Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Stand der jüdischen Bevölkerung in Deutschland auf Grund der Volkszählung v. 1. Dez. 1910
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187701-3191448--3205-3191478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1,55%. Das Wachstum der gesamten preußischen Bevölkerung belief sich in demselben Zeitraum auf 7,7 °/0. Das ungewöhnlich starke Zurückbleiben der jüdischen Bevölkerung hinter der Gesamtbevölkerung in ihrer numerischen Entwicklung hatte demgemäß zur Folge, daß der Prozentanteil der Juden von 1,10 i. ,7. 1905 auf 1,03 i. J. 1910 zurückging. Die Gründe für die schwache Zunahme der preußischen Juden sind in der geringen Geburtenzahljdem starkenKonf essionsWechsel und der Ausweisung zugewanderter ausländischer Juden aus Preußen im letzten Jahrfünft zu suchen. Namentlich der letzte Umstand dürfte von großer Bedeutung gewesen sein. In dem Jahrfünft 1900 bis 1905 war nämlich infolge der Judenpogrome in Rußland eine Massenzuwanderung von russischen Juden erfolgt und schon bei der Bearbeitung der Volkszählung von 1905 ist in dieser Zeitschrift darauf hingewiesen worden, daß das plötzliche Anschwellen der jüdischen Bevölkerungsziffer in Preußen in erster Linie auf die Einwanderung zurückzuführen sei. Ein sehr großer Teil der Zugewanderten hielt sich nur vorübergehend in Berlin auf und ist, nachdem die politische Lage in Rußland ruhiger geworden war, in seine Heimat zurückgekehrt, ein Teil hat den Wanderstab weiter gesetzt, und wieder andere sind ausgewiesen worden. Ein Vergleich der tatsächlichen und natürlichen Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Preußen von 1905 bis 1909 ergibt folgendes Bild (die Geburten und Sterbefälle für 1910 liegen noch nicht vor). Natürliche Zunahme von 1905 bis 1909 5 578 Tatsächliche „ „ 1905 „ 1909 5 092 Die natürliche Zunahme war demnach um 500 stärker als die tatsächliche. Austritte und Mischehen absorbieren eben einen Teil der jährlich neu hinzukommenden Bevölkerungsmasse. Ausführliche Angaben über die Entwickelung der jüdischen Bevölkerung in Preußen — im Staate und den Provinzen — von 1880 an enthält folgende Tabelle. Tabelle I. Die Zahl der Juden im preußischen Staat und dessen Provinzen von 1880 bis 1910. A. Staat B. Provinzen Ostpreußen Westpreußen Stadtkr. Berlin Brandenburg Pommern Posen Schlesien Sachsen Schi.-Holstein Hannover Westfalen Hessen-Nassau Rheinland 353790; 386575 372058j3797i6:392322!4ö950i;4158ör 18213! 26547! 53949! 12296! 13886? 56609: 52682: 6700; 3522! 14790! 18810: 41316: 43694 15667 24654 64383 12164 13291 50S66 51481 7347 3544 15009 18935 43145 45405 H411 21750 79286 13775 12246 44346j 48003| 7949! 35701 15112; 19172 44543 47234 14364 2023Si S6152! 18394! 116611 40019! 47593! 7850| 3702! 15065! 19359| 45725* 49018; 13877: 18226 \ 92206; 25706: 10880! 35327! 47586; 8047; 3486! 15393; 20640! 48105! 52251! 13553 16139 98893 40427 9660 30433 46845 8050 3270 15581 20757 50016! 55408! 13027 13954 89954 61343 8862 26512! 44985; 7833; 3343! 15545 21036 51781 5728 Zu-(-f) oder Ab;-- )n ahme auf 100 der Bev. 1880 bis j 1890 bis 1890 j 3900 1900 bis! 1905 bis 1905 j 1910 - 20,89 - 18,07 -f 46,96 + 12,02 - Ii 81 - 21,60 - 8,88 -j- 18,64 + 4- 2,17 -r 1,92 + 7,81 -4- 810 + 8,13 — 3,70 — 16,20 -j~ 16,29 -f 86,61 — 11,15 — 20,33 — 0,86 4- 1,23 ~~ 2,35 -f 1,85 -f 7fi5 + 7,99 -r 10,62 -f 4,37 — 2.33 — 11,45 -f 7,25 -4- 57,26 — 11,21 — 13,85 — 1,53 + 0,03 — 6; i9 + 1,22 4- 0.56 4- 3.97 4- 6,04 1,55 3,88 13,54 9,03 51,73 8,26 12,88 3,96 2,70 2,23 0,23 1,34 3,52 3,39 Die Abnahme der Juden in den östlichen Provinzen hält in unverminderter Stärke an. umgekehrt wächst die Bevölkerung in den westlichen Provinzen hauptsächlich durch die Zuwanderung ausländischer Juden. Ganz besonders stark war der Verlust, den Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien und Sachsen im Jahrfünft 1905/10 erlitten haben. Der Stadtkreis Berlin hat mit einem Schlage um 8939 abgenommen, während er bis 1905 ununterbrochen wuchs. Der Grund liegt in der Abwanderung in die Vororte, vor allem nach