die Organisation des gesamten Auswanderungswesen zum Ziele hat Blau. HuySand. Die Zahl der Juden in RuMand im Jahre 18369 Im Jahre 1836 beliej sich die Gesamtzahl der Juden in Rußland auf 1033141 Personen beiderlei Geschlechts. Davon lebten in den Gouvernements: Wilna 118095, Witebsk 50690, Wolhynien 193335, Grodno 73470. Jekaterinoslaw 6586, Kiew 108860, Kurland 23600, Livland 532, Minsk 98685, Mohilew 82431, Podolien 147612, Poltawa 15938, Täurin 2834, Gherson 4049, Tschernigow 18604, Bessarabien 43062, Bialystok 5660, in Grusien und den transkaukasischen Provinzen 9598. (Preuß. Staats-, Kriegu. Fnedenszeitung 1838, No. 33, Seite 265). Hoppe. Mitteilung. Die Rudolf Virchow-Stiftung in Berlin hat Herrn Dr. S. Weißenberg in Elisabethgrad, dem unseren Lesern durch mehrfache Beiträge in dieser Zeitung bekannten Anthropologen, die nötigen Mittel zur Verfugung gestellt um die Juden Palästinas und der benachbarten Länder anthropologisch zu untersuchen. Es ist zu hoffen, daß durch die Untersuchungen des auf dem Gebiete der Anthropologie der Juden seit lange bewährten Forschers das jüdische Rassenproblem seiner Lösung näher ge? bracht werden wird. Berichtigung. In der Besprechung der Schrift: „Das Problem der Kriminalität der Juden" von Prof. F. v, Liszfc in der vorigen Nummer der Zeitschrift ist leider durch Weglassen eines Absatzes eine Entstellung des Sinnes vorgekommen. Es muß auf Seite 192, erste Spalte nach Zeile 2 folgender Passus eingeschoben werden: Wenn aber v. Liszt am Schlüsse seiner Abhandlung bemerkt „Welches nun (sc außer dem Beruf) die Faktoren sind, durch welche die Kriminalität der Juden trotz ihrer günstigen Stellung inbezug auf Bildung und Wohlstand ungünstig beeinflußt werden, darüber lassen sich heute nur Vermutungen anstellen. Wassermann selbst weist mit Recht darauf hin, daß die Verschiedenheit der Kriminalität in Stadt und Land hier eine wichtige Rolle spielen dürfte, . . . Aber der ziffernmäße Nachweis für die Richtigkeit dieser Annahme steht noch au s. Und es ist nicht ausgeschlossen, daß selbst, wenn auch dieser Faktor mit in Rechnung gestellt wird, immer noch Abweichungen übrig bleiben, die einer weiteren Aufklärung bedürfen", so muß ich ihm entgegnen, daß der „ziffernmäßige Nachweis* hierfür nicht nur „große, teilweise kaum überwindliche Schwierigkeiten* bieten würde," — das gibt v. Liszt später selbst zu — sondern daß derselbe vielmehr gänzlich unmöglich ist.